Laëtitia Graffart starb auf der Frankfurter Allee, bei einer Mahnwache wurde hier ein weißes Fahrrad zur Erinnerung angebracht. Fotos: IMAGO / Stefan Zeitz, Facebook / privat
© Fotos: IMAGO / Stefan Zeitz, Facebook / privat

Berlins Comic-Szene trauert um Laëtitia Graffart „Wir sind wütend und traurig“

Lara Keilbart

Laëtitia Graffart hat die Berliner Comic-Szene geprägt. Jetzt wurde sie mit 37 Jahren bei einem Verkehrsunfall getötet. Ein persönlicher Nachruf.

Wir sind geschockt und fassungslos. Wir sind wütend und traurig. Laëtitias starke Stimme wurde abrupt zum Verstummen gebracht. Laëtitia war einzigartig und ist unersetzbar. Das schmerzt sehr.

Laëtitia Graffart kam 2012 aus Frankreich nach Berlin, ursprünglich nur für ein Praktikum, aber sie blieb hier. Die Stadt bot ihr viele Möglichkeiten, sich zu entfalten, aber vor allem für eine ihrer großen Leidenschaften: Comics.

Laëtitia hat die Berliner Comic-Szene in den letzten Jahren so vielfältig und an so vielen Stellen geprägt wie kaum eine andere Person. Immer ging es ihr um Austausch, um das Verbinden von Menschen und Kulturen.

Besonders das Zusammenbringen von französischer und deutscher Comickultur lag ihr am Herzen. Sei es durch die regelmäßig erscheinende, zweisprachige Comic Anthologie „Beton“, in der deutsche wie französische Künstler*innen veröffentlicht wurden. Sei es im Comicladen Modern Graphics in der Kastanienallee, den sie mit aufgebaut und drei Jahre lang geleitet hat und in dem sie einen eigenen Bereich mit französischsprachigen Comics etablierte und kuratierte. Außerdem organisierte sie dort einen deutsch-französischen Comic-Stammtisch und Lesungen.

Oder sei es im Deutschen Comicverein, bei dem sie nicht nur die Online-Präsenz verantwortete, sondern auch jährlich beim Comicfestival in Angoulême den Stand betreute und viel, viel Netzwerkarbeit leistete.

Sie hatte immer Ideen, die über den Tellerrand hinausgingen

Auch beim ComicInvasion-Festival engagierte sich Laëtitia seit vielen Jahren in unterschiedlichen Rollen. Mal organisierte sie Programmpunkte, mal war sie in der Wettbewerbsjury, und aktuell war sie für den diesjährigen Länderschwerpunkt Frankreich verantwortlich. Dabei hatte Laëtitia immer richtig coole Ideen, die oft über den klassischen Comictellerrand hinausgingen, und schenkte der Independent-Szene besondere Aufmerksamkeit.

Laëtitia Graffart (mitte) am Stand der deutschsprachigen Comics beim Festival International de la Bande Dessinée d'Angoulême. Foto: Deutscher Comicverein Vergrößern
Laëtitia Graffart (mitte) am Stand der deutschsprachigen Comics beim Festival International de la Bande Dessinée d'Angoulême. © Deutscher Comicverein

Für so viele von uns war Laëtitia aber schlichtweg auch eine gute Freundin. Sie hatte immer ein offenes Ohr für alle, sie war eine, die gerne half, völlig uneigennützig und immer mit ihrer herzlichen Art, immer mit Punk-Attitüde. Ihre Einschätzungen waren so klug wie einfühlsam und sie vertrat immer eine klare Position. Das zeigt sich auch in ihrer Musik, mit ihrer Band „Späti Smith“ veröffentlichte sie im vergangenen Jahr eine feinste Riot-Grrl-EP. Typisch Laëtitia.

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So viele Projekte, so viele Comics - und Laëtitia hatte noch so viel mehr vor. All das wurde ihr genommen.

Am 27. Mai fuhr sie mit dem Fahrrad auf der Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain, der Radweg war von einem Geldtransporter blockiert. Sie versuchte, ihm auszuweichen, und wurde um 12.20 Uhr von einem Sattelschlepper überfahren. Sie war 37.

Wir sind geschockt und fassungslos. Wir sind wütend und traurig. Wir werden dich nicht vergessen, Laëtitia. Du wirst immer ein Teil von uns sein, immer ein Teil des Teams bleiben und wirst uns unendlich fehlen. Ruhe in Frieden, Panel-Punk.

Lara Keilbart und das Team der ComicInvasion.

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