Die 1996 geborene Cellistin Anouchka Hack spielt ein italienisches Instrument von 1769. Foto: Anoush Abrar
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Brandenburger Symphoniker Eine Tür schließt sich, eine andere geht auf

Die Brandenburger Symphoniker spielen mit dem Dirigenten Olivier Tardy und der Cellistin Anouchka Hack im Nikolaisaal Potsdam – und sorgen sich um ihre Zukunft.

Die Chemie stimmt zwischen Olivier Tardy und den Brandenburger Symphonikern, das wird spürbar beim Auftritt des Orchesters am Sonntag im Nikolaisaal Potsdam. Tardy ist ein doppelt Begabter, er gehörte zu den Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker, bevor er 1996 Solo-Flötist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wurde. Parallel hat er sich eine Karriere als Dirigent aufgebaut. Tardy ist ein Tänzer, wenn er den Taktstock führt, die Musik durchströmt sichtbar seinen ganzen Körper – und er vermag diese expressive Energie auch auf die Brandenburger Symphoniker zu übertragen.

Darum sprach sich das Orchester bereits vor mehr als zwei Jahren für ihn als Chefdirigenten aus. Der Posten ist seit 2015 vakant, mit dem renommierten, aber mittlerweile 87-jährigen Peter Gülke gab es immerhin eine glückliche Interimslösung. Die Stadt als Trägerin des Brandenburger Theaters bot Olivier Tardy zunächst eine stattliche Summe an – als er dann aber, viele Monate später, den unterschriftsreifen Vertrag erhielt, war die Summe dort massiv reduziert. Das empfand der 1973 geborene Franzose als Affront und sagte ab.

Reiner Schönklang bei Humperdincks "Dornröschen"

Aus Freundschaft zu den Musikerinnen und Musikern war er jedoch bereit, als „1. Gastdirigent“ die laufende Saison zu leiten. Im Mai wird er im Stammhaus an der Havel noch ein Programm dirigieren, in Potsdam war er jetzt zum letzten Mal zu erleben, im Rahmen der von Clemens Goldberg eloquent moderierten „Klassik am Sonntag“-Konzertreihe des Orchesters. In reiner Schönheit verströmt sich Engelbert Humperdincks „Dornröschen“-Bühnenmusik von 1902, mit Streicherschmelz und romantischem Hörnerklang, Harfengeglitzer und lieblichen Holzbläser-Soli. Eine familientaugliche Märchenmusik aus wilhelminischen Zeiten ist das, der sich Oliver Tardy aber ebenso liebevoll annimmt, wie später der – viel raffinierter gemachten – „Ma mère l’oie“-Suite von Maurice Ravel.

Mit honiggoldenem Cello-Ton spielt Anouchka Hack sowohl die „Elegie“ des Filmmusik-Altmeisters John Williams als auch das Konzert für ihr Instrument, das der Schweizer Komponist Arthur Honegger 1929 geschrieben hat. Die Musikerin schließt oft die Augen, wenn sie spielt, singt am liebsten versonnen auf den Saiten und bleibt auch dann nobel im Ausdruck, wenn es in der Partitur mal ruppig zugeht.

Der neue Intendant soll bei der Chefdirigentensuche helfen

Dass dieses Stück vom amerikanischen Großstadtleben erzählt – es entstand im Auftrag des Boston Symphony Orchestra – wird dabei allerdings nicht recht klar. Auch weil der Orchesterklang zu spröde bleibt, Tardy jenen lässigen, zukunftsgläubigen Metropolensound atmosphärisch nicht herausarbeitet, den Honeggers Jazz- und Straßenlärm-Anklänge eigentlich herausfordern.

Wie es für die Brandenburger Symphoniker jetzt weitergeht? Im März soll ein neuer Orchestervorstand gewählt werden – und der soll dann mit Hilfe des frisch bestallten Intendanten Alexander Busche endlich eine Lösung für das Chefdirigentenproblem finden. „Da capo al fine“ könnte man im Musiker-Italienisch sagen: „Noch mal von vorne bis zum glücklichen Ende.“

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