Drei vertraute Gesichter. Die neue Vierte im Bunde kommt erst später zum Zuge. Die Black Eyed Peas in Berlin. Foto: Imago/Carsten Thesing
© Imago/Carsten Thesing

Black Eyed Peas in Berlin Vier ist mehr als drei

Umbesetzt, doch gut wie eh und je: die Black Eyed Peas in der Max-Schmeling-Halle.

Der Vorteil, eine Hitsingle wie „Let’s get started“ zu haben, liegt darin, dass man sich keine Gedanken darüber machen muss, mit welcher Nummer man sein Konzert beginnt. Also eröffnen die Black Eyed Peas ihren Auftritt in der Max-Schmeling-Halle erwartungsgemäß mit ihrem Überhit. Das Publikum fasst gleich Vertrauen: Ja, die Black Eyed Peas klingen immer noch nach Black Eyed Peas.

So selbstverständlich ist das nicht. Die Band war lange vom öffentlichen Radar verschwunden. Für die Veröffentlichung ihres neuen Albums mit dem Titel „Masters of the Sun, Vol.1“ hat sie sich acht Jahre Zeit gelassen. Die Black Eyed Peas versuchen sich also an einer Art Comeback. Aber was noch viel wichtiger ist: Fergie ist nicht mehr dabei.

Sie sorgte entscheidend mit dafür, dass die Black Eyed Peas seit dem phänomenalen Erfolg mit dem Album „Elephunk“ zu Beginn der nuller Jahre immer als die etwas andere Hip-Hop-Combo wahrgenommen wurden. Und das auch optisch: Drei schwarze Rapper und eine weiße Sängerin setztem ein Zeichen, gerade im amerikanischen Hip-Hop: Schwarz, weiß – egal, es geht nur darum, ob die Musik gut ist.

Nun also ist Fergie nicht mehr dabei, weil sie sich verstärkt um ihre Solokarriere kümmern möchte. Und so stehen die übrig gebliebenen Rapper alleine auf der Bühne, drei mit den seltsam geschriebenen Künstlernamen will.i.am, apl.de.ap und Taboo. Hinter ihnen, auf einer Empore, sorgt eine Band, bestehend aus Drummer, Bassisten und DJ, währenddessen für den nötigen Wumms.

Doch was ist das? Schon bei „Let’s get started“ gibt eine weibliche Stimme aus dem Off die Backing Vocals. Wurden Fergies Gesangsbeiträge ganz einfach gesampelt? Auflösung später.

Ägyptische Mythologie

Ein Lichtdreieck wird auf die Bühne projiziert, oder besser: eine Lichtpyramide. An das alte Ägypten soll durchaus erinnert werden. Schließlich ist „Masters of the Sun“ nicht nur der Titel des neuen Albums der Band, sondern auch der eines Marvel-Comics, den will.i.am verfasst hat. In diesem geht es um Gottheiten aus dem ägyptischen Sagenkosmos, die die Menschen mithilfe einer Droge in Zombies verwandeln. Die Menschheit retten muss in der kruden Geschichte eine Hip-Hop-Combo aus der Bronx.

Die Black Eyed Peas hatten noch nie Berührungsängste. Sie haben mit der Nu-Metal-Band Papa Roach genauso zusammengearbeitet wie mit dem DJ-Superstar David Guetta. Jetzt mischen sie halt auch noch mit im Comic-Geschäft.

Dann aber Bühne frei für die neue Fergie, für Jessica Reynoso, die ab sofort für jeden sichtbar die Parts der alten Sängerin übernimmt und überhaupt als das neue Mitglied der Black-Eyed-Peas-Familie vorgestellt wird. Das alte System – drei Männer und eine Frau, allerdings nun eine schwarze Frau – ist wieder hergestellt. Und jetzt läuft die Maschine auch so richtig rund.

Vier bieten auf der Bühne mehr als drei. Und singen kann Jessica Reynoso wirklich gut. Die Mischung aus Hip-Hop, Pop und Elektronik geht jetzt erst so richtig runter wie Öl.

Zur Startseite