Ein Hauch von Pet Shop Boys durchweht Nick Höppners "Folk"

DJ und Produzent Nick Höppner. Foto: Katja Ruge
Berghain-DJ Nick Höppner Der Mann, dem die Tänzer vertrauen

Höppner nimmt die Rezepturen elektronischer Tanzmusiken, die in den Achtzigern in Chicago und Detroit erfunden wurden und in den letzten drei Jahrzehnten in Großbritannien, Ibiza und Berlin verfeinert wurden, und reichert diese mit ein paar eigenen Ideen an.

„Folk“ ist weder eine reine Clubplatte noch eine, die auf der Couch gehört werden sollte, auch diesbezüglich scheint Höppner sich gesagt zu haben: Keine Experimente. Er wollte keine Hits produzieren oder das Genre revolutionieren, sondern einfach ein paar elegant pumpende Tracks aufnehmen, bei denen man vielleicht auch noch in ein paar Jahren sagen kann, dass sie keine Patina angesetzt haben.

So ist das Überraschendste bei „Folk“, dass die Platte sowohl musikalisch als auch optisch von der typischen Ostgut-Ton-Linie abweicht, die Nick Höppner ja selbst miterfunden hat. Die Platten des Labels stehen für kompromisslosen, dunklen Minimal-Techno, auf „Folk“ aber sind poppige Synthies zu hören, ein Hauch von Pet Shop Boys durchweht die Musik. Und dazu noch dieses Plattencover: „Die typische Ostgut-Ton-Ästhetik bei den Plattencovern ist industriell, grobkörnig, schwarz-weiß. Genau davon wollte ich mich absetzen“, erklärt er.

Ein bisschen Nostalgie

Das farbenfrohe Motiv auf „Folk“ zeigt ein altes Bahnabteil, die Sitzbänke haben bräunliche Cordbezüge. So sehen Technoplatten normalerweise nicht aus. Früher war diese Musik futurismussüchtig, alles musste auf ein utopisches Morgen verweisen, bei Höppner dagegen ist der Fortschritt etwas, an das wir uns längst gewöhnt haben, das uns selbstverständlich umgibt, ja gar etwas Nostalgisches.

Dazu passt auch Höppners Idee hinter dem Plattentitel „Folk“: Was in den USA Folkmusic ist, traditionelle Weisen, die scheinbar schon immer da waren und mit einfachsten Mitteln aufgeführt werden können, House und Techno. „Es gibt hier überhaupt kein Entrinnen vor der elektronischen Tanzmusik. Du gehst durch Friedrichshain oder Kreuzberg und wirst, ob du willst oder nicht, überall von Techno beschallt“, sagt er. Techno und House sind Berliner Alltagskultur. In genau diese Kultur fügt sich Nick Höppners „Folk“ nun aufs Feinste ein.

„Folk“ erscheint bei Ostgut Ton. Am Samstag, 18.4., legt Nick Höppner in der Panorama Bar des Berghain auf.

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