Bewegtbild. Ernst Ludwig Kirchners „Drehende Tänzerin“ von 1931/32. Foto: Ketterer
© Ketterer

Auktionshaus Ketterer in Berlin Tolle Treppe

Kandinsky, Kirchner und Co.: Das Münchner Auktionshaus Ketterer trumpft mit großem Jubiläumsangebot. Gerade ist die Schau zu Besuch in Berlin.

Vor 103 Jahren hing das Bild schon einmal in Berlin. Die Galerie „Der Sturm“ zeigte Wassily Kandinskys „Treppe zum Schloss (Murnau)“, eine verschachtelte Ansicht von Stufen, Hauswänden und Pinseltupfen, die noch dem Expressionismus verpflichtet ist. Wohin das Treppenbild nach dieser Ausstellung ging, war lange unklar. Inzwischen ist sein abenteuerlicher Weg aus dem Besitz des niederländischen Journalisten Paul F. Sanders über das Stedelijk Museum, das damals Kunst von jüdischen Sammlern vor den Nationalsozialisten versteckte, nach New York bekannt, wo es seit 1986 im Besitz von Sanders Erben war. Ihnen verdankt das Auktionshaus Ketterer nun eines der teuersten Werke, das während der aktuellen Frühjahrsauktionen in Deutschland zum Aufruf kommt.

1,5 bis 2,5 Millionen Euro erwartet der Münchner Versteigerer dafür Anfang Juni. Bis dahin tourt das Bild gemeinsam mit anderen Highlights und macht bis Ende Mai Station in Ketterers Berliner Dependance. Ein spätes Wiedersehen, das die Schau mit Namen wie Cy Twombly, Andy Warhol, Franz Marc, Günther Uecker oder Daniel Richter flankiert. Sein großes Gemälde „Alles ohne Nichts“ von 2007 ist auf 250 000 bis 350 000 Euro geschätzt und bezieht sich auf das Kölner Dom-Fenster von Gerhard Richter, das im selben Jahr enthüllt wurde. Dass dessen typisch schlieriges „Portrait Karl-Heinz Hering“ mit einem Schätzwert von 300 000 bis 400 000 Euro nur wenig über „Alles ohne Nichts“ liegt, zeigt, wie etabliert der gut dreißig Jahre jüngere Kollege inzwischen ist.

Das Familienunternehmen feiert 65-jähriges Bestehen

Ueckers „Baum“ von 1988, eine Skulptur aus Holz und Nägeln, taxiert das Auktionshaus auf 400 000 bis 600 000 Euro. Genau wie jenes tiefblaue „Portrait of a Lady“, das Andy Warhol zwei Jahre vor seinem Tod als Unikat auf die Leinwand bannte. Das Gemälde der „Drehenden Tänzerin“ (um 1931) von Ernst Ludwig Kirchner ist ebenso wie die „6 Hasensteine“ von Joseph Beuys mit jeweils 250 000 bis 300 000 Euro um einiges tiefer angesetzt. Für ein großes, grünes Kissenbild von Gotthard Graubner aus den neunziger Jahren müssen mindestens 100 000 Euro geboten werden. Vor allem beeindruckt, mit welcher Fülle das Münchner Auktionshaus diesmal reist. Und wenn Robert Ketterer diesmal am Pult steht, feiert das Familienunternehmen sein 65-jähriges Bestehen.

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