Trümmerfrauen im 21. Jahrhundert. Eine junge Afghanin mit Kamera. Foto: Human Rights Festival
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Armut, Korruption, Gewalt Diese Filme erzählen vom hohen Preis des politischen Widerstands

Das Human Rights Film Festival zeigt bis 10. Oktober Dokumentarfilme aus aller Welt. Sie handeln vom Kampf für Menschenrechte und dem Mut der Opposition.

30 Aktivisten sind während der Entstehung des Films verschwunden oder wurden getötet: „Softie“ erzählt von der schieren Unmöglichkeit des zivilen Ungehorsams in Kenia. Man erschrickt darüber, wie die Bilder sich gleichen. Belarus, Hongkong, Nairobi: hier wie dort Menschen, die faire Wahlen fordern, die friedlich auf die Straße gehen, Rosen an schwerbewaffnete Uniformierte verteilen – und brutal zusammengeschlagen werden.

Sam Sokos Dokumentarfilm über den Fotoreporter Boniface „Softie“ Mwangi, der gegen die Korruption und für bessere Lebensbedingungen in Kenia kämpft und sich 2017 selber zur Wahl stellte, eröffnet am Mittwoch das dritte Human Rights Film Festival in Berlin.

Eine Hommage an den Mut, ein Film auch über Postkolonialismus und den hohen persönlichen Preis, den der dreifache Vater bezahlt. Mwangis Frau und die Kinder müssen in die USA gehen, als sein politisches Engagement auch für sie lebensgefährlich wird.

[Infos zum Programm und Vorverkauf (Online-Tickets 4,50 €, Kino-Tickets 8 €): www.humanrightsfilmfestivalberlin.de]

Eröffnungsredner des von der „Aktion gegen den Hunger“ initiierten Festivals ist der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, als Schirmfrau firmiert die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad. Pandemiebedingt werden die Filme in Hybridform gezeigt, online und in vier Kinos (Acud, Moviemento, Sputnik Südstern und der BUFA-Campus in der Oberlandstraße, auf dem auch Talks stattfinden).

Bis 10. Oktober gibt es 40 Dokumentarfilme; unter den zehn internationalen Wettbewerbsfilmen kürt eine Jury den Gewinner des Willy-Brandt-Dokumentarfilmpreises. Zu den Wettbewerbstiteln zählen neben „Softie“ auch „Mai Khoi & The Dissidents“ über eine oppositionelle Popsängerin in Vietnam oder Joris Postemas „Stop Filming Us“, in dem drei junge Kongolesen gegen den westlichen Blick auf ihr Land opponieren und eigene Bilder dagegensetzen.

In weiteren Programmreihen laufen unter anderem „Maddy the Model“ über das erste Supermodel mit Downsyndrom, „Influence“ über den berüchtigten PR-Manager Tim Bell, der das Image von unbeliebten Politikern, Diktatoren und Oligarchen aufpoliert, und „Battle of the Giants“ über Frauen in aller Welt, die mit Smartphones ausgestattet ihren Alltagskampf gegen Armut und Hunger dokumentieren. Carol Dysingers Oscar-prämierte Kurzdoku „Learning To Skateboard In A War Zone (If You're A Girl)“ stellt eine inzwischen multinationale Lerninitiative aus Afghanistan vor.

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