Die US-amerikanische Musikerin Amanda Shires. Foto: Michael Schmelling
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Amanda Shires, King Princess, J-Hope, Kokoroko Die Popalben der Woche im Soundcheck

Jeden Freitag sprechen vier Popkritiker/innen ab 21 Uhr auf Radio eins über ihre Alben der Woche. Diesmal mit Amanda Shires, King Princess, J-Hope und Kokoroko.

Amanda Shires: Take It Like A Man (ATO)
Inhaltlich steht Amanda Shires in der Tradition von Country-Rebellinnen wie The Chicks. Feminismus und Antirassismus gehören bei ihr zusammen, und wer sich in den USA mit dieser Art von Musik unter anderem für das Recht auf Abtreibung einsetzt, erreicht definitiv die richtigen Leute: moderner Songwriter-Heartland-Country-Pop, wie er in den sogenannten Flyover-States aus jedem Radio schallt und wir ihn unter anderem ähnlich von Brandi Carlile kennen, mit der Shires die Country-Supergruppe Highwomen betreibt. Bereits der Albumtitel deutet ja an, wie clever diese Frau mit tradierten Country-Klischees zu spielen versteht. Shires kennt den Preis – und pfeift drauf. Torsten Groß, Moderator

King Princess: Hold On Baby (Sony)
Humor ist ihre Art, sich zu verteidigen, sagt sie. Und dieser Humor ist einer der Gründe, warum man King Princess direkt in sein Herz schließt. Die 23-jährige Multiinstrumentalistin ist cool, charmant und könnte eine der ganz großen Rebellinnen werden. Doch letztlich muss man es ja auf die Musik herunterbrechen, und da fehlt es dann doch am Eigenen. Wo sind die großen Momente, die man nie mehr vergisst? Und wieso hat ihr niemand gesagt, dass der Opener „I Hate Myself, I Want To Party” die gleiche Melodie hat wie „High And Dry“ von Radiohead? Raffaela Jungbauer, Radio eins

J-Hope: Jack In The Box (Big Hit)
Jung Ho-seok alias j-hope ist Rapper, Sänger, Tänzer, Produzent und Teil der gerade wohl größten Boyband des Planeten – BTS. Diese sieben Koreaner tragen eine Hauptschuld daran, dass K-Pop gerade auf einem internationalen Siegeszug ist. Wer BTS mit den zuckersüßen, englischsprachigen Singles „Butter“ und „Dynamite“ aus dem letzten Jahr assoziiert, wird sich bei „Jack In The Box“ vielleicht erschrecken. Hier gibt es dunkle Trap-Elemente, Oldschool-Hip-Hop-Beats, die auf Crossover-Gitarren treffen, und einen j-hope, der seine finstere Seite zeigt. Gerappt wird auf Koreanisch und Englisch, wie man das im K-Pop so macht. Damit kehrt j-hope ein Stück weit zu den Anfängen von BTS zurück – die nämlich auch als koreanische Rap-Combo starteten und wirklich nicht „Boyband“ genannt werden sollten. Daniel Koch, Musikjournalist

Kokoroko: Could We Be More (Brownswood Recordings)
Die achtköpfige Londoner Band um Trompeterin Sheila Maurice-Grey hat sich mit ihrem Mix aus Jazz, Funk, Soul und westafrikanischen Einflüssen in den vergangenen vier Jahren schon eine begeisterte Fangemeinde erspielt. Die wird nun sicher noch wachsen, denn auf ihrem Debütalbum zelebrieren Kokoroko ihren Groove mit funkelnder Unwiderstehlichkeit. Nadine Lange, Tagesspiegel

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