Krimis für Kinder. Die „Drei ???“. Foto: picture alliance/Wolfram Kastl
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40 Jahre, 50 Millionen Tonträger Die unglaubliche Erfolgsgeschichte der „Drei ???“

Die „Drei ???“ wurden einst als „subtilste Form des Kindesmissbrauchs“ verschrien – ihrer Popularität schadete das nicht. Ein Historiker blickt hinter die Kulissen.

Es gibt Stoffe, die werden erst durch Adaption zum wirklich großen Erfolg. Wer hat schon „Der weiße Hai“ gelesen? Wie viele Besucher von „Cats“ kennen T. S. Eliots zugrundeliegenden Gedichte? Und mit ziemlicher Sicherheit wäre auch ein Detektivtrio aus Rocky Beach heute nicht so allgegenwärtig, wenn nicht Ende der siebziger Jahre eine Juristin aus Hamburg angefangen hätte, die „Drei ???“-Kinderkrimis in Hörspiele zu verwandeln. Bis heute wurden 207 Folgen produziert, in denen die drei Juniordetektive Justus, Peter und Bob verschwundene Schätze aufstöbern und Rätselverse knacken. Mehr als 50 Millionen Tonträger wurden verkauft.

Wie es dazu kommen konnte, wer daran wie beteiligt war, und auch wie viel Streit es in den vergangenen 40 Jahren hinter den Kulissen gab, hat C. R. Rodenwald in seinem neuen Buch „Die drei ??? und die Welt der Hörspiele“ zusammengetragen.

Nachdem er sich vor drei Jahren in „Die Welt drei Fragezeichen“ bereits durch die seit 1968 erscheinenden Buchvorlagen gearbeitet hat, erzählt er nun auf 256 Seiten, wie die Sprecher ausgewählt wurden, wie aus einem Roman ein Skript wird und warum die „Zeit“ die Hörspiele einst als „subtilste Form des Kindesmissbrauchs“ verunglimpfte. Wer hört, liest nicht mehr, fürchtete man dort ... (C. R. Rodenwald: „Die drei ??? und die Welt der Hörspiele“. Langen Müller Verlag, München 2020, 256 Seiten, 18 €).

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Rodenwald, Jahrgang 1984, studierter Historiker und erklärter Fan der Reihe, nähert sich dem Gegenstand seiner Betrachtung meist über akribisches Quellenstudium. Er zitiert aus Artikeln, Foren, Interviews (unter anderem auch mehrfach aus dem Tagesspiegel-Gespräch mit Regisseurin Heikedine Körting), befragt jedoch auch selbst Autoren und Produzenten. Die beeindruckende Liste der Verweise zählt mehr als 670 Einträge.

Sie sprechen die Detektive. Von links nach rechts: Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Andreas Fröhlich (Bob) und Jens Wawrczeck (Peter). Foto: picture alliance/dpa/Christian Hartmann Vergrößern
Sie sprechen die Detektive. Von links nach rechts: Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Andreas Fröhlich (Bob) und Jens Wawrczeck (Peter). © picture alliance/dpa/Christian Hartmann

Vieles, was er berichtet, ist amüsant, etwa die Anekdote, wie die damals noch minderjährigen und offensichtlich reichlich halbstarken Drei-???-Sprecher  mit dem Luftgewehr in eine Parfümerie marschieren, um Haarklammern für Körting zu besorgen, oder die, dass Sprecher Andreas Fröhlich, bevor er Bob Andrews wurde, als Siebenjähriger für den SFB Aufklärungshörspiele aufnahm. Gelegentlich verrennt der Autor sich aber auch in den Details. Wie froh Drehbuchautor H. G. Francis war, als er seine erste elektrische Schreibmaschine bekam oder wer bei den Aufnahmen wo seinen Stammplatz hat, dürfte nur die fanatischeren Fans interessieren.

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Richtig spannend wird es, wenn Rodenwald die Prozesse um die Musik von Carsten Bohn beziehungsweise den zwischen Sony BMG und dem Buchverlag Kosmos aufrollt. Letzter sorgte dafür, dass die Hörspiele Mitte der nuller Jahre einige Zeit gar nicht erscheinen konnten. Dass der Autor es schafft, diese juristischen Verstrickungen, die im Falle Bohn ein volles Vierteljahrhundert die Gerichte beschäftigten, so darzustellen, dass man am Ende tatsächlich was verstanden hat, ist bemerkenswert.

Was man von dem Buch nicht erwarten sollte, sind kulturkritische Debatten über Frauenbilder, wie sie jüngst angesichts der vergleichsweise wenigen Sprecherinnen und der ständig Kirschkuchen backenden Tante Mathilda an die Serie herangetragen wurden. Es ist das Werk eines Historikers, nicht eines Feuilletonisten. Als solches aber ist es eine beeindruckende Arbeit, die in diesem Umfang noch niemand zuvor geleistet hat.

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