Tagesspiegel Klimapodcast Gradmesser Grafik/Illustration: Tagesspiegel/Felix Möller
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Klimapodcast Gradmesser Wasserstoff - Klimahoffnung oder heißer Dampf

Die Industrie setzt bei Klimaneutralität voll auf Wasserstoff, von Grünen bis CDU wird das Gas gefeiert. Aber die schöne neue Wasserstoffwelt ist kompliziert.

Seit einiger Zeit wird er als Wundermittel im Kampf gegen die Klimakrise gehypt: grüner Wasserstoff. Im Bundestagswahlkampf waren sich da von CDU bis Grüne alle einig, und gerade erst bei „Anne Will“ hat der voraussichtlich nächste Kanzler Olaf Scholz (SPD) den steigenden Bedarf an Wasserstoff betont. Denn die deutsche Industrie setzt auf das extrem leichte Gas, um auf diesem Weg Klimaneutralität zu erreichen.

Das Problem dabei: Wasserstoff ist zwar in der Anwendung zum Beispiel in der Brennstoffzelle äußerst klimafreundlich, als Abfallprodukt entsteht statt Kohlenstoffdioxid oder Methan vor allem Wasserdampf oder Wasser. Zur Gewinnung des Hoffnungsträgers beim Klimaschutz braucht es aber sehr viel Energie.

Aktuell wird der allergrößte Teil des Wasserstoffes, den die deutsche Wirtschaft bereits einsetzt, mittels Erdgases gewonnen. Bei der Produktion einer Tonne solchen grauen Wasserstoffs treten zehn Tonnen CO2 in die Atmosphäre aus – er ist also höchst klimaschädlich.

Entsprechend der Herstellungsart gibt es nun grauen, blauen, türkisen, sogar pinken Wasserstoff, der einzige wirklich klimafreundliche Wasserstoff aber, der tatsächlich hilft, die Klimakrise in den Griff zu bekommen, ist der grüne Wasserstoff (T+). Er wird in einem Elektrolyse-Verfahren mit Hilfe von Strom aus Erneuerbaren Energien gewonnen.

Doch die Mengen an Ökostrom, die für den künftigen Bedarf an Wasserstoff notwendig sind, müssen auch erst einmal produziert werden – was den viel zu langsamen Ausbau von Wind- und Solarenergie in Deutschland wieder mit ins Spiel bringt.

Im Klimapodcast erklärt Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und Mitinitiator der Scientists for Future, warum beim Thema Wasserstoff echte Chancen liegen, aber die schöne neue Wasserstoffwelt trotzdem noch nicht direkt vor unserer Tür steht, und was es braucht, um dort aber vielleicht doch noch anzukommen.

Außerdem schauen wir in dieser Gradmesser-Folge auf die Weltklimakonferenz, die vom 31.10. an in Glasgow stattfindet. Im vergangenen Jahr die sogenannte COP26 wegen Corona ausgefallen, jetzt findet sie wieder statt, und zwar vom 31. Oktober bis 12. November in Glasgow. Susanne Ehlerding vom Tagesspiegel Background Energie und Klima weiß, was in Schottland besonders wichtig wird und was ein echter Erfolg der Konferenz wäre.

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Folge 17 mit GermanZero-Geschäftsführer Julian Zuber

Folge 16 mit China-Forscher Nis Grünberg

Folge 15 mit Pauline Brünger, Sprecherin von Fridays for Future

Folge 14 mit Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann und Autorin Katja Trippel

Folge 13 mit Mareike Menneckemeyer vom Bürgerrat Klima

Folge 12 mit Polarforscher Markus Rex

Folge 11 mit dem Energieexperten Patrick Graichen

Folge 10 mit dem Waldexperten Ulrich Schraml

Folge 9 mit dem Meteorologen und Klimaforscher Mojib Latif


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