Die Schüssel-Speisen zeugen von seiner langen Erfahrung in der Spitzengastronomie - Felix Mielke vor seinem "Schüsseldienst" Foto: Schüsseldienst/promo; Illu: Sabine Wilms
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Imbisskolumne Schüsseldienst

Koch Felix Mielke hat die Spitzengastronomie hinter sich gelassen und serviert jetzt Imbissküche auf Fine-Dining-Niveau mit Humor und kleinen Preisen.

Die „Trickle down“-Theorie besagt, dass der Wohlstand einiger Reicher irgendwann auch zu den weniger Begüterten „durchsickert“. Der Begriff kommt aus der Wirtschaft, dort funktioniert das so lala bis gar nicht. Anders sieht es in der Gastwirtschaft aus, dort werden seit jeher Techniken der Spitzenköche in die Alltagsküchen durchgereicht: leichtere Saucen, Niedertemperaturgaren, Fleischreifung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ganz durchlässig werden die Errungenschaften der Oberliga, wenn ein gestandener Spitzenkoch das Lager wechselt und sich der Verfeinerung der Imbisskultur annimmt – und das, ohne die gehobenen Preise mit durchsickern zu lassen.

So einer ist Felix Mielke. Zuvor hat er die Küche des ewig unterschätzten „Le Faubourg“ in neue Höhen gekocht. Inzwischen betreibt er im Schöneberger Akazienkiez den „Schüsseldienst“. Der Name ist Programm, serviert werden aufwendig belegte Brote, Salate und kleine Gerichte in schicken Schalen, alles für unter zehn Euro, alles in einer Qualität, für die man auch einen livrierten Kellner im Edelrestaurant nicht anmaulen würde. Der Blumenkohlsalat zum Beispiel in verschiedenen Texturen und Aggregatzuständen, darunter auch roh und feingeraspelt, was im Sternerestaurant dann „Couscous vom Blumenkohl“ heißen würde. Dazu ertüftelt Mielke mit gebeiztem Eigelb, geräucherter Forelle, Kräutern und Leinsamenchip eine Entourage, die sich, in Miso dressiert, hoffähig kleidet, aber preislich (6,90 Euro) und im Auftreten volksnah bleibt. Miso erklärt Mielke auf der Karte so: „Fermentierte, also kontrolliert verrottete Sojabohnen.“ Kann man so sagen. Ohne viel Chichi sind auch die anderen Schüsseln, herausragend ist die mit Pulled Chicken („gezupfter Broiler“) auf warmem Kichererbsenmus, indisch mariniertem Blumenkohl, Schafskäse, Mandeln und Granatapfel (8,50 Euro).

Das alles wird unprätentiös in einem kleinen Imbiss mit weniger als zehn Barhocker-Plätzen serviert, wobei Mielke nicht nur Techniken der Spitzengastronomie „trickelt“: Bei unserem Besuch gab es eine kalt-scharfe Gurken-Jalapeno-Suppe als Gruß aus der (Imbiss-)Küche. Allerdings: Von einem Pass mit Wärmelampen sowie seiner Kochjacke aus dem „Le Faubourg“ wollte er sich dann doch nicht trennen.

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