Oberhalb des Mondes wird die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn bei gutem Wetter zu sehen sein. Foto :WikimediaCommons/ESO/Y.Beletsky
© Foto :WikimediaCommons/ESO/Y.Beletsky

Himmlisches Schauspiel Jupiter und Saturn verschmelzen scheinbar

Am 21. Dezember wird es ein für uns einmaliges Himmelsereignis geben, wie der Planetologe Frank Postberg erforscht hat. Seit mehreren Hundert Jahren kamen sich Saturn und Jupiter nicht mehr so nahe.

Wer dieser Tage in den frühen Abendstunden nach Südwesten blickt und die Sterne sieht, kann am Horizont den Jupiter als hellsten Punkt und unweit davon entfernt den Saturn im Sternbild des Wassermanns entdecken.

Astronomen werden Jupitermonde und Saturnringe zugleich sehen

Dabei kommt Jupiter als erdnäherer Planet dem Saturn jeden Tag ein Stückchen näher, bis am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, die beiden Gasplaneten von der Erde aus betrachtet scheinbar miteinander verschmelzen. Mit einem Feldstecher wird man sie womöglich noch als „Doppelplanet“ erkennen, Hobby-Astronomen werden mit ihren Teleskopen die vier größten Monde des Jupiters und seine gestreifte Atmosphäre gemeinsam mit Saturn und seinen Ringen in einem Bildausschnitt beobachten können.

„Dass sich Jupiter und Saturn von der Erde aus betrachtet scheinbar so nahe kommen, ist äußerst selten und seit mehreren Hundert Jahren nicht mehr geschehen“, sagt Frank Postberg, Professor für Planetologie am Institut für Geologische Wissenschaften der Freien Universität. Bis auf ein Zehntel Grad näherten sich die beiden Planeten in diesem Jahr einander an: „Am 15. März 2080 wird es noch einmal die Chance geben, ein ähnlich nahes Vorüberziehen zu beobachten – für die Wenigsten von uns wahrscheinlich.“

Es könnte der "Stern von Bethlehem" sein

Himmelsmechanisch ist die „Große Konjunktion“, wie die Astronomen das Phänomen nennen, ein Überholvorgang: Während der sonnennähere Jupiter rund 12 Erdenjahre braucht, um die Sonne einmal zu umkreisen, braucht sein himmlischer Nachbar knapp 30 Jahre für ein Saturnjahr. „Alle 20 Jahre zieht deshalb der Jupiter am Saturn vorbei“, sagt Postberg.

So war es womöglich genau jene Planetenkonstellation, die Sternkundige aus Babylon im Herbst des Jahres 7 v. Chr. beobachteten und die sie dem Matthäus-Evangelium zufolge bis nach Bethlehem geführt haben soll, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen – eine Theorie, die auf Johannes Kepler zurückgeht, die allerdings inzwischen unter Astronomie-Historikern umstritten ist.

Frank Postberg hat als Jugendlicher selbst mit dem Teleskop den Himmel beobachtet und später sein Hobby zum Beruf gemacht. „Ich bin zwar kein Astronom geworden und habe mein Teleskop zwischenzeitlich auch verkauft. Aber das Interesse an dem, was um uns herum im Weltall passiert, treibt mich bis heute an“, sagt er. „Statt nur von der Erde aus ins All zu blicken, bin ich nun dabei, wenn Raumsonden diese Planeten ganz aus der Nähe untersuchen.“

Seit 2018 ist der Planetologe Professor an der Freien Universität. Zuvor hat er in Heidelberg gelehrt. Von dort brachte er auch seine Arbeit am Cassini-Projekt mit: Die Raumsonde war 2004 am Saturn angekommen, hatte den Planeten 13 Jahre lang umkreist und schickte eine Sonde auf den Saturn-Mond Titan. Im September 2017 wurde der Orbiter kontrolliert zum Absturz gebracht, er verglühte in der Atmosphäre des Saturns.

Fontänen schießen Hunderte Kilometer hoch ins All

„Wichtigstes Forschungsobjekt unserer Arbeit am Saturn ist der Ozeanmond Enceladus“, sagt Frank Postberg. Unter dessen Eishülle zeigten sich kryovulkanische Aktivitäten: „Durch Wasserdampf getrieben, schießen gewaltige Fontänen aus Wassereispartikeln Hunderte Kilometer hoch uns All.“ Viele dieser Eispartikel sind gefrorene Ozeantröpfchen. Einige davon konnten von der Sonde eingefangen und analysiert werden. Daher ist der unter der Eiskruste verborgene Enceladus-Ozean heute das am besten charakterisierte außerirdische Gewässer. Die Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden im Rahmen der Mission auch Hinweise auf hydrothermale Aktivität – also heiße Quellen im Gestein am Grund des Ozeans. Astrobiologen halten es daher für möglich, dass sich auf dem Mond Lebewesen entwickeln könnten.

Frank Postberg erforscht die Planeten und ihre Monde. Foto:T.Schwerdt Vergrößern
Frank Postberg erforscht die Planeten und ihre Monde. © T.Schwerdt

An der Freien Universität werden nun weitere Daten der Raumsonde ausgewertet, unter anderem werden auch die Ringe des Saturns untersucht. Vom übernächsten Jahr an steht dann der Jupiter mit seinen vier größten Monden im Fokus der Planetologie. Zunächst startet eine Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA mit der Raumsonde JUICE, die Ende 2029 den Jupiter erreichen soll und dort die Monde Europa und Kallisto passieren und schließlich Ganymed umkreisen, kartieren und untersuchen soll.

Die NASA und Postbergs Team wollen die Bewohnbarkeit des Mondes erforschen

Die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA schickt dann voraussichtlich zwei Jahre später eine Sonde zum Jupitermond Europa und soll die Bewohnbarkeit des Eismondes erforschen – er verbirgt wie Enceladus einen Ozean unter seiner Eiskruste. Auch an der Auswertung dieser Missionen wird das Team um Frank Postberg beteiligt sein.

Und was empfiehlt der Planetologe den Hobby-Astronomen und interessierten Laien? „Ich würde mir die beiden Planeten in den kommenden Tagen immer wieder nach Einbruch der Dunkelheit anschauen, um zu sehen, wie sie sich Tag für Tag näherkommen, bis sie schließlich miteinander verschmelzen“, sagt Frank Postberg. Am besten seien hierfür ein freies Feld oder ein kleiner Hügel am Stadtrand. „Wenn man am frühen Abend in Richtung Südwesten den Himmel ziemlich nah am Horizont betrachtet, erkennt man die beiden hellen Himmelskörper mit bloßem Auge sehr gut“, sagt er. „Der Jupiter ist in dieser Himmelsrichtung mit Abstand der hellste Punkt am Nachthimmel. Saturn ist ein etwas schwächeres Objekt direkt daneben.“ Besonders spektakulär dürfte sich das Ereignis mit einem Feldstecher beobachten lassen. Dann kann man die hellsten Monde des Jupiters als kleine Punkte im All erkennen – neben den schon erwähnten Monden Europa, Ganymed und Kallisto noch der Mond Io.

Wer so vorbereitet am 21. Dezember ins Weltall schaut, dem kann eigentlich nur noch die Witterung einen Strich durch die Rechnung machen – oder ein frühes Abendessen: „Schon bald nach Einbruch der Dunkelheit versinken Jupiter und Saturn am Horizont“, sagt Frank Postberg. In Berlin wird das schon um 18.22 Uhr passieren.


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