Im neuen Inkubator der Freien Universität arbeiten Start-ups und Gründungsförderung unter einem Dach. Amelie Wiedemann (3. v. l.) und Fabio Mesters (links daneben) von „Dearemployee“ trafen sich spontan mit Johannes Budau und Vincent Pohl von „Quantum on Demand“ zum Erfahrungstausch. Foto: Bernd Wannenmacher
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Gründerförderung Ein „Hotspot“ für Innovationen

Marion Kuka

Der Start-up-Inkubator der Freien Universität Berlin ist in das traditionsreiche Gebäude in der Dahlemer Altensteinstraße 40 gezogen.

Die Villa strahlt in frischem Weiß, an der Hauswand lehnen Holzpaletten und Kartons, im Vorgarten ist die noch kahle Erde frisch geharkt. Drinnen tragen Steffen Terberl und Georg Wittenburg einen Schreibtisch die Treppe hinunter. „Der passt nicht mehr in unser Büro, vielleicht kann ein anderes Team ihn übernehmen“, sagt Georg Wittenburg. Der Unternehmensgründer zieht mit seinem Start-up Inspirient gerade in einen Raum im zweiten Stock des neuen Start-up-Inkubators der Freien Universität. Die Big-Data-Spezialisten nutzen künstliche Intelligenz für die automatisierte Analyse von Geschäftsdaten. Steffen Terberl leitet Profund Innovation, die Service-Einrichtung für die Förderung von Unternehmensgründungen und Innovationen in der Abteilung Forschung der Freien Universität. Sein Team berät Ausgründungen, hilft bei der Suche nach einer Finanzierung und bietet Büroräume für Gründerinnen und Gründer an. Bisher lagen diese Räume weit verstreut auf dem Universitätscampus, jetzt sitzen Gründungsförderer und Start-ups unter einem Dach – im neuen Inkubator, dem Brutkasten für Innovationen. Für Steffen Terberl ist diese Nähe „ein großer Fortschritt“. Hierdurch werde die Vernetzung der Gründer untereinander, aber auch mit der Freien Universität gestärkt. Beim Einzug packt er mit an und gibt sich Mühe, keine Schrammen an den Wänden zu hinterlassen. Denn das über 100 Jahre alte Gebäude in der Altensteinstraße 40 wurde mit Liebe zum Detail altbaugerecht saniert und eingerichtet.

Das Ergebnis begeistert Bewohner und Besucher gleichermaßen: Verzierte Geländer aus Gusseisen harmonieren mit modernen Hängeleuchten, weißer Stuck trifft auf glatte, grüne Schrankfronten. Herzstück des Hauses ist der 150 Quadratmeter große Coworking-Space: Hier lassen sich Veranstaltungen und Seminare für bis zu 100 Personen ausrichten. Im Alltag wird der Raum mit Schallschutzvorhängen unterteilt und beherbergt eine Sitzecke und eine Werkstatt für 3D-Druck. Hinzu kommen Tische und Stühle für flexible Arbeitsplätze. Steckdosen hängen an Kabeln von der Decke, ein Beamer, Stellwände und Tafeln stehen bereit. Die Ausstattung wurde zum Teil mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie finanziert.

Das Haus bietet mehr als 100 Arbeitsplätze

Die Büroräume mit insgesamt mehr als 100 Arbeitsplätzen sind über drei Etagen verteilt und inzwischen fast alle vergeben. Um die Kommunikation zu befördern, wurde eine große Gemeinschaftsküche mit Terrasse und Grill eingerichtet. Außerdem finden regelmäßig Meetings statt. Für Georg Wittenburg sind das nicht die einzigen Vorteile der neuen Adresse: „Zu Besprechungen kommen unsere Kunden gern zu uns. Jetzt haben wir dafür endlich repräsentative Räume.“

Das Büro von Dearemployee liegt im Erdgeschoss: sieben Arbeitsplätze, Blick ins Grüne. Die Ausgründung aus dem Arbeitsbereich Gesundheitspsychologie bietet Unternehmen eine digitale Infrastruktur für ihr Gesundheitsmanagement. Gründerin Amelie Wiedemann hat früher als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Rostlaube gearbeitet. Zu Fuß braucht sie jetzt nur noch wenige Minuten bis zu ihrem ehemaligen Institut. Kurze Wege sind ihr wichtig, denn der Austausch laufe besser, wenn man sich schnell mal persönlich treffen könne. Vielleicht werde ihre Ausgründung bald gemeinsam mit den ehemaligen Kolleginnen und Kollegen einen Forschungsantrag stellen. Den neuen Inkubator findet Amelie Wiedemann „total schön“ und angemessen ausgestattet. „Eine Smoothie-Bar oder anderen Schnickschnack – wie ihn vielleicht die Inkubatoren von großen Unternehmen in Berlin-Mitte bieten – brauchen wir gar nicht“, sagt die Gründerin.

Das FUBIC soll jungen Tech-Firmen Platz zum Wachsen bieten

Das Haus in der Altensteinsteinstraße 40 hat viel erlebt: Erbaut wurde es 1912 für das Königliche Astronomische Rechen-Institut. Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten die amerikanischen Streitkräfte dort ihr Clubhaus „Melodie“ ein. Nach der Übergabe an die Freie Universität zog 1951 zunächst das Friedrich-Meinecke-Institut ein, von 1973 bis 1995 war das Gebäude Sitz der Universitätsleitung, danach der Islam- und Religionswissenschaft. Ausschlaggebend für die neue Nutzung als Inkubator war die Nähe zum Technologie- und Gründungszentrum FUBIC, das gleich nebenan auf dem Gelände des ehemaligen US-Militärkrankenhauses in der Fabeckstraße entsteht. In ein paar Jahren soll das FUBIC jungen Technologie-Unternehmen Platz zum Wachsen bieten. Für Bau und Betrieb ist die WISTA-Management GmbH zuständig, die unter anderem den Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof betreibt. Bis Ende Dezember wird die leere Klinik noch als Kulisse für Dreharbeiten genutzt, im Januar beginnen die Abrissarbeiten.

Wenn alles glatt läuft, können sich Vincent Pohl und Johannes Budau vorstellen, eines Tages im FUBIC zu arbeiten. Seit einigen Monaten erhalten die Gründer ein Berliner Start-up-Stipendium, gerade haben sie ein Büro im zweiten Stock des Inkubators bezogen. Mit ihrem Gründungsvorhaben Quantum on Demand wollen sie Forscherinnen und Forscher durch die automatisierte theoretische Simulation von chemischen Experimenten unterstützen. Das Geschäftsmodell ist digital, doch ein persönlicher Austausch mit Kunden vor Ort ist besonders in der Entwicklungsphase Gold wert. „Von hier sind es nur wenige Minuten zum Institut für Chemie und zu anderen wissenschaftlichen Einrichtungen“, freut sich Budau. Im nächsten Jahr soll der neue Inkubator mit vielen Gästen offiziell eröffnet werden. Spätestens dann wird der „Hotspot“ für Innovationen auch über Dahlem hinaus von sich reden machen.

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