Gewusst, wo nicht! Wikipedia hatte einen Tag zu. Foto: dpa
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Wikipedia abgeschaltet Protest!

Wikipedia schaltet sich in agitatorischer Absicht einen Tag ab - und schürt Zweifel an sich selbst. Es lebe die schrankwandfüllende Enzyklopädie. Eine Glosse.

Und? Haben Sie etwas gemerkt? Wollten Sie heute vielleicht nachschauen, wie alt Melania Trump ist oder wie lang die Seidenstraße war? Und? Nichts war. Wikipedia war eine schwarze Wand mit weißer Schrift, irgendwas mit EU-Urheberrechtsreform, viel Text und am Ende der Aufruf, wir alle sollten unsere Europaabgeordnete kontaktieren. Dazu ein Link zum Europaparlament, der hat funktioniert. Nicht auszudenken, das Europaparlament hätte seine Homepage aus Protest ebenfalls abgeschaltet.

Was machen Menschen, was bleibt ihnen zu tun, wenn Homepages abgeschaltet werden?

Der 24-Stunden-Blackout von Wikipedia sollte einem zu denken geben. Vertraue ich zu sehr auf die Verfügbarkeit einer Online-Plattform, die – wie sich jetzt zeigt – in agitatorischer Absicht jederzeit einfach ausgeknipst werden kann? Darf ich glauben, dass ich von so einem zur Parteilichkeit bereiten Informationsmedium unabhängig informiert werde - oder muss ich mich dafür naiv schimpfen lassen? Und was wäre eigentlich, wenn die Damen und Herren von Wikipedia Gefallen an solcher Art Aktivismus finden und nunmehr dauernd ihre Seite abschalten und dazu aufrufen, weiß Gott wen zu kontaktieren?

Ohne Wikipedia geht nichts? Stimmt nicht

Und was wäre dann eigentlich mit der Gemeinnützigkeit? Hat die Deutsche Umwelthilfe nicht genau wegen ihrer politischen Arbeit Ärger? Das könnte man jetzt nachschauen – auch ohne Wikipedia, denn es gibt da ja unter anderem noch die vielen Medien, die ihre Berichte im Internet präsentieren, manche sogar bis heute kostenlos.

Trotzdem wird gern so dahingesagt, dass ohne Wikipedia nichts mehr gehe. „Schüler und Studenten etwa sind auf die Enzyklopädie angewiesen“, schreibt das PC-Magazin, als sei das ein Naturgesetz. Was ja auch Unsinn ist. Es ist nur sehr bequem.

Wohl an diesem Donnerstag also denen, die für enzyklopädische Nachfragen so lange wie möglich ihren Brockhaus mit jährlichen Ergänzungsbänden ausgestattet haben, so dass die halbwegs aktuell sind. Und auch die schrankwandfüllende Komplettausgabe aus den 1980er Jahren, die dem Veralten überlassen wurde, könnte zwar nicht zu Melania Trump so doch wenigstens zur Seidenstraße helfen.

Eins allerdings unterscheidet die Buchbesitzer fundamental von den Enttäuschten von heute: Wenn sie in ihrem Lexikon keine Information finden, geht das auf eine selbstgefällte Entscheidung zurück – und nicht auf irgendwelche Menschen, die einen Knopf gedrückt haben.

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