Auch mit Wissenschaft kann man außenpolitische Ziele erreichen

Vor zwei Jahren feierte das Goethe Institut in Prag sein 25-jähriges Bestehen. Foto: imago/CTK Photo
Wie sich Staaten annähern Panda, Diplomatie & Co

KULTURDIPLOMATIE

Wenn Staaten statt auf Gewalt oder finanziellen Druck auf ihre attraktive Seite setzen, um andere zu beeinflussen, spricht man von „Soft power“. Diese Anziehungskraft – durch populäre Künstler oder einen begehrenswerten „Way of life“ – lässt sich nicht künstlich erzeugen, aber man kann sie stärken. Deshalb betreiben Länder, die es sich leisten können, Stiftungen und Kulturinstitute im Ausland. Diese organisieren Ausstellungen, vergeben Stipendien oder bieten Sprachkurse an. Spanien etwa hat das „Instituto Cervantes“, die Türkei das „Yunus Emre Institut“, Großbritannien den „British Council“ – und Deutschland das „Goethe Institut“. Frankreich fördert mit der „Organisation internationale de la Francophonie“ sogar den Gebrauch der französischen Sprache in aller Welt. Auch China hat erkannt, dass wirtschaftliche Stärke allein nicht genügt, um Weltmacht zu sein. Seit Jahren entstehen deshalb„Konfuzius Institute“. Außerdem wurde das „China Global Television Network“ (CGTN) gegründet, eine Konkurrenz zu Sendern wie „Al Jazeera“ oder „Russia Today“.

SCIENCE DIPLOMACY

2009 warb Barack Obama, damals frisch gewählter US-Präsident, mit einer Rede in Kairo um die Muslime. Verbunden damit war die Idee, verstärkt Forscher aus den USA mit solchen aus der islamischen Welt zusammenzubringen. Die US-Regierung sprach von „Science Diplomacy“ – ein Konzept mit Tradition. Seit Jahrzehnten nutzen Staaten die Wissenschaft, um außenpolitische Ziele zu erreichen. Forschungsstarke Länder können durch ihr Know-how schwächere Nationen an sich binden und in ihrem Sinne beeinflussen (siehe „Space Diplomacy“). Wissenschaft bietet auch die Möglichkeit, sich seinem Gegner auf neutralem Terrain anzunähern, so geschehen zum Beispiel zwischen den USA und der Volksrepublik China in den 70er Jahren. Und schließlich existiert die Vorstellung, dass der Frieden zwischen Ländern durch Zusammenarbeit in der Forschung erhalten werden kann. In diesem Geist wurde das europäische Kernforschungszentrum Cern im Schweizer Kanton Genf gegründet. Derzeit hat es 22 Mitgliedstaaten.

Diese Grafik zeigt eine Kollision von Partikeln im Hochenergie-Teilchenbeschleuniger Cern. Foto: AFP Vergrößern
Diese Grafik zeigt eine Kollision von Partikeln im Hochenergie-Teilchenbeschleuniger Cern. © AFP

SPACE DIPLOMACY

Es ist ein Lieblingsprojekt von Premier Narendra Modi – und ein mehr als zwei Tonnen schweres Geschenk an Indiens Nachbarn. Anfang Mai schoss Neu Delhi den „Südasien-Satellit“GSAT-9 ins All. Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, die Malediven, Nepal und Sri Lanka dürfen ihn kostenlos nutzen, etwa für Fernsehprogramme.

Satellit für ganz Südasien. Indien verschenkt die Frequenzen von GSAT-9 an seine Nachbarländer. Foto: AFP Vergrößern
Satellit für ganz Südasien. Indien verschenkt die Frequenzen von GSAT-9 an seine Nachbarländer. © AFP

Mit zwölf Jahren Lebensdauer kann man rechnen, Entwicklung und Betrieb des Satelliten kosten viele hundert Millionen Euro. Man habe, so ein Sprecher der indischen Regierung, die Politik der guten Nachbarschaft „in Regionen jenseits der Stratosphäre erweitert“. Hintergrund der „Space Diplomacy“, wie dieser Spezialfall der „Science Diplomacy“ getauft wurde, ist das Ringen zwischen Neu Delhi und Peking um die Vormachtstellung in Asien.

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