Sophie Krause bei einer Lesung zu ihrem Debütroman "Frühwarnsystem". Foto: Florentine Sternberg
© Florentine Sternberg

Wenn das Leben zu viel wird „Ich habe das Nichtstun wirklich fast verlernt“

In ihrem Debütroman „Frühwarnsystem“ erzählt Sophie Krause von zu viel Verausgabung im Privatleben und im Job. Bis hin zum großen Knall.

„Es ist wirklich egal, wie lange man schläft, sobald man die Augen öffnet, ist alles wieder da. Die Sorgen und der Stress und die Unruhe.“ Die Brandenburgerin Julia ist am Limit. Ein kräftezehrender Job, das Scheitern der großen Liebe und ein viel zu vollgestopftes Privatleben – von Party zu Party. 

Julia ist die Hauptfigur im Debütroman von Sophie Krause. Und in Julia steckt ganz viel Sophie. Denn die Inspiration für ihren ersten Roman „Frühwarnsystem“ war ihr eigenes Leben. „Vor einigen Jahren hatte ich einen Burnout und musste danach recht lange pausieren“, sagt die Berlinerin.

[Mehr zum Thema: Toxische Beziehungen: So erkennen Sie sie, so kommen Sie da raus (T+)]

Sophie Krause ist Ende 20, als sie unter schweren Panikattacken leidet und ihren Job hinschmeißt. Sie gönnt sich eine Auszeit und verwirklicht ihren Traum: Sie schreibt ein Buch und verarbeitet darin „ein paar schwierige Jahre“, wie sie selbst sagt.

Wie ein roter Faden zieht sich die Liebesgeschichte von Julia und Tom durch den Roman. Aus einer flüchtigen Begegnung im Zug ergibt sich eine langjährige Beziehung, allerdings mit Höhen und Tiefen. „Die beiden haben sich einfach sehr jung kennengelernt und ihre unterschiedlichen Lebensideen sind immer mal wieder kollidiert“, sagt Krause über ihre beiden Hauptfiguren.

Im Zwiespalt mit sich selbst

Julia will die große Liebe, eine solide Beziehung. Jemanden, mit dem sie alt werden kann. Julia will aber auch frei sein, das Leben genießen und sich ausprobieren, schildert Krause weiter. „Sie ist mitten drin in diesem Selbstfindungsprozess und das beeinflusst natürlich auch ihr Liebesleben.“ Im Zwiespalt mit sich selbst.

Nachdem die Beziehung scheitert, stürzt sich Julia direkt in die nächste. Doch ist das der richtige Weg, sich so schnell einen „Ersatzpartner“ zu suchen? Paartherapeutin Christine Geschke aus Hamburg sagt ganz klar: Nein.

Die Hamburger Diplom-Psychologin Christine Geschke therapiert vor allem Paare. Foto: Paul Schirnhofer Vergrößern
Die Hamburger Diplom-Psychologin Christine Geschke therapiert vor allem Paare. © Paul Schirnhofer

Es kann natürlich glücklich enden und man findet in einer nächsten Beziehung tatsächlich jemand Verlässlichen. Aber das ist eher unwahrscheinlich“, erläutert Geschke. Der sinnvolle Weg sei es, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. 

Vielleicht nach dem Motto: Du kannst erst wieder andere lieben, wenn du dich selbst liebst? „Sagen wir es so: Man muss sich erstmal selbst akzeptieren, bevor man von anderen erwarten kann, dass sie es tun. Der Begriff Selbstliebe ist schwierig: Das ist ein Ideal, an das man schwer herankommt“, so die Psychologin.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Burnout vorprogrammiert

Nachdem auch die nächste Beziehung scheitert, ist Romanfigur Julia allein. Doch das Alleinsein ist für sie unerträglich. Sie muss lernen, mit sich selbst klarzukommen. „Man kann sich auch selbst ein guter Freund sein, seine eigene Entwicklung vorantreiben“, rät Therapeutin Geschke. 

Neben dem Beziehungswirrwarr spielt vor allem die allgemeine Überlastung eine entscheidende Rolle im Roman. Julia flüchtet sich in ihren Job, arbeitet bis zur völligen Erschöpfung. Der Job, der Alltag, das Leben - alles wird zu viel. Es kommt zum Crash.

Autorin Sophie Krause in Berlin. Foto: Till Van Loosen Vergrößern
Autorin Sophie Krause in Berlin. © Till Van Loosen

„Viele kennen ihre eigenen Grenzen nicht“, bestätigt Christine Geschke. „Je mehr man sich verausgabt für andere und je mehr man versucht, den Erwartungen anderer zu entsprechen, desto mehr ist man natürlich auch in der Gefahr, dass diese Haltung missbraucht wird“, so die Therapeutin. Auch Julia gerät in diesen nicht aufzuhaltenden Kreislauf.

„Jeder von uns hat ein inneres Frühwarnsystem“

Sophie Krause glaubt, dass es meistens nicht nur die Überforderung im Job sei, die zu einem Burnout führt. „Das Privatleben hat einen enormen Einfluss, ebenso wie die körperliche und mentale Gesundheit. Wenn dann noch, wie in Julias Fall, ein exzessiver Lifestyle dazukommt, dann Tschau!“

„Diese generalisierten Verhaltensmuster spiegeln sich im Job, in der Beziehung oder im Alltag wider – auf allen Bühnen der Welt. Diese Verausgabungen machen keinen Halt vor den verschiedenen Lebensbereichen“, erläutert auch Geschke. Zu viel ist eben einfach irgendwann zu viel.

„Jeder von uns hat ein inneres ‚Frühwarnsystem‘, nur beachten wir es oft nicht“, sagt Autorin Krause. Obwohl die Zeichen häufig so eindeutig seien. „Wir sollten wieder mehr in uns gehen und die Signale unseres Frühwarnsystems ernst nehmen.“ Eine wichtige Botschaft, die in Sophie Krauses Erstlingswerk mitschwingt.

Zur Startseite