Ein Radfahrer fährt den leeren Waikiki Beach in Honolulu, Hawaii, entlang. Foto: Ronen Zilberman/AFP
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Während der Pandemie nach Hawaii? Wie Reiseabkommen den Tourismus ankurbeln sollen

Felix Wadewitz

Absprachen zwischen Staaten, die die Corona-Krise im Griff haben, könnten die Reisebranche retten. Doch dafür muss die zweite Welle verhindert werden.

Die Nachricht vom anderen Ende der Welt dürfte in der Hamburger Airbus-Zentrale aufmerksam registriert werden. Japanische Urlauber könnten bald wieder nach Hawaii fliegen. Die Regierung in Tokio erwägt, eine „Travel Bubble“ mit dem US-Bundesstaat einzurichten und wieder Flüge nach Honolulu starten zu lassen – also eine Ausnahme von den Reisebeschränkungen zu erlauben.

Was das mit Hamburg zu tun hat? Dort wartet ein brandneuer Airbus A380 auf Abholung, einer der letzten seiner Art. Die Produktion des Riesenflugzeugs läuft aus, genauso wie die des Jumbo-Jets 747. Den A380 hat die japanische Airline ANA bestellt, und zwar ausschließlich für die Strecke nach Honolulu, so stark war die Nachfrage dort. Der Flugkorridor über den Pazifik könnte so nicht nur Hoteliers auf Hawaii erfreuen, sondern auch die deutsche Luftfahrtindustrie.

Solche sogenannten Reiseblasen sollen den Verkehr zwischen bestimmten Ländern ankurbeln, die jeweils die Coronakrise im Griff haben, so die ursprüngliche Idee. In Europa bildeten die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland so eine Blase, noch bevor die Europäische Union die Reisebeschränkungen aufhob. Innerhalb der Blase können sich Reisende frei bewegen. Wer von außen kommt, muss in Quarantäne, wenn er überhaupt rein darf.

Viele Tourismus-Länder arbeiten an solchen Abkommen, um wieder Urlauber anzulocken. Neuseeland wollte gerne einen Deal mit Australien. Der Inselstaat gilt als weitgehend coronafrei und ist wirtschaftlich abhängig von Besuchern aus Down Under. Wochenlang wurde verhandelt, dann stiegen in Australien aber wieder die Infektionszahlen. Auch wenn es noch kein Ergebnis gibt, haben sich andere Weltregionen das Modell zum Vorbild genommen.

China mit Taiwan, Israel mit Zypern

China könnte mit Taiwan und Südkorea eine Bubble bilden, so Überlegungen. Israel ist angeblich in Gesprächen mit Griechenland und Zypern. Die südostasiatischen Länder wie Thailand, Malaysia und Singapur könnten eine Reiseblase mit ihren Nachbarländern bilden. Oder auch nur mit einigen Regionen.

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So ist die indonesische Ferieninsel Bali vergleichsweise verschont worden vom Coronavirus und wäre gerne wieder „open for business“, während es in der Hauptstadt Jakarta anders aussieht.

So wie deutsche Urlauber zuerst nur nach Mallorca durften, könnte es etwa aus Singapur Direktflüge nach Bali geben. Doch dafür müssen viele Fragen geklärt und sich auf Standards geeinigt werden, etwa in der Testfrage und Erfassung der Reisenden per jeweiliger Corona-App.

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„Die Erholung unseres Geschäfts hängt davon ab, einigermaßen behinderungsfrei von A nach B zu reisen, vor allem im Interkontinental-Bereich“, sagte Peter Gerber, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

Eine zweite Welle ist das Ende des Bubble-Gedankenspiels

„Hier darf es keinen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen geben. Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen, auf die die Reisenden vertrauen können.“ Ein Problem ist die Einordnung unterschiedlicher Regionen nach ihrem Risiko – hoch, mittel oder gering – und vor allem, dass sich das schnell wieder ändern kann. Sydney etwa gilt seit Kurzem wieder als Corona-Hotspot, auch Israel durchlebt bereits eine zweite Welle. Damit erübrigen sich Bubble-Gedankenspiele oft wieder.

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Wie schnell sich die Lage ändern kann, lässt sich in der Europäischen Union beobachten. Während die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts aktuell bis zum 31. August gilt, wurde sie für EU-Länder und andere europäische Staaten Mitte Juni aufgehoben. Jetzt steigen die Infektionszahlen in einigen Regionen aber wieder. Frankreich und Deutschland raten inzwischen wieder von Reisen in bestimmte Regionen Spaniens ab, darunter Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona.

Sonnenaufgang am Flughafen Stuttgart. Foto: imago images/Arnulf Hettrich Vergrößern
Sonnenaufgang am Flughafen Stuttgart. © imago images/Arnulf Hettrich

Auch Aragón und Navarra sollten Besucher meiden. Großbritannien und Norwegen schicken Spanien-Rückkehrer nun in eine zweiwöchige Quarantäne. Airlines stornieren deshalb Flüge. Platzt die Blase bereits? Aus Sorge vor importierten Corona-Infektionen baut Deutschland jetzt Corona-Testzentren an den Flughäfen auf. Die Covid-19-Tests an den Flughäfen könnten dafür sorgen, dass die Reiseblasen halten.

„Selbst wenn sich die Lage in einem Reiseland plötzlich von sicher zu unsicher ändert, kann man mit einem Test bei der Rückkehr sicherstellen, dass die Menschen ihr Leben ganz normal weiterleben können und nicht in Quarantäne müssen“, sagte BDL-Präsident Gerber. „Wir müssen das Reisen wieder stärker ermöglichen, mit einem Instrumentarium, das es uns erlaubt, flexibel auf das Infektionsgeschehen zu reagieren.“

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Bislang erholt sich der Luftverkehr langsamer als von den Fluglinien erhofft. Die Last-Minute-Lust hielt sich zumindest im Juni in Grenzen, wie neue Zahlen des Weltverbands IATA zeigen. „Überraschend schwach“ falle das Comeback aus, sagte Chefökonom Brian Pearce am Dienstag in Genf. Die Passagierzahlen lagen fast 87 Prozent unter dem Vorjahreswert. In den meisten Regionen seien die Maschinen so leer wie nie zuvor. „Wenn es da keinen Zuwachs gibt, werden die Flugpläne wieder zusammengestrichen“, sagte Pearce voraus.

Während bislang damit gerechnet wurde, dass der Luftverkehr 2023 wieder das Niveau vor der Epidemie erreicht, heißt es nun: Es wird wohl eher 2024.

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