Die Antibabypille wurde von Carl Djerassi erfunden - er bezeichnete sich gern als "Mutter der Pille". Foto: imago stock
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Tagesspiegel-Podcast "Gyncast" ( Folge 7) Die Pille - Mehr Freiheit, mehr Risiko?

Endlich selbstbestimmt verhüten, bedeutete die Pille zunächst. Heute sehen sie viele kritischer. Folge 7 der unzensierten Sprechstunde mit Dr. Mandy Mangler.

Lange waren Frauen ihrer Fruchtbarkeit schutzlos ausgeliefert, gebaren viele Kinder, die sie durchbringen mussten, Verhütung war ein Hexenwerk. Im alten Griechenland versuchten sie Schwangerschaften mit Zäpfchen aus Krokodilkot zu verhindern, später glaubte man, Sperma durch Niesen loszuwerden, es folgten fragliche Vaginalbehandlungen mit giftigen Substanzen und gefährliche Abtreibungen.

Dann wurde die Pille erfunden. Ein Luxus.

Als das Hormonpräparat von Carl Djerassi (er nannte sich "Mutter der Pille") 1961 den deutsche Markt eroberte, bedeutete das demnach für viele eine Befreiung, mehr Selbstbestimmung. Wohl aus Angst vor Sittenverfall wurde sie allerdings in der Nachkriegsrepublik zunächst nur an verheiratete Frauen verschrieben.

Kritik an den Nebenwirkungen

In den Jahrzehnten danach wurde die Antibabypille zu dem Verhütungsmittel schlechthin, manche Gynäkologen verordneten jungen Frauen das Medikament fast schon automatisch.

Erst in den vergangenen Jahren häuft sich Kritik, Frauen berichten von Nebenwirkungen wie Übelkeit, Migräne und Libidoverlust. So erhöht die Pille beispielsweise das Risiko einer Thrombose, eines Blutgerinnsels im Kreislaufsystem. Der Pharmakonzern Bayer musste deshalb bereits 2,1 Milliarden Dollar Entschädigung zahlen. Eine große dänische Studie sieht außerdem einen Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung und Depressionen bis hin zu selbstverletzendem Verhalten.

In der aktuellen und siebten Folge des "Gyncast" geht es umfassend um die Pille. Wie genau wirkt sie im Körper, kann sie wirklich Akne verhindern und beeinflusst sie unser Trinkwasser? Wie errechnet sich der Pearl-Index und weshalb wählen wir andere Partner*innen, wenn wir unter ihrem Einfluss stehen?

Die Tagesspiegel-Redakteurinnen Esther Kogelboom und Julia Prosinger besprechen mit Chefärztin Dr. Mandy Mangler für welche Frau sich das Hormonpräparat eignet, welche Alternativen sinnvoll sein könnten, wann die "Pille danach" hilft und erzählen von eigenen Erfahrungen mit dem Verhütungsmittel.

Außerdem ergründen sie, warum es immer noch keine Pille für den Mann gibt und ein selbstgestricktes Accessoire Verhütung künftig zur Männersache machen könnte. Hören Sie rein!

Mehr über Chefärztin Dr. Mandy Mangler lesen Sie hier. Zu den ersten sechs Folgen des neuen Tagesspiegel-Podcasts geht es auf diesem Weg. Zum Auftritt von Dr. Mandy Mangler bei Carolin Kebekus geht es hier.

Dieses Buch mit den Erfahrungsberichten junger Pilleneinnehmer*innen, die unter #mypillstory berichteten, gibt es kostenlos im Netz zu lesen. Weitere Lektüre über die Risiken der Pille findet sich hier. Die Menstruationsaktivistin Franka Frei beschreibt die Wirkung der Pille ebenfalls ausführlich in ihrem Buch. Verantwortlich für Schnitt und Produktion des "Gyncast": Markus Lücker. Folgen Sie dem Gyncast auf Instagram!

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