Geplättet und trotzdem geistesgegenwärtig

Spuk in Rajasthan Indische Geisterstunde

Aus Gründen, die auch Ram nicht erläutern kann, durchschaute Ratnavati die fiesen Absichten und ließ die Flasche am Boden zerschellen. Angeblich verwandelte sie sich daraufhin in einen Felsbrocken und zermalmte den Zauberer.

Bevor der Mann völlig geplättet war, besaß er noch genug Geistesgegenwart, die Prinzessin, ihre Familie und den gesamten Ort zu verfluchen. Angesichts der Länge der Zauberformel muss dies ein qualvoller Tod gewesen sein. Im Jahr darauf verlor die Armee eine wichtige Schlacht, die Prinzessin und viele Stadtbewohner starben – und seitdem sei es niemandem mehr gelungen, wiedergeboren zu werden, der damals in Bhangarh lebte.

Es ist eine lange Geschichte, auch eine komplizierte, und doch zieht sie Besucher an. Schwarze Magie hat noch heute ihre Fans. Das beweist eine Zeremonie am Fuße des ersten Palastes. Auf einem steinernen Podest sitzen einige Männer im Schneidersitz, Frauen und Hunde dürften nicht in diesen heiligen Kreis, wie der Guide erklärt.

Ein Mann aus der Gruppe schreit sich in Rage, er bewegt sich in Trance um die Sitzenden und grunzt gelegentlich. „Das ist ein Exorzismusritual“, sagt Ram ganz wertfrei. Einer der dabeisitzenden Männer soll von einem bösen Fluch befreit werden. Was soll man tun, wenn sonst nichts hilft?

Langsam wird es dunkel, die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden, aber ihre Strahlen reichen noch in die Ebene hinab. Die letzten Gruppen begeben sich auf das Dach des Palasts, um auf das gesamte Ruinenfeld, die Tempel mit ihren verzierten Türmen und bauchigen Kuppeln zu blicken.

Man hat von oben eine gute Übersicht auf die wehrhafte Verteidigungsanlage, die Mauern, die sich die Hügel hinaufziehen, und fragt sich plötzlich, wie dieser Ort nur fallen konnte. Da müssen böse Mächte im Spiel gewesen sein.

Auf dem Rückweg zum Auto wird es empfindlich kühl, die Sonne ist nun fast nicht mehr zu sehen. Ein Schauer jagt über den Rücken. War das eben der grelle Schrei eines Untoten? Aus dem Baum heraus kreischt ein Affenbaby.

Reisetipps für Bhangarh:

HINKOMMEN
Nach Delhi fliegt die Lufthansa ab 585 Euro. Von dort ein Auto mit Fahrer buchen, der Verkehr ist chaotisch, am besten unter gozocabs.com.

UNTERKOMMEN
Einziges Hotel der Gegend ist das Luxusresort Amanbagh. Im Preis sind alle Mahlzeiten sowie ein Ausflug nach Bhangarh inklusive.

Ab 400 Euro im Doppelzimmer, aman.com.

RUMKOMMEN
Von Jaipur gibt es auch Tagestouren, unter viator.com findet man Angebote. Diese Reise wurde teilweise von Aman Hotels unterstützt.

Zur Startseite