„Ich frage mich schon, warum ich rauche“

Immer auf der Suche nach Intensität. Zaz 2014 auf dem Paléo Festival in Nyon. Foto: EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Sängerin Zaz „Manchmal heule ich wie ein Werwolf“

So was posten Sie auch auf Instagram. Da riskiert man wenigstens keinen Shitstorm.

So ein Shitstorm kann ja auch entstehen, wenn man gar nichts Schlimmes macht. Manchmal sage ich Sachen, die völlig falsch ankommen. Als ich 2014 ein Album mit alten Paris-Songs veröffentlicht habe, sagte ich in einem Interview: „Auch im besetzten Paris gab es eine Form von Leichtigkeit.“ Ich wollte ausdrücken, dass die Menschen in Kriegszeiten ebenso versuchen, ihr Leben zu leben. Es gab Konzerte und Shows, die Leute sind ausgegangen, wollten den Krieg ein wenig vergessen. Man hat mir vorgeworfen, ich würde die Zeit verharmlosen, es kursierten Fotos von mir mit Hakenkreuz auf der Stirn. Das hat mich umgehauen. Dabei sprang mir sogar ein Historiker zur Seite, der meinte: Sie hat recht, hört auf, sie so scharf zu attackieren. Also vielleicht doch lieber Fotos von meinem Hintern.

Ziemlich intim wird es auf Ihrer neuen Platte. Die Ballade „Demain, c’est toi“ richten Sie an das Kind, das Sie sich wünschen. Haben Sie gezögert, so etwas öffentlich zu machen?

Nein, das Lied habe ich zunächst nur für mich gemacht. Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, wenn mich ein Thema wirklich berührt, dann berührt es vielleicht andere genauso. Ich habe keine Angst mehr davor, mich verletzlich zu zeigen.

Sie werden im Mai 39. Spüren Sie einen Druck, die Nachwuchsfrage bald zu klären?

Mir ist das völlig egal, ich werde 650 Jahre alt. Im Ernst, ich habe Zeit – und vertraue darauf, dass es klappen wird, im richtigen Moment.

Momentan sind Sie Single. Könnten Sie sich vorstellen, das allein durchzuziehen?

Klar ist das möglich, aber das fände ich traurig. Der männliche Part in einer Familie ist wichtig, und es wäre doch schön, wenn ein Kind aus einer Liebe heraus entsteht.

Ihre Eltern haben sich getrennt, als Sie neun Jahre alt waren. Wie war das?

Da musste jeder für sich durch. Wir haben uns nicht erzählt, wie es uns geht, eine schwierige Zeit. Es gab da eine emotionale Blockade, viel Unausgesprochenes. Das hat mich total geprägt. Seither muss ich alles, was mich unglücklich macht, gleich ansprechen und ändern.

Sie sind die Patentante des Kindes Ihres Ex-Mannes. Ziemlich ungewöhnlich.

Ich habe ihn 2006 in Kolumbien geheiratet, das hat vier Jahre gehalten, aber wir mögen uns noch. Dann haben er und seine jetzige Frau mich irgendwann gefragt, ob ich nicht Patentante ihrer Tochter sein möchte, voilà, keine besondere Geschichte. Neulich habe ich Pizza für die Kleine gemacht, sie hat nichts angerührt. Wenigstens habe ich es versucht.

Ein weiterer misslungener Versuch: mit dem Rauchen aufhören. Sie haben wieder angefangen.

Dabei weiß ich, dass es mir besser geht, wenn ich nicht rauche. Ich bin fröhlicher, fitter, selbstbewusster, präsenter, wacher. Da frage ich mich schon, warum ich es mache.

Ja, warum eigentlich?

Ich glaube, es ist ein Mangel an Selbstbewusstsein, eine Form der Flucht, ein Filter. Das ist paradox, eigentlich bin ich doch jemand, der immer auf der Suche nach Intensität ist.

Ihre Stimme ist stets ein wenig rau und brüchig. Kommt das von den Zigaretten?

Vor allem vom vielen Singen. Ich neige dazu, meine Stimme aus mir rauszupressen. Gerade habe ich bei Proben täglich sechs Stunden gesungen. Wenn ich mich vergesse, heule ich wie ein Werwolf. Nach allem, was ich meiner Stimme antue, muss ich sagen: Schön, dass sie noch da ist.

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