"The Outs": Das Leben schwuler Twentysomethings in Brooklyn

Die Ex-Freunde Jack (Hunter Canning, links) und Mitchell (Adam Goldman) stehen im Mittelpunkt von "The Outs". Foto: Promo
Webserien "HerStory" und "The Outs" So gut können queere Serien sein

Zugegeben, „The Outs“ ist anders als „HerStory“ nicht ganz neu. Schon 2012 wurde die Serie auf dem Videoportal Vimeo gezeigt - es ist die erste erfolgreiche, crowdfinanzierte queere Webserie überhaupt. Ein Wieder- oder Neusehen lohnt sich dennoch: Nicht nur, weil „The Outs“ noch immer wirkt wie direkt aus dem Leben junger schwuler Großstädter gegriffen. Sondern auch, weil für dieses Frühjahr endlich die zweite Staffel angekündigt ist.

„The Outs“ porträtiert drei Twentysomethings in Brooklyn: Mitchell (gespielt vom Regisseur und Drehbuchschreiber Adam Goldman), seine beste Freundin Oona (Sasha Winters) und seinen Ex-Freund Jack (Hunter Canning). Mitchell und Jack sind nicht im Guten auseinander gegangen, um es vorsichtig auszudrücken; dass Mitchell Jack im Bett mit Oonas damaligen Freund erwischte, der sich bei der Gelegenheit als sexuell recht flexibel erwies, hat die Sache nicht besser gemacht.

Mitchell sucht jetzt erfolglos nach einer neuen romantischen Zweierbeziehung, unterstützt von Oona, die ihrerseits einen eher pragmatischen Zugang zu Männern und deren Neurosen hat. Jack dagegen ist direkt in eine „slutty phase“ übergegangen, wie Mitchell spitz anmerkt. Sprich: Jack nutzt jede Gelegenheit, die schwule Dating-Apps hergeben, aus, und in Brooklyn sind das viele Gelegenheiten. Die erste Folge beginnt denn auch mit einem anonymen Sexdate Jacks - eine Szene, die für eine kommerziellen Serie womöglich zu gewagt wäre und dafür umso adäquater Vorzüge und Merkwürdigkeiten eines Hook-Ups mit einem total Fremden gleichermaßen einfängt.

Schwule New Yorker auf der Suche

Das Schöne an „The Outs“ ist, dass das Datingverhalten Mitchells, Jacks und Oonas zwar als Grundrauschen ständig mitschwingt, daran aber grundsätzliche Fragen verhandelt werden. Kann aus einer Beziehung doch so etwas wie Freundschaft werden, wenn das Vertrauen zueinander zerstört, Vertrautheit aber noch da ist? Welche Beziehungen kann man als Großstädter, dem via Grindr, Gayromeo oder Tinder unzählige potenzielle PartnerInnen quasi wie im Supermarkt angeboten werden, überhaupt führen? Wie wirkt sich unser Privatleben auf den Beruf aus und umgekehrt?

„The Outs“ ist da oft witzig, manchmal melancholisch, nie moralisch und auf jeden Fall sehr ehrlich. Und ähnlich wie „HerStory“ sehr professionell produziert - obwohl das Budget insgesamt sogar nur 25 000 Dollar betrug. Richtig ärgerlich ist auch hier nur, dass nach sieben Folgen – die unterschiedlich lang sind - bereits Schluss ist.

„The Outs“ entstand übrigens auch, weil Regisseur, Darsteller und Drehbuchautor Adam Goldman mit der Repräsentation schwuler Männer im US-Fernsehen unzufrieden war. Serien wie „Modern Family“ oder „The New Normal“ konzentrierten sich damals auf homosexuelle Paare, die dabei sind, ein Kind zu adoptieren - Figuren also, die sich dem heterosexuellen Familienmodell annähern und die so für das Mainstreampublikum vermeintlich leichter als Identifikationsfiguren taugen.

Die Fanbase von "The Outs" ist groß

So einfach macht es „The Outs“ dem nicht-queeren Zuschauer nicht— die Serie ist deutlich fokussierter aus einer schwulen Sicht erzählt, dürfte dem Lebensgefühl vieler Schwuler, zumal in den Metropolen, dafür aber auch viel mehr entsprechen. Die Fanbase von „The Outs“ jedenfalls war und ist bis heute groß. Der Schauspieler Alan Cumming (bekannt unter anderem aus The Good Wife, Spy Kids, Goldeneye) war so begeistert, dass er sich für ein Kurzauftritt in der letzten Folge anbot - ein herrlicher Auftritt, in dem er sich selbst als Sugardaddy spielt.

Immerhin: Zumindest HBO hat inzwischen begriffen, dass Serien aus einer dezidiert queeren Perspektive durchaus erfolgsversprechend seien können. Dort lief in zwei Staffeln „Looking“, konzipiert vom britischen Regisseur Andrew Haigh, dessen Film „45 Years“ im vergangenen Jahr auf der Berlinale lief. „Looking“ variiert das Grundthema von „The Outs“, im Mittelpunkt stehen hier drei schwule Freunde aus San Francisco.

 

Vimeo hat sich jetzt entschieden, mit „The Outs“  und einigen weiteren Formaten selbst in die Serienproduktion einzusteigen und so mit Netflix oder Amazon als Streaming-Dienst zu konkurrieren. Start der zweiten Staffel soll im Frühjahr sein - diesmal mit einem größeren Ensemble und aufwändiger produziert, aber immer noch ganz nah am Alltagsleben schwuler Großstädter dran.

Dieser Text erscheint auf dem Queerspiegel, dem queeren Blog des Tagesspiegels. Themenanregungen und Kritik gern im Kommentarbereich etwas weiter unten auf dieser Seite oder per Email an: queer@tagesspiegel.de.

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