An der US-amerikanischen Botschaft am Pariser Platz hängt eine Regenbogenfahne unter einer US-Flagge. Foto: dpa/Jörg Carstensen
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Trotz Verbot von Trumps Regierung Berliner US-Botschaft steht zur Regenbogenfahne

Kreativer Protest: Der offen schwule US-Botschafter Richard Grenell schmückt die Botschaft mit dem Regenbogen. Außenminister Mike Pompeo hatte das verboten.

„Unsere Botschaft heißt Liebe“ steht auf einem Banner in Regenbogenfarben, das derzeit an der Fassade der US-Botschaft in Berlin hängt. Neben dem Eingang der Botschaft auf dem Pariser Platz hängen zwei Fahnen an einem Mast: die US-Flagge und die Regenbogenfahne.

Die LGBTI-Fahne ist mehr denn je als ein politisches Statement zu verstehen. Denn zuvor hatte die Trump-Regierung die Weisung erteilt, dass keine Regenbogenflaggen an Fahnenmasten der US-Botschaften mehr wehen dürfen. Das Verbot kam von dem neuen Außenminister Mike Pompeo, wie die amerikanische LGBTI-Zeitschrift „The Advocate“ berichtete. Nur die US-Flagge darf demnach noch am Fahnenmast wehen.

Auch Botschaften in Südkorea und China zeigten Flagge

Der US-Botschafter Richard Grenell, der offen schwul lebt, scheint sich der Weisung zu widersetzen. „Wir sind bereit für den CSD“ twittert die US-Botschaft am 24. Juli, gemeinsam mit einem Video, das sämtliche Regenbogen-Verzierungen in der Botschaft zeigt. Auch Richard Grenell verbreitet die Bilder über seine persönlichen Accounts. „Wir sind stolz, zwei Fahnenmaste zu haben“, schreibt er auf Twitter und begleitet den Beitrag mit dem Hashtag „Solutions“, also Lösungen. Wie der Nachrichtensender CNN unter der Berufung auf eine interne Quelle berichtete, sei der Botschafter sehr verärgert über das Verbot. Die Sprecherin der US-Botschaft sagte gegenüber dem Tagesspiegel, dass sie stolz seien, am zweiten Fahnenmast die LGBTI-Flagge zu präsentieren, während am „primären“ Fahnenmast, der über dem Dach der Botschaft zu sehen ist, nur die US-Flagge weht.

Der Botschafter ist mit seinem kreativen Protest gegen die Anweisung nicht allein – mehrere Botschaften, darunter in Südkorea, Indien, Chile und Österreich haben trotz des Verbots Regenbogenfarben gezeigt. Derweil bekräftigte der US-Vize-Präsident Mike Pence die Weisung in einem Interview mit NBC News. „Wir sind stolz, jedem Amerikaner zu dienen“, sagte Pence dem Nachrichtensender. „Aber wenn es um den amerikanischen Fahnenmast, amerikanische Botschaften und Hauptstädte auf der ganzen Welt geht, weht nur eine amerikanische Flagge.“

Ebenso wie Pompeo, der lange gegen die Ehe für alle gekämpft hat, gilt auch Mike Pence als notorisch homofeindlich. Der evangelikale Christ hat sich während seiner Zeit als Politiker in Indiana stets gegen die LGBTI-Community engagiert und liebäugelte sogar mit einer staatlichen Förderung sogenannter Konversionstherapie, die homosexuelle Menschen „umpolen“ soll. Ironischerweise war es Mike Pence, der Richard Grenell im Mai 2018 als Botschafter der USA vereidigte.

Kritik an der LGBTI-Politik von Trump?

Ist die offensive Beflaggung auch als Kritik Grenells an der LGBTI-Politik der Trump-Regierung zu verstehen? Die zeichnet sich vor allem durch Widersprüchlichkeit aus. Im Februar hatte die US-Regierung eine internationale Initiative zur Entkriminalisierung von Homosexualität gestartet – initiiert von Richard Grenell. Doch seit der Ankündigung ist nicht viel passiert.

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Stattdessen sorgte Trumps Regierung dafür, dass trans Menschen nicht mehr im US-Militär dienen dürfen und weniger Rechte auf gesundheitliche Versorgung haben. Auch der Equality Act, der unter anderem den Schutz queerer Menschen vor Diskriminierung am Arbeitsplatz beinhaltet, wird von Trumps Republikanern blockiert. Das Verbot der Regenbogenfahne scheint ein weiterer Sieg der erzkonservativen Politiker wie Pompeo und Pence im Kampf gegen die LGBTI-Community zu sein.

Wie jedes Jahr wird die US-Botschaft diesen Samstag wieder mit einem großen Bus an der Berliner CSD-Parade teilnehmen. Für Richard Grenell dürfte es immer schwerer werden, die Politik der Trump-Regierung mit seinen eigenen Überzeugungen in Einklang zu bringen.

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