Pfarrvikar Wolfgang Rothe segnet homosexuelle Paare in der Münchner Kirche St.Benedikt. Foto: dpa/Felix Hörhager
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Segnungen homosexueller Paare Die katholische Kirche sollte ihren rebellischen Priestern dankbar sein

Geistliche nehmen jetzt selbst in die Hand, was der Vatikan nicht zu leisten vermag: Modernisierung. Die ist längst überfällig. Ein Kommentar.

So hatte sich die obersten Glaubenshüter aus Rom das sicher nicht vorgestellt, als sie im März das Papier „Responsum ad dubium“ veröffentlichten – „Antwort auf einen Zweifel“. Darin verfügten sie, dass katholische Priester homosexuelle Paare nicht segnen dürfen. Die Reaktion vieler deutscher Pfarrer auf diese Verordnung ist eine kleine Revolution.

Erst gab es eine Unterschriftenaktion, bei der 2600 Unterschriften von Klerikern und Mitgliedern aller pastorale Berufe gegen das Segnungsverbot zusammenkamen. Jetzt folgt eine landesweite Aktion: Unter dem Motto „Liebe gewinnt“ haben deutsche Priester am Sonntag und am Montag homosexuelle Paare gesegnet – gegen den Willen des Vatikans. Insgesamt wurden mehr als 100 Gottesdienste abgehalten.

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Hohe Geistliche kritisieren die Aktion

Die Pfarrer setzen damit viel aufs Spiel: Konservative Stimmen in der katholischen Kirche fordern ihre Exkommunikation. Die Bewegung „Maria 1.0“ etwa appelliert an die Bischöfe, durchzugreifen, und ruft alle „Katholiken und Menschen guten Willens“ auf, am Aktionstag des 10. Mais einen Rosenkranz zu beten.

Der Chef der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing nennt die Aktion „ein nicht hilfreiches Zeichen“. Auch Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, äußerte Kritik. Er könne die Aktion verstehen, wisse aber nicht, „ob sich die Intimität der Segenszusage Gottes für eine Liebesbeziehung für einen politisch demonstrativen Akt eignet.“

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Auch Frauen in der Kirche üben Widerstand

Dabei sollte die Kirche ihren rebellischen Priestern dankbar sein. Sie nehmen in die Hand, was der Vatikan nicht zu leisten vermag: längst überfällige Modernisierung. Seit Jahren treten die Deutschen in Massen aus der Kirche aus. Umfragen haben gezeigt, dass nicht nur Missbrauchsskandale und Kirchensteuer dafür verantwortlich sind, sondern auch veraltete kirchliche Moralvorstellungen.

Die Segnung der homosexuellen Paare kann nur der Anfang sein. Eine Reihe anderer Themen stehen auf der Liste, der Umgang mit Frauen etwa. Auch hier gibt es Widerstand gegen Rom: Für den 17. Mai ruft die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands zum bundesweiten Predigerinnentag auf. Zwölf Frauen sollen dann tun, was ihnen eigentlich verboten ist: in katholischen Messen predigen.

Die widerspenstigen Kleriker und Klerikerinnen geben jetzt ihre ganz eigene Antwort auf einen Zweifel – und retten ihre Institution so möglicherweise vor der Bedeutungslosigkeit.

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