Antonina Romanova. Foto: privat
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Queere Militärangehörige in der Ukraine "Wir kämpfen für unsere und Eure Freiheit"

Antonina Romanova gehört zu einer NGO von LGBTI-Soldat*innen in der Ukraine. Hier erzählt Romanova, welchen Beitrag die NGO leistet und warum sie wichtig ist.

Bis Mitte Februar war Antonina Romanova Performance Artist an einem Theater in Kiew und hat dort bei Inszenierungen Regie geführt. Dann kam der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Gleich am zweiten Tag schloss sich Antonina samt Partner Saschko, ebenfalls Theaterregisseur, der Territorialverteidigung in Kiew an. Beide hatten keine militärische Erfahrung.

"Das erste Mal, dass wir ein Maschinengewehr in die Hand genommen haben, war vor zwei Monaten", schreibt Antonina via Facebook. "Am Anfang hatten wir Angst. Aber jetzt ist es nicht mehr so. Mensch gewöhnt sich an alles."

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Antoninas Nachrichten sind ziemlich erschütternde Zeugnisse vom Krieg – und ein Ausdruck dessen, wie stark der Überlebenskampf der Ukrainer*innen ist. "Die ersten Tage waren hart", sagt Antonina. Die beiden waren nicht vorbereitet, und sie waren auch nicht gut ausgerüstet, hatten die falsche Kleidung. Dann bekamen sie eine militärische Ausbildung – "und eine Menge Hilfe von den Freiwilligen. Freiwillige sind Superheld*innen, die viel für ukrainische Soldat*innen tun."

Ihre Schicht beginnt um 5.30 Uhr und dauert bis 22 Uhr. "Jeden Tag", schreibt Antonina. Zunächst bewachten sie Lagerhäuser, inzwischen arbeiten sie in der Küche und verpflegen ungefähr hundert Menschen.

Antonina und Saschko gehören einer NGO von LGBTIQs im ukrainischen Militär an, die in den sozialen Medien sehr aktiv ist. Sie haben unterem anderem bei der Aktion "Arm Ukraine Now" mitgemacht, posteten entsprechende Bilder, die die Regierungen anderer Länder bewegen sollte, Waffen an die Ukraine zu liefern. Eines der Bilder der NGO wurde sogar von Präsident Selenskyj geteilt. Auch Antonina ist auf einem zu sehen: Im Tarnanzug vor Regenbogenfarben, ein Gewehr um die Schultern.

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Über 120 Personen sind Mitglieder der queeren NGO, Soldat*innen aus der ganzen Ukraine. "Da wir in verschiedenen Teilen der Ukraine stationiert sind, hilft uns diese Gruppe, zusammenzukommen und uns gegenseitig zu unterstützen", sagt Antonina.

Die ukrainische Armee sei leider noch nicht sehr tolerant: "Es gibt immer noch viel Sexismus, Homophobie und Transphobie." So hat ihr Kommandant Antonina verboten, das Pronomen "sie" zu benutzen. "Aber ich habe das Rufzeichen "Antonina" für mich genommen."

Trotz aller Schwierigkeiten: Es ist es für Antonina wichtig, im Militär offen queer zu sein. "Ich denke, die Situation wird von Jahr zu Jahr besser. Und sie ist definitiv besser als die unseres beschissenen Nachbarn." Damit ist – natürlich - Russland gemeint, und beschissen ist noch eine ziemlich harmlose Übersetzung des Wortes, das Antonina eigentlich meint.

"Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns", schreibt Antonina zum Schluss. "Ich bitte Euch, helft der ukrainischen Armee heute auf jede erdenkliche Weise. Wir kämpfen für unsere und Eure Freiheit."

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