Homosexuelle Figuren stoßen bei vielen Gamern auf Ablehnung

Queere Figuren in Videospielen Schwule Schläger und verliebte Mädchen

Sei Mann, sei Frau, sei Queer. Fallout 4 bietet ungeahnte Freiheiten. Foto: Bethesda Vergrößern
Sei Mann, sei Frau, sei Queer. Fallout 4 bietet ungeahnte Freiheiten. © Bethesda

Dabei kann es so einfach sein. Inzwischen bieten die meisten Rollenspiele die Möglichkeit, für die Hauptfigur sowohl das eigene Geschlecht zu bestimmen als auch frei das Objekt der Begierde zu wählen. Ob es sich dabei dann um eine Mann oder Frau handelt – wen kümmert das?

Spielereihen wie "Mass Effect", "Fable" oder "Fallout" lassen den Spielenden nicht nur beim Erkunden der Spielewelt viele Freiheiten. Sie bieten auch die Möglichkeit, die Sexualität der Spielefigur auszutesten. Wen will ich steuern, wer will ich sein? Eine Frage, die ganz individuell beantwortet werden kann.

Wenn ein Action-Rollenspiel wie "Fallout 4" (2015) dann auch noch Polyamorie ermöglicht, also die binäre Begehrensstruktur aufhebt, dann sind dem Spiel mit den Sexualitäten kaum noch Grenzen gesetzt – zumindest in einer virtuellen Welt.

Neben diesen selbstgeschaffenen queeren Charakteren erscheinen aber auch immer mehr Spiele, die Geschichten erzählen, in denen dezidiert queere Figuren eine Rolle spielen. Diesen ist eine queere Identität eingeschrieben und von den Spielenden so anzunehmen.

Diese Spiele sorgen nach wie vor für Kontroversen, wenn sie erscheinen. Ein Äquivalent des "besorgten Bürgers“ gibt es auch unter Videospielern. Sie tendieren dazu, in den Spielen nur männliche, heterosexuelle und weiße Figuren zu akzeptieren – denn das ist nach wie vor die dominante Zielgruppe der Games. Als die Entwickler des Rollenspiels "Dragon Age: Inquisition“ (2014) den Charakter "Dorian" eindeutig schwul inszenierten, stieß das auf teils heftige Ablehnung.

"Dorian" - der Mann mit Schnurrbart - beim Liebesspiel:

"Dorian" ist ein selbstgewählter Außenseiter, der seine Herkunft, eine vermögende und einflussreiche Familie, hinter sich lassen möchte. Und er steht auf Männer. Dass die Integration dieses Charakters Kontroversen nach sich ziehen würde, war dem verantwortlichen Schreiber David Gaider klar, wie er vor Veröffentlichung des Spiels in einem Interview sagte.

Das Publikum will berührende Geschichten

Inzwischen gibt es für solche Innovationen immer öfter Lob von der Fachpresse und den aufgeschlosseneren Teilen des Publikums. So punktet etwa der DLC (Downloadable Content = kaufbarer Zusatzinhalt) zu dem Action-Adventure Spiel "The Last of Us“ durch seine fein erzählte Beziehungsgeschichte. In diesem Endzeitszenario unter dem Titel "Left Behind" erleben die Spielenden den Hauptcharakter "Ellie“ und ihre Freundin "Riley“ dabei, wie sie einige wenige schöne Stunden in einer ansonsten tristen und brutalen Welt erleben können. Erzählerischer Höhepunkt ist dabei ein Kuss zwischen den beiden jungen Frauen.

Es ist eine schöne, nuancenreiche Geschichte mit zwei glaubhaften Charakteren – keine Selbstverständlichkeit, denn Videospiele werden oft von Pappfiguren bevölkert, denen man ihre Beweggründe und Vergangenheit kaum abnehmen mag.

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