Der Trend geht zu vielschichtigeren Figuren

Queere Figuren in Videospielen Schwule Schläger und verliebte Mädchen

Ein Familienfoto. In "Gone Home" erzählt vor allem die Umgebung die Geschichte. Foto: thefullbrightcompany Vergrößern
Ein Familienfoto. In "Gone Home" erzählt vor allem die Umgebung die Geschichte. © thefullbrightcompany

Der einst schmale Pfad der queeren Videospielgeschichte ist inzwischen also schon sehr viel breiter geworden. Ein weiteres aktuelles Beispiel ist "Mortal Kombat", das als eines der brutalsten Videospiele überhaupt gilt. Ziel ist es, den Gegner oder die Gegnerin im Zweikampf möglichst brutal umzubringen. Mit den sogenannten "Fatalities“ wird den Spielenden am Ende des Kampfes der Raum geboten, mit geradezu obszönen Moves das letzte Leben aus dem/der Unterlegenen zu quetschen. Wirbelsäulen werden herausgerissen, Menschen in zwei Hälften geteilt.

Fraglich ist, wieso ein solches Spiel überhaupt Charaktere braucht, deren Sexualität thematisiert wird. Dass "Mortal Kombat X" (2015) dies trotzdem tut, kann daher zuweilen grotesk wirken. Etwa wenn auf hölzerne Weise der Hintergrund der Figur "Kung Jin“ erzählt wird. In seinem Eingangsstatement vor dem Kampf erklärt er, dass die Shaolin-Mönche ihn nicht ausbilden wollten, weil sie nicht mit seinem Begehren einverstanden waren.

Keine Tunte mehr. Der homosexuelle "Kung Jin“ (links) im Kampf:

Sehr viel subtiler und vor allem weniger brutal geht das Indie-Spiel "Gone Home" vor. In diesem übernimmt man die Rolle einer jungen Frau, die nach längerer Europa-Reise zurück ins Elternhaus kommt und dieses leer auffindet. Die Spielenden müssen herausfinden, was passiert ist. Durch Briefe, Tonbänder oder kleine Notizen, die beim Streifen durch das Haus gefunden werden, können sie die anrührende Geschichte einer verzweifelten und verunsicherten Schwester rekonstruieren. Diese hatte sich in eine Freundin verliebt – ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruhte. Die beiden wollten zusammen durchbrennen. Quasi unmerklich werden die Spielenden in "Gone Home" dazu gebracht, sich in die Situation einer jungen lesbischen Frau hineinzuversetzen.

Komplexere Charakterzeichnung verleiht einem Spiel höhere Glaubwürdigkeit

Es ist offensichtlich, dass sich der Umgang des Mediums Videospiel mit queeren Themen inzwischen sehr diversifiziert hat. Statt des groben Pinsels greifen die Entwickler immer öfter zum spitzen Bleistift, um vielschichtige Charaktere zu zeichnen. Die größere Komplexität und Diversität trägt auch zu einer höheren Glaubwürdigkeit ihrer Spiele bei. Und es ist ein Gewinn, wenn Spielenden die Möglichkeit gegeben wird, sich selbst in einem Videospiel wiederzufinden. Oder etwas kennenzulernen, was erstmal fern und fremd scheint.

Fest steht, dass queere Geschichten und Charaktere inzwischen einen Pfad in das Zentrum dieses Mediums schlagen konnten. Zu hoffen bleibt, dass dieser Pfad nun von noch mehr Menschen beschritten wird.

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