Die Reihe Teddy 30 zeigt queere Klassiker

Szene aus Patric Chihas Dokumentation "Brüder der Nacht". Foto: Marlies Faulend
Queere Berlinale-Filme Schwestern der Nacht

Einen ungewöhnlichen ästhetischen Ansatz wählte der österreichische Regisseur Patric Chiha für "Brüder der Nacht": Er porträtiert junge, bulgarische Roma, die in Wien als Stricher arbeiten und setzt sie bei ihren Gesprächen untereinander und den Interviews mit ihm in knallbuntes Licht. Manche Szenen haben halbinszenatorischen Charakter und wirken teils so, als stammten sie aus einem Schwesterfilm zu Fassbinders "Querelle" - vor allem, wenn einer Jungs dann auch noch Streifenpulli und Matrosenmütze trägt. Eine romantische Verklärung des Stricheralltags entsteht dabei nicht, denn Stefan, Vassili, Arsen & Co. erzählen bei all ihren Prahlereien auch immer wieder von ihren Ängsten, ihren Sorgen in der Heimat und ihren unangenehm Erfahrungen mit Kunden.

Der Teddy wird 30 und bekommt ein Extraprogramm

Die Idee, einen Preis für den besten schwul-lesbischen Berlinale-Fim zu verleihen, hatte Wieland Speck vor 30 Jahren. Damals war der "Daddy of the Teddy" noch als Assistent des Programmleiters Manfred Salzgeber. Zur Feier des Jubiläums gibt es nun die Reihe "Teddy 30" mit 17 queeren Klassikern. Darunter auch eine 35-Millimeter-Fassung von Richard Oswald "Anders als die Andern" aus dem Jahr 1919. Der Film wurde in den USA aufwändig restauriert. Das verweist auf das wichtige Thema der Konservierung historischer Werke von schwulen oder lesbischen Filmschaffenden. Dabei können zum einen Materialprobleme wie unspielbare Filmkopien oder VHS-Bänder ein Problem darstellen. Aber auch die Familien von verstorbenen Regisseuren können sich als hinderlich erweisen. "Da hat man es dann mit Rechteinhabern zu tun, die nicht an ihren schwulen Sohn erinntert werden wollen", erklärt Speck.

Untilgbar aus dem queeren Filmerbe ist Cameron Mitchells Rockmusical "Hedwig and The Angry Inch", das 2001 den Teddy gewann und von Christine Vachon produziert wurde. Die Amerikanerin produziert seit 20 Jahren queere Filme und arbeitet schon lange mit Todd Haynes ("Far From Heaven", "Carol") zusammen. Auf der Teddy Gala (19. Februar, Station Berlin, Luckenwalder Straße 4-6) wird Vachon mit dem Special Teddy ausgezeichnet.

Bei Teddy 30 laufen mit "Je, tu, il, elle" und "Toute une nuit" zudem zwei Werke der im letzten Herbst verstorbenen belgischen Regisseurin Chantal Akerman. Weitere Highlights der Reihe sind  Želimir Žilniks "Marble Ass" (Teddy-Gewinner 1995) und "Tras el cristal", in dem Agustí Vilaronga 1987 von einem Alt-Nazi und seinem Pfleger erzählte.

Monika Treut porträtierte schon 1999 in ihrem Teddy-Gewinnerfilm "Gendernauts - Eine Reise durch die Geschlechter" Transmenschen in San Francisco. Die Hamburger Regisseurin ist ein Panorama-Stammgast und zeigt auch in diesem Jahr wieder einen neuen Film: In "Zona Norte" kehrt sie an den Schauplatz ihrer Dokumentation "Kriegerin des Lichts" nach Rio de Janeiro zurück, um zu sehen wie sich das damals vorgestellte alternative Schulprojekt entwickelt hat. Dranbleiben lohnt sich - in der Schule und beim Filmemachen.

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