Gero Bauer war vor einigen Monaten zum Vorstand der Magnus Hirschfeld Stiftung gewählt worden. Foto: University of Maryland
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Update Nach Absage von Gero Bauer Schnelle Neubesetzung der Hirschfeld-Spitze gefordert

Der designierte Chef der Hirschfeld-Stiftung kommt doch nicht. Jetzt wird eine schnelle Neubesetzung gefordert - und Kritik an Christine Lambrecht geübt,

Nach der Absage von Gero Bauer, dem designierten Chef der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, wird eine schnelle Neubesetzung der Stelle gefordert - und Kritik an der ehemaligen Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) für ihr Management bei dieser Personalie geübt.

Bauer, bisher Geschäftsführer des Zentrums für Gender- und Diversitätsforschung an der Universität Tübingen, war im vergangenen Oktober vom Kuratorium der Stiftung gewählt worden. Er will nun aus "persönlichen Gründen" doch nicht Chef der Stiftung werden. Das bestätigte Bauer dem Tagesspiegel, zunächst hatte queer.de darüber berichtet. Die Hirschfeld-Stiftung leistet queere Bildungs- und Aufklärungsarbeit und wird vom Bund gefördert.

Die plötzliche Absage von Bauer, sei "denkbar bedauerlich", teilte der Historiker Michael Schwartz, der Vorsitzende des Beirats der Stiftung, dem Tagesspiegel mit. Dadurch werde ein seit Herbst 2021 für die Bundesstiftung bestehender Interimszustand auf unabsehbare Zeit verlängert.

"Das Bundesministerium der Justiz und das Stiftungskuratorium sind dringend gefordert, eine rasche und personell überzeugende Neubesetzung der Vorstandsposition herbeizuführen", sagt Schwartz.

Heftige Kritik von der LSU an Lambrecht

Heftige Kritik übt Alexander Vogt, Vorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), an Christine Lambrecht. Die damalige Justiz- und heutige Verteidigungsministerin hatte im Mai 2021 eine Neuausschreibung angeregt, was damals schon umstritten war. Vogt spricht von einer "Bruchlandung" durch die Absage Bauers. Mitursache sei dafür das Agieren Lambrechts.

Es habe ihn schon damals "fassungslos" gemacht, wie Lambrecht ohne Not den damaligen Vorstand Jörg Litwinschuh-Barthel aus der Stiftungsspitze vertrieben habe, erklärt Vogt.

Vakanz zu Beginn der Legislaturperiode

"Statt sich auf die gesellschaftlich wichtige Arbeit konzentrieren zu können, muss sich die Stiftung nun zu Beginn einer Legislaturperiode mit einer Vakanz an ihrer Spitze auseinandersetzen, derer es eigentlich gar nicht bedurft hätte." Litwinschuh-Barthel war 2011 Gründungsvorstand der Stiftung und hatte sich nach der Neuausschreibung seines Postens nicht an der Wahl beteiligt.

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Tatsächlich soll dem Vernehmen nach ein Grund für den Rückzug Bauers sein, dass das Justizministerium noch in der Zeit Lambrechts die Vertragsverhandlungen nicht professionell genug gemanagt habe. Inhaltliche Unstimmigkeiten soll es nicht gegeben haben.

Das Ministerium erklärte dazu am Freitag auf Anfrage, Spekulationen zu den Beweggründen von Bauer würden nicht kommentiert. Bauer selber will sich nicht weiter zu dem Vorgang äußern.

Ein Zeitplan für die Neubesetzung steht noch nicht

Kommissarisch leitet derzeit der wissenschaftliche Referent Daniel Baranowski die Geschäfte. Gegenüber Queer.de sagte er, dass mit dem Bundesjustizministerium "zeitnah gemeinsam über den geeigneten Weg zur Neubesetzung des Vorstandsamts beraten" werde.

Das Justizministerium machte am Freitag keine Angaben, wann eine Neubesetzung stattfinden wird. Noch gebe es keinen konkreten Zeitplan, sagte ein Sprecher. Auf der kommenden Kuratoriumssitzung solle über das weitere Vorgehen beraten werde, auch für diese Sitzung stehe noch kein Termin fest. Es müsse ebenfalls noch entschieden werden, ob eine Neuausschreibung der Stelle nötig sei.

De Beiratsvorsitzende Schwartz sagte in dem Zusammenhang, es sei "gerade in dieser schwierigen Phase ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und Ermutigung", dass sich der neue Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) "just in diesen Tagen entschieden hat, wie alle seine Vorgänger und Vorgängerinnen persönlich den Vorsitz im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zu übernehmen".

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