Sebastian Stipp: Im echten Leben LKA-Polizist im Bereich Strategische Prävention als "Ansprechperson LSBTI" für Opfer von homo- und transphoben Straftaten. Außerdem singt er bei "The Voice of Germany". Foto: privat
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Musikalischer Beamter Berliner LKA-Polizist singt bei "The Voice of Germany"

In der aktuellen Staffel der Gesangsshow singt sich Sebastian Stipp von Runde zu Runde. Im echten Leben ist er LKA-Polizist und verfolgt homophobe Straftaten.

Ob er ein Doppelleben führt? Irgendwie schon, sagt Sebastian Stipp. Der 33-Jährige ist Polizist und arbeitet beim Landeskriminalamt (LKA) im Bereich Strategische Prävention als "Ansprechperson LSBTI" für Opfer von homo- und transphoben Straftaten. Nebenbei sang er sich am 4. November bei „The Voice of Germany“ in die nächste Runde. Wie er dazu kam? Eigentlich ist er studierter Musicaldarsteller.

Herr Stipp, der Sänger „Sasha“ fand, Sie hätten sein Lied „super“ interpretiert. „Du kannst singen, Du hast das drauf“, sagte er nach Ihrem Auftritt. Warum haben Sie dieses Lied gewählt?

In „Du fängst mich ein“ heißt es: „Immer wenn ich abheb', immer wenn ich abdreh', kommst du und fängst mich ein“. Sasha dachte beim Schreiben an seine Familie. Und auch für mich ist sie ein emotionaler Anker.

Ein Anker in einem belastenden Arbeitsleben?

Wir sind eine niedrigschwellige Kontaktstelle, also werden uns hin und wieder belastende Sachverhalte geschildert. Aber ich gehe aus diesen Gesprächen meist mit dem guten Gefühl raus, geholfen haben zu können, oft auch durch die Vermittlung innerhalb unseres breiten Netzwerks.

Polizist waren Sie aber nicht immer.

Eigentlich wollte ich schon nach dem Abi Polizist werden, aber dann kam mir eine Schul-Aufführung von „Les Misérables“ dazwischen, in der ich ironischerweise den Polizisten Javert gegeben habe. Da war es um mich geschehen und ich habe an der UdK Musical und Show studiert, dann im Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ Marco den Hammerwerfer gespielt. Aber der Wunsch, zur Polizei zu gehen, war nie weg. Und so kündigte ich bei „Hinterm Horizont“ und studierte drei Jahre an der Hochschule für Wirtschaft und Recht den gehobenen Polizeivollzugsdienst.

Was reizt Sie an diesem Beruf?

Er ist so facettenreich und nah am Leben. Ich war mehrere Jahre im Funkwageneinsatzdienst, da ist man Konfliktmanager. Heute bringen wir Polizeischülern bei, wie sie Hasskriminalität besser erkennen. Und überlegen in der strategischen Prävention beim LKA grundsätzlich, wie man derartigen Straftaten effektiv vorbeugen kann. Das ist Realität – und Bühne ist Fiktion.

Die Sie aber nie ganz losgelassen hat?

(lacht) Ich wollte schon immer mal von Fanta 4 gecoacht werden! Und nun – ich bin gerade in Elternzeit, bald kommt unser drittes Kind – dachte ich, jetzt bist Du 33, jetzt probierst Du es mal. Ich kam durch die Vorrunden, das sogenannte Scouting, und dann durch die Blind Audition. Da sitzt die Jury von der Bühne abgewendet, sie konnten mich also nur hören. Und dann drehten sie sich um, das heißt: Du bist weiter!

Glückwunsch! Dann werden Sie also weiter im Fernsehen zu sehen sein?

Es gibt noch keinen Ausstrahlungstermin für die Battles, aber ich freue mich schon sehr darauf.

Wurden Sie seit Ihrem ersten Fernsehauftritt auf der Straße schon erkannt?

Wir drehen regelmäßig Kiezrunden, vor allem im Schöneberger Norden, um den Kontakt mit der queeren Community zu stärken. Aber in diesem Monat hatten wir noch keine.

Was erhoffen Sie sich durch Ihre Teilnahme bei „The Voice“ für Ihre Arbeit?

Es wäre schön, unsere Anlaufstelle bekannter zu machen. Wenn Betroffene ein Gesicht vor Augen haben, dann bewegt sie das vielleicht eher, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Das würde letztlich das Anzeigeverhalten verbessern und die Dunkelziffer von homofeindlichen Übergriffen senken. Wir brauchen Sichtbarkeit bei unserer Arbeit beim LKA, wir wollen das Vertrauen in die Polizei stärken. Mein Signal ist: Wir Polizisten sind nicht stocksteif und festgefahren, sondern blicken auch immer wieder über den eigenen Tellerrand.

Hier können Sie Sebastian Stipps "The Voice"-Auftritt sehen.

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