Carmen (Rosy Rodríguez) und Lola (Zaira Romero) in "Carmen y Lola". Foto: Pro Fun Media
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Lesbische Filme im fsk-Kino Baby, bleib bei mir

Das fsk-Kino in Kreuzberg zeigt in der Reihe "In many imperfect ways" Filme, bei denen lesbische und queere Frauen im Mittelpunkt stehen. Ein Überblick.

Eines Morgens prangt ein knallrotes Herz auf der Mauer. Dazu zwei Vögelchen und der Name Carmen. Die Angesprochene kann das riesige Graffito beim Blick aus dem Balkonfenster sehen. Die 17-Jährige glaubt, dass es von ihrem Verlobten stammt. Doch kurz darauf findet sie heraus, dass Lola (Zaira Romero) das Herz gesprüht hat. Eine junge Romni wie sie selbst, die mit ihrer Familie auf dem Markt arbeitet. Carmen (Rosy Rodríguez) rastet aus, nennt Lola eine Scheiß-Lesbe, die sie krank mache. Hinter diesen grausamen Sätzen versteckt sie ihre wahren Gefühle für das etwa gleich alte Mädchen.

Wie die beiden schließlich ein Paar werden, erzählt Arantxa Echevarría in ihrem Spielfilmdebüt „Carmen y Lola“ auf einfühlsame und packende Weise. Dabei gelingt es ihr vor allem, ein Gefühl für die Zwänge zu vermitteln, denen die jungen Frauen in ihren streng patriarchalen Familien am Rande von Madrid ausgesetzt sind. Wobei auch der Rassismus der Mehrheitsgesellschaft thematisiert wird.

Der fast ausschließlich mit Laien aus der Roma-Gemeinschaft besetzte Film hatte seine Premiere zwar in Cannes, kam in Deutschland jedoch nur vereinzelt in die Kinos. Dieses Schicksal teilt er mit fünf weiteren Spielfilmen, die das Kreuzberger fsk-Kino nun eine Woche (1. bis 8. August) lang in seiner Reihe „In many imperfect ways“ zeigt.

Dreiecksgeschichten und Kinderwünsche

Die Arthouse-Werke aus Spanien, Polen, Israel, England und den USA haben überdies gemeinsam, dass lesbische oder queere Frauen im Zentrum stehen. Die Hälfte von ihnen ist im Teenageralter, die anderen Protagonistinnen sind erwachsen. So wie Eva (Oona Chaplin) und Kat (Natalia Tena), die in Carlos Marques-Marcets „Anker der Liebe“ zusammen auf einem Hausboot in London leben. Als Tanzlehrerin Eva mit der Hilfe eines gemeinsamen Freundes schwanger wird, gerät ihre Beziehung zu Kat aus dem Gleichgewicht, denn sie ist nicht bereit für Nachwuchs. Sie will Eva, die sie immer „Baby“ nennt, für sich allein haben.

Der in schönen, ruhigen Bildern fotografierte Film ist emotional glaubwürdig und bietet mit Geraldine Chaplin sogar etwas Starpower auf. Sie spielt Evas hippieske Mutter – und ist tatsächlich die Mutter von deren Darstellerin Oona Chaplin.

Auch Olga Chajdas’ Langfilmdebüt „Nina“ ist eine Dreiecksgeschichte, die um einen starken Kinderwunsch kreist: Die Warschauer Französischlehrerin Nina (Julia Kijowska) und ihr Mann versuchen schon lange vergeblich, ein Baby zu zeugen. Als sie während ihrer Suche nach einer Leihmutter zufällig Magda (Eliza Rycembel) begegnen, kommen sie auf die Idee, die junge Frau zu engagieren. Das Paar ahnt nicht, dass sie lesbisch ist, doch dann verliebt sich Nina in Magda ... Gleichen die Schauspielerinnen sowie die lebhaften Impressionen der Lesben-Szene diese etwas herbeigeschriebene Konstellation zunächst aus, nimmt die Handlung im letzten Drittel einen so abstrusen Schlenker, dass es „Nina“ aus der Kurve trägt.

Zwei Werke der Reihe stammen aus den USA, wobei „Becks“ über eine Musikerin, die nach einer Trennung zurück zu ihrer Mutter zieht, der schwächste Beitrag ist. Stephen Cones „Princess Cyd“ überzeugt dagegen als optimistischer Coming-of-Age-Film: Die 16-jährige Cyd (Jessie Pinnick) verliebt sich während der Sommerferien in Katie (Malic White), die in einem Coffeeshop jobbt. Die Leichtigkeit, mit der sie ihre Gefühle und den Sex erkunden kann, ist das große Privileg einer liberalen Umgebung.

Davon kann Benni (stark: Avigail Kovari) in Tsivia Barkais „Das Mädchen mit den roten Haaren“ nur träumen. Die Tochter eines israelischen Rabbiners hat kaum Spielraum, ihre erste Liebe frei zu genießen – sosehr sie auch dafür brennt. Das Drama lief 2018 auf der Berlinale in der Sektion Generation, seine ganze Intensität kann es jetzt noch einmal auf der Leinwand des fsk entfalten.

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