Entwurf für den Lebensort Vielfalt der Schwulenberatung auf der Schöneberger Linse. Foto: promo
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"Lebensort Vielfalt" am Südkreuz Queeres Mehrgenerationenhaus für Schöneberg

Leben ohne Angst vor Ausgrenzung: Am Südkreuz baut die Schwulenberatung ein neues Mehrgenerationenhaus, das auch ein Kiezzentrum werden soll.

Noch lässt sich eher erahnen, wie der neue „Lebensort Vielfalt" am Südkreuz einmal aussehen wird. Der Rohbau ist immerhin schon ein Stockwerk hoch. Ende 2022 soll das ganze Haus stehen, eine weiße, lichte Übereck-Bebauung. Ein Mehrgenerationenhaus für homo- und bisexuelle sowie trans und inter Menschen.

Der neue „Lebensort Vielfalt“ der Schwulenberatung in Schöneberg hat eine lange Vorgeschichte. Nicht zuletzt, weil es einen erbitterten Streit mit der lesbischen Initiative Rad und Tat (RuT) um das Grundstück gab, RuT eine massive Benachteiligung kritisierte. Jetzt präsentierte Marcel de Groot, Geschäftsführer der Schwulenberatung, gemeinsam mit dem grünen Baustadtrat Jörn Oltmann und der grünen Abgeordneten Catherina Pieroth den Fortschritt auf der Schöneberger Linse.

69 Wohnungen sollen hier entstehen, ein Ort, an dem Menschen ohne Angst vor Ausgrenzung wegen der sexuellen oder geschlechtlichen Identität leben können. „Viele suchen einen geschützten Wohnraum“, sagte de Groot, die Warteliste der Schwulenberatung, die bereits eine ähnliche Einrichtung in Charlottenburg betreibt, sei lang.

Ebenso sollen therapeutische WGs mit zehn Plätzen und eine Pflege-WG mit acht Plätzen eingerichtet werden. In Gemeinschaftsräumen sollen sich alle Bewohnenden treffen können: „Wir wollen das Wohnen miteinander fördern.“

Ein offenes Haus für den Kiez

Ein offenes Haus wolle man auch insgesamt für den Kiez sein. Auf dem Areal zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Schöneberg entstehen fast 2000 neue Wohnungen, der „Lebensort Vielfalt" ist eines der letzten Grundstücke, das jetzt bebaut wird.

Zur Vernetzung mit dem Kiez sind Flächen für Gastronomie und Begegnungsstätten reserviert, auch eine Kita soll einziehen. „Kinder sind per definitionem nicht ablehnend, die gehören dazu“, sagt de Groot – auch wenn er damit rechne, dass durchaus darüber gesprochen werde, wenn die Schwulenberatung eine Kita anbiete: „Wir wollen eine Diskussion darüber anstoßen.“

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Auch für die grüne Abgeordnete Catherina Pieroth ist der „Generationenmix“ des Viertels wichtig, sie verweist auf die Studierendenwohnungen, die ebenfalls entstanden sind: „Das hätte auch leicht eine anonyme Bahnhofsgegend werden können.“ Ihr Parteikollege Jörn Oltmann, Baustadtrat in Tempelhof-Schöneberg und Bürgermeisterkandidat der Grünen für den Bezirk, hält die Entwicklung des Geländes insgesamt für „bemerkenswert“, „wenn man bedenkt, dass 2006 hier noch der Weihnachtsbaumverkauf der Höhepunkt war“.

Eine Pflege-WG für queere Menschen

Neu für die Schwulenberatung ist die geplante Pflege-WG für queere Menschen. Hier soll mit dem nahegelegenen St.-Josefs-Krankenhaus kooperiert werden, insbesondere beim Schwerpunkt HIV, den das Krankenhaus seit nicht allzulanger Zeit hat.

Denkbar sei etwa, dass Pflegepersonal durch die beiden Einrichtungen rotieren könnte, das für das Thema HIV sensibel sei, sagte Hartmut Stocker, Chefarzt der Infektiologie des Krankenhauses. Auch im Krankenhaus würden sie die Erfahrung machen, dass Patienten eine diskriminierungsfreie Bleibe suchen würden.

Einen Wunsch an die Politik hat de Groot dann auch noch. Vor dem Haus soll der Charlotte-Wolf-Platz entstehen, benannt nach der lesbischen Ärztin und Sexualwissenschaftlerin, die Mitte des 20. Jahrhunderts grundlegende Werke zur weiblichen Homosexualität veröffentlichte. Noch würde die Gestaltung für den Platz auf sich warten lassen – hier bräuchte man dringend attraktive Pläne, sagte de Groot.

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