Irina Schlauch (30) sucht als Princess Charming die große Liebe auf Kreta. Foto: picture alliance/dpa/TVNOW
© picture alliance/dpa/TVNOW

Erste lesbische Datingshow Als „Princess Charming“ sucht Irina Schlauch die große Liebe

Seit Dienstag erscheint jede Woche ein Folge des queeren Fernsehformats. Dort kämpfen 20 Personen um das Herz der ersten lesbischen Bachelorette.

Strahlend blauer Himmel, türkisglitzerndes Meer und eine gigantische Villa mit Pool: In dieser traumhaften Kulisse sucht Irina Schlauch die große Liebe. Über mehrere Wochen buhlen 20 Personen um das Herz der Princess Charming. Sie ist die erste lesbische Bachelorette.

„Liebe ist das schönste, was es gibt und da ist es egal welches Geschlecht“, sagt Irina gleich zu Beginn der ersten Folge, „die Liebe zwischen zwei Menschen kann einfach nur etwas Wundervolles sein.“

Seit einem halben Jahr ist die 30-jährige Rechtsanwältin Single und ist jetzt – wie sie selbst erklärt- „bereit für die Liebe“. Schon als kleines Kind spielte sie Fußball, außerdem liebt die Kölnerin actionreiche Sportarten wie Snowboarden und Wakeboarden – als „Ausgleich zum stressigen Alltag“.

Je mehr Action, desto besser könne sie dabei runterkommen, sagt Irina, aber sie ergänzt auch: „Meine Partnerin sollte ähnlich abenteuerlich sein wie ich, aber sie muss nicht mit mir aus einem Flugzeug springen.“ Sie suche nämlich vor allem das Gefühl von Geborgenheit und wolle eine Partnerin finden, „die bleibt“.

Es mangelt an queeren Fernsehformaten

Und dafür stehen ihr auf Kreta gleich zwanzig Personen zur Auswahl, die Irina auf Einzel- und Gruppendates besser kennenlernen dürfen. Am Ende jeder Folge verteilt die Princess dann Halsketten an diejenigen, die bleiben und weiter um sie kämpfen dürfen, bis am Ende der letzten Folge die letzte Kette - und wohlmöglich auch Irinas Herz - vergeben sind.

In Deutschland mangelt es immer noch an queeren Fernsehformaten. Einen ersten Schritt machte Pro Sieben 2019 mit „Queen of Drags“, einer Castingshow, bei der die beste Drag Queen Deutschlands gekürt werden sollte. Dann startete die Datingshow „Prince Charming“, in der Nicolas Puschmann seinen Traummann suchte.

Und nun folgt endlich das lang ersehnte lesbische Pendant, sodass seit dem 25. Mai die erste der insgesamt neun Folgen im Streamingportal TVNow zu sehen ist. Später soll die Show – ebenso wie einst „Prince Charming“ – auf Vox ausgestrahlt werden, aber um die Folgen zur Primetime auf RTL zu zeigen, so wie es beim Bachelor und der Bachelorette jedes Jahr der Fall ist, mangelt es dem Sender offenbar noch an Mut.

„Let´s go, Lesbians!“

Bereits die Vorschau verspricht viel Spaß, Action und natürlich ganz viel Gefühl. Gleich zu Beginn der ersten Folge reisen die Kandidat*innen mit Picks-Up in die Villa und hissen noch bevor sie die Zimmer beziehen die Regenbogenflagge. „Let´s go, Lesbians“, ruft Bine aus Berlin und verkündet: „Ich bin auf jeden Fall lesbisch und da bin ich stolz drauf.“

Die 28-jährige Miri aus Kiel hebt die Bedeutung der Show hervor: „Ich hätte als Teenager jemanden gebraucht im Fernsehen, der Frauen liebt, den ich bewundern kann und den gab es nicht.“

[Wer mehr über queere Themen erfahren will: Der Tagesspiegel-Newsletter Queerspiegel erscheint monatlich, immer am dritten Donnerstag. Hier kostenlos anmelden]

Die Herausforderung, vor der Irina nun steht, bringt sie auf den Punkt: „Ich glaub die Princess hat die Qual der Wahl“, sagt sie und lacht, „weil wirklich jeder Typ dabei ist“. Unter den Kandidat*innen sind etwa eine Lehrerin, eine Psychologiestudentin und eine Rapperin.

Auch aus Berlin sind einige Personen mit dabei, zum Beispiel Gea. Gea ist 28, nicht-binär und arbeitet als Künstler*in und Sozialarbeiter*in. Gea sagt: „der Regenbogen ist groß, es gibt noch so viele bunte Farben, die wir zeigen müssen.“

Auch die gebürtige Moskauerin Kati ist in Berlin aufgewachsen. Sie schreibt gerne Liebesgedichte und hofft, die Princess „mit ihren Worten verführen“ zu können. „Ich wurde nicht wirklich offen erzogen“, erzählt Kati beim Einzug in die Villa, „ich glaube meine Familie denkt, dass ich in einer Phase stecke, weil ich noch nicht den richtigen russischen Mann für mich gefunden habe.“

Einige gehen in die Offensive, andere halten sich zurück

Vor dem Kennenlernen sind die Kandidat*innen dann aber trotz anfänglicher Coolness ziemlich nervös und geteilter Meinung darüber, wie sie am besten die Aufmerksamkeit der Princess erlangen. Einige wollen in die Offensive gehen und das Einzelgespräch suchen; andere planen, sich eher zurückzuhalten und durch Blicke zu überzeugen. Als Irina dann von Feuerwerk begleitet, die Villa der Kandidat*innen betritt, legt sich die Aufregung aber schnell.

Für einen kurzen Dämpfer sorgt die Auseinandersetzung zweier Kandidatinnen - eine Szene, die RTL entfernte und zum direkten Ausscheiden der beiden Teilnehmerinnen führte. „Gewalt hat hier keinen Platz“, stellt Irina klar. Und auch Kandidatin Elsa betont: „Ich möchte nicht, dass unsere Community mit solchem Verhalten in Zusammenhang gebracht wird, denn das sind wir nicht.“

Zum Glück ist der Vorfall schnell vergessen, spätestens aber, als Irina die Ketten verteilt und strahlende Lächeln, sowie überschwängliche Umarmungen erntet. „Ich habe von keinem gehört, dass er sie nicht toll findet“ schwärmt Miri und verspricht: „Das wird wild.“ Wie wild wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn Irina ihre Suche nach der großen Liebe, dem „schönsten, was es gibt“, fortsetzt.

Zur Startseite