Die US-Botschaft feiert die US-weite Einführung der Ehe für alle auf dem Berliner CSD im Jahr 2015. Foto: Britta Pedersen/dpa
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Einstellungen zu Homosexuellen Ehe für alle baut Vorurteile ab

Eine US-Studie über Einstellungen zu Homosexuelle zeigt: Die Einführung der Ehe für alle baut Vorurteile ab. Allerdings nicht überall.

Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare schwächt Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen ab. Davon gehen US-Psychologinnen und -Psychologen aus, die die Einstellungen von fast einer Million US-Amerikanerinnen und -Amerikanern in den vergangenen zwölf Jahren ausgewertet haben.

Auffällig sei aber, dass das nur für die 35 Bundesstaaten der USA gelte, in denen die Ehe bereits geöffnet wurde, bevor der Supreme Court das im Jahr 2015 in einem aufsehenerregenden Urteil US-weit tat. Das schreiben die Forscher im Magazin „PNAS“.

Vorurteile schwächten sich doppelt so schnell ab

Offenbar führe die lokale Verankerung der Ehe für alle zu einer stärkeren Veränderung der Haltung gegenüber Homosexuellen. „Neue Gesetze werden als übereinstimmend mit lokalen Werten und Einstellungen wahrgenommen – auch wenn es um umstrittene gesellschaftliche Themen geht“, schreiben die Psychologen. Sie werteten Datensätze aus dem 2002 gestarteten „Project Implicit“ aus. Das ist eine von Wissenschaftlern konzipierte Webseite, über die Einstellungen von US-Amerikanern abgefragt werden. Auch wenn die Teilnahme bei der Umfrage freiwillig sei, könnten die Ergebnisse als repräsentativ gelten.

Demnach schwächten sich Vorurteile gegen Homosexuelle schon vor der Eheöffnung in den einzelnen Staaten ab. Mit der Ehe für alle beschleunigte sich der Trend: Der Rückgang war nach der Einführung doppelt so schnell wie zuvor. Der erste Bundesstaat, der die Ehe für alle einführte, war Massachusetts im Jahr 2004.

Eine gegenläufige Bewegung gab es in den Staaten, die vor der Supreme-Court-Entscheidung an einem Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare festhielten. Hier stiegen die Vorurteile sogar an, die Forscher sprechen von einem „Backlash“. Offenbar hätte die Bevölkerung die Gerichtsentscheidung als eine Art Oktroyierung empfunden, die den lokalen Traditionen widerspreche.

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