Der Kölner Zeichner Ralf König, 60, veröffentlicht seit den 80ern Comics. Foto: Oliver Berg/dpa
© Oliver Berg/dpa

Die vielen Coming-Outs des Zeichners Ralf König „Die Leute haben Angst vor Sex“

Comiczeichner Ralf König erzählt in dem Buch „Coming-Out“, wie er sich immer wieder geoutet hat. Zudem geht es um seine HIV-Infektion. Hier das Kapitel vorab.

An den Wänden hängen Zeichnungen, Karten und Notizen. Darauf: viele nackte Körper. Unzählige Stifte liegen herum. Am Schreibtisch sitzt Ralf König und zeichnet. Vielleicht an seinem neuen Buch, vielleicht an etwas, das ihm gerade durch den Kopf geht. Über 60 Comicbücher hat er bisher veröffentlicht, die in über 15 Sprachen übersetzt wurden. Jedes davon war thematisch so vielfältig wie die Stifte, die in seinem Atelier herumliegen.

Eines haben seine Comics gemeinsam: Es geht darin um menschliche Beziehungen und um Sexualität. „Genauer gesagt um Sex, Beziehungsprobleme, Lust und Frust, Liebeskummer, Historisches wie Adaptionen von Shakespeare und Aristophanes, Sex, Religion, Politik, Sex, Aufklärung in puncto HIV, die Ehe für alle und Sex. Habe ich den Sex erwähnt?“, lacht Ralf und hat damit sehr Recht. Es geht sehr oft um Sex. Vor allem um schwulen Sex.

Durch diesen Schwerpunkt ist er sehr erfolgreich geworden, darf sich sogar erfolgreichster deutscher Zeichner schwuler Comics nennen: In seiner Laufbahn wurde er mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, 1992 und 2006 unter anderem mit dem Max-und-Moritz-Preis als bester Comiczeichner. In seinen Arbeiten setzt sich Ralf vor allem mit seiner eigenen Geschichte auseinander: mit dem Finden seiner Sexualität, seiner HIV-Infektion und dem Leben als homosexueller Mann in einer heterosexuellen Gesellschaft. „Wenn ich meine alten Comics anschaue, lesen die sich ein bisschen wie Tagebücher“, findet er. Sie sind nicht immer schön, sondern genau wie das Leben auch mal ein bisschen dunkel.

Er ist in Ostwestfalen aufgewachsen, in der Nähe von Soest, in einem „kleinen, katholischen Bauerndorf“, wie er es nennt. Damals, in den 60er und 70er Jahren, gab es keine Schwulen – zumindest waren sie nicht sichtbar. „Schwulsein war ein viel zu großes Tabuthema, da kam mir als Kind und Jugendlicher nicht viel zu Ohren außer doofen Detlef-Witzen.“ Diese Witze, die er in der Schule immer wieder hörte, zeigten ihm vor allem eins: Schwul sein, das möchte man nicht.

Dabei bemerkte Ralf eigentlich sehr früh, dass er schwul ist. „Da gibt es wohl keinen genauen Zeitpunkt, aber es war so früh, dass ich noch gar nicht genau wusste, was ,schwul' bedeutet.“ Ralf behielt seine Gedanken sehr lange für sich. „Es gab zwar auch pubertäre Jungswichsereien hinter Büschen. Das war aufregend, hatte aber für die anderen und damals auch für mich nichts mit Schwulsein zu tun.“

Als Teenager bandelte er mit Mädchen an, versuchte, wie die anderen Jungs zu sein. Er wollte Frauen lieben – konnte es aber nicht. „Ich hatte als Teenager Freundinnen. Die mochte ich auch, aber verspürte nie etwas Erotisches. Damals habe ich wohl auch so manches Mädchenherz gebrochen.“

[Mehr über queere Themen im Tagesspiegel-Newsletter Queerspiegel, der monatlich, immer am dritten Donnerstag erscheint. Hier kostenlos anmelden]

Jungs blieben fürs Erste unerreichbar. „Ich verliebte mich heimlich in Schulfreunde, meine erste Liebe hieß Franz Josef. Dann gab’s noch Horst Dieter, die geile Sau, der war zwei Jahre älter als ich, also 16, 17, und der roch schon nach Rasierwasser. Die geilen Jungs knutschten hinter der Schulhofmauer die Mädchen ab, ob die wollten oder nicht, und ich hätte meine Großmutter verkauft, um auch so abgeknutscht zu werden.“

Mit 14 machte er die ersten Erfahrungen mit Alkohol – und outete sich unfreiwillig. „Die Tochter vom Dorfkneipenwirt hatte eine Flasche Whisky auf die Party mitgebracht, die ich sorglos zur Hälfte wegkippte. Dann weiß ich noch, dass ich zu Suzi Quatro headbangte und plötzlich – rums! – lag ich unter der Musiktruhe!“

Seine Freunde brachten ihn zum Ausnüchtern in den Garten, wo Ralf lallend unter einem Baum lag. „Dann kam Franz Josef auf seinem Moped angeknattert und ich brüllte quer über die Wiese, dass ich ihn liebe! Was natürlich für lautstarkes Gelächter sorgte.“ Am nächsten Tag schämte sich Ralf, ihm war die Aktion peinlich – seine Schulfreunde nahmen das Ganze aber offenbar nicht weiter ernst. „Die dachten vielleicht nur, dass ich halt besoffen war.“

Der leicht gekürzte Text stammt aus dem Buch "Coming Out" von Sebastian Goddemeier, das am 23. Februar 2021 beim Riva Verlag erscheint. Foto: promo Vergrößern
Der leicht gekürzte Text stammt aus dem Buch "Coming Out" von Sebastian Goddemeier, das am 23. Februar 2021 beim Riva Verlag erscheint. © promo

Ralf beendete die Schule ohne weitere Coming- Outs, arbeitete in einer Holzverarbeitungsfabrik, wo er eine Tischlerlehre absolvierte. Schon als kleines Kind hatte er die Lust am Zeichnen entdeckt. „Ich habe mit Leidenschaft Donald Duck abgemalt und mir Geschichten dazu ausgedacht.“ Später, als er sich eingestand, dass er ein Männer liebender Mann ist, wurden daraus schwule Comics. „Da ich nun mal schwul bin, wurden mit meinem Coming-Out auch meine Comics schwul. Das hat mir zu Beginn viel Aufmerksamkeit in der Szene beschert. Und dann lagen meine Heftchen plötzlich auf den WG-Klos der linken Studentenszene.“

Bevor es jedoch so weit kam, musste Ralf sich erst einmal selbst finden. Er reiste mit seiner besten Freundin Ulrike nach Frankfurt am Main, als er 19 war. „1979 gab’s das Homolulu-Festival, die erste Schwulenaktionswoche in Frankfurt. Davon hörte ich zufällig und mir war klar, dass ich da hinmusste! Ich kaufte mir unter Angstschweißausbrüchen das Schwulenmagazin Du & Ich am Soester Bahnhofskiosk und holte mir so die Informationen, wo und wann das stattfinden sollte.“ Frankfurt am Main, die Bankenstadt Deutschlands und damals auch eine Schwulenhochburg. „Das war, als flöge ich heute nach New York, wir aus der Provinz in meinem VW-Käfer.“

Erweckungserlebnis Homolulu-Festival

In Frankfurt änderte sich Ralfs Bild von Schwulen. Sie hatten Spaß. Sie waren dort, um für etwas einzustehen: für ihre Identität, für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben. Darum ging es beim Homolulu-Festival – man wollte Sichtbarkeit erzeugen und klarmachen: Wir sind hier und wir wollen dieselben Rechte wie Heterosexuelle. „Ich erlebte drei Tage Party mit fröhlichen, kampfesmutigen Männern und Tunten, da kam ich wie ausgewechselt zurück ins Dorf.“

Außerdem hatte er während der Homolulu sein erstes Mal. „Ich war betrunken und jemand nutzte das aus und schob mich vors Festzelt in den Wald. Fand ich nicht so aufregend, aber auch nicht weiter schlimm.“ Guter Sex ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten. Ralf verknallte sich an diesem Wochenende erst in Jürgen, dann in Johannes, und das war dann der erste Sex, den man so nennen kann.

„Als ich aus Frankfurt zurückkam, sagte ich zügig allen Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen, dass ich schwul bin.“ Seine Freunde gingen locker mit dem Thema um – seine Eltern nicht. „Meine Mutter war entsetzt, aber eher weil sie Angst hatte, wie mein Vater reagieren würde, der pädagogisch nicht unbedingt eine Leuchte war, eher ein Choleriker.“

Sein Vater kam von selbst dahinter, dass Ralf schwul ist. „Er schnüffelte in meinem Zimmer rum und fand das Buch Sex und Karriere von Rosa von Praunheim in meinem Regal. Das enthielt ein schwules Manifest, in dem ich Textstellen rot markiert hatte, die ich wichtig fand.“ Damit war der Fall klar: Der Sohnemann ist schwul, er liebt Männer, lutscht Schwänze. „Mein Vater stellte mich nie zur Rede, sondern machte erst mal meine arme Mutter zur Sau. Ich bin dann wegen der Scheißstimmung zu Hause ausgezogen, ins Nachbardorf.“

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräteherunterladen können]

Erst Jahre später führte Ralf Gespräche mit seinem Vater über seine Sexualität. „Er hatte weniger ein Problem damit, dass ich schwul bin, sondern damit, dass ich keine Familie gründen würde und darum später mal einsam sein würde. Das war damals auch die Realität, Schwule fanden abseits der Gesellschaft statt.“

Vorbilder oder Menschen in der Öffentlichkeit, die zu ihrer Homosexualität standen, gab es nicht. Mittlerweile weiß Ralf, dass sein Vater damals nicht den Moralapostel spielen wollte, als er so negativ reagierte. Immerhin interessierte ihn selbst gleichgeschlechtlicher Sex. „Meine Eltern waren nicht sehr gläubig und mein Vater hatte die Schränke voll mit Pornos! Da waren sogar zwei, drei schwule Pornos dabei. Aber sehr schlechte, so dänische 70erJahre-Filmchen.“

Heute sind seine Eltern um die 90 und sehr stolz auf ihn. Zu Recht. Seine Comics sind Bestseller. "Der bewegte Mann", eine Geschichte um eine Freundschaft zwischen einem Schwulen und einem Hetero, wurde verfilmt und verschaffte Ralf den Durchbruch. Das war 1994. Seitdem stehen Fans vor den Buchhandlungen Schlange, wenn er dort zu Gast ist. Heterosexuelle Menschen lesen seine Bücher genauso wie homosexuelle.

Nach seinem Coming-Out verschlug es Ralf nach Dortmund. Er kündigte seinen Job als Tischler und widmete sich seiner Kreativität. Und dem Schwulsein. „In Dortmund gab es ein Schwulenzentrum, das war neu für mich“, erinnert er sich. Ein schwuler Treffpunkt, den er sich nach seinem Homolulu-Wochenende sehnlichst wünschte. In Dortmund hatte er seinen ersten festen Freund: Hartmut. Doch wenn Ralf sich in der Öffentlichkeit mit Hartmut zeigte, war er nervös. „Ich konnte gar nicht entspannen, kann man ja kaum, wenn man angegafft wird.“

Nachdem König positiv getestet wurde, traute er sich in den Comics an das Thema HIV

In seiner Zeit in Dortmund entstand 1987 auch „Der bewegte Mann“. Ralf zweifelte zunächst an dem Potenzial des Comics. „Ich dachte, das würden nur ein paar Schwule kaufen.“ Sein Lektor hingegen glaubte an das Projekt. Ich habe seitdem viel bessere Bücher getextet und gezeichnet. Aber das ist halt meine Schublade.“ Ein schwuler Comic in einer Zeit, in der viel über Schwule geredet wurde – und über die vermeintliche Schwulenkrankheit Aids.

„1987 war ich noch in Dortmund und bekam das große Sterben zunächst nur von Weitem mit, das Berliner Schwulenmagazin ,Siegessäule’ war voll mit Todesanzeigen. Ich machte zwar Safer-Sex-Comics für die Aids-Hilfe, da ging’s meistens ums Kondom, aber sonst traute ich mich lange nicht recht an das Thema ran.“ Das war die absolute Spaßbremse, findet Ralf. Ab 1990 lebte er in Köln und musste dort einige Jahre später miterleben, wie „mein bester Freund Dieter in einem Krankenhaus elend vor sich hinstarb. Und am Ende des Jahrzehnts wurde ich selbst positiv getestet.“

Das war der Zeitpunkt, an dem Ralf sich dem Thema öffnete – er war nun selbst betroffen und traute sich zu, aus seinen Erfahrungen Kunst zu machen. „Ich hatte das Gefühl, ich wüsste nun, wovon ich rede, und habe mich erst mit Kurz-Comics an das Thema herangewagt und dann ,Super-Paradise’ produziert, da geht es um die HIV-Infektion einer meiner Figuren. Der Comic ist ein Hin und Her zwischen tragisch und lustig.“ Seitdem traut sich Ralf, wirklich alle Spektren des Lebens in seinen Comics abzubilden – egal, ob Alter, Krankheit oder Tod. Es muss nicht immer alles lustig sein.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräteherunterladen können]

Das lebendige schwule Leben entdeckte Ralf für sich selbst in den 90er Jahren. „Die Kölner waren da Lichtjahre voraus, mit Kneipen ohne Türguckloch und einer sichtbaren Schwulenszene.“ Hier lebt und arbeitet er bis heute, in Köln, der Stadt mit dem Dom und dem Schokoladenmuseum und mit dem Ruf, die Schwulenstadt Deutschlands zu sein. In Köln lernte Ralf immer mehr Männer kennen. „Klar, hier war das damals super mit der Lederszene und den Drag-Schuppen gleich nebenan. Heute zu sehen, dass es auf den Straßen unübersehbar viele Schwule gibt, macht schon ein gutes Lebensgefühl.“

Ralf bekam hautnah mit, wie Homosexuelle bis heute immer weiter in die Mitte rücken. Auch seine Comics und die Mainstream-Verfilmung von „Der bewegte Mann“ werden dazu beigetragen haben. Doch komplette Gleichstellung und Akzeptanz wurden bisher leider noch nicht erreicht. „Ich fürchte, die Probleme bleiben uns mehr oder weniger erhalten. Menschen sind nun mal engstirnig, neidisch und erstmal feindlich gegenüber allem, was nicht der Norm entspricht“, findet Ralf, auch wenn sich seiner Meinung nach politisch und gesellschaftlich schon enorm viel getan hat.

„An die Homo-Ehe war damals nicht zu denken! Offen schwule Politiker*innen, Prominente, das ging gar nicht! Es gibt viel mehr Information für jeden im Internet, auf Netflix schwule Serien. Trotzdem ist es für Jugendliche vor allem abseits der Großstädte wohl immer noch ähnlich schwer, sich zu outen. Leider.“

Selbst als gestandener, erfolgreicher Mann ist Ralf nicht vom Coming-Out freigesprochen. Noch fast täglich passiert es, dass er sich outen muss. „Neulich zupfte mir der heterosexuelle türkische Barbier den Bart und erzählte dabei von seiner Frau und dass sie ein Kind erwarten, und da dachte ich kurz: Was machst du jetzt, wenn er dich nach deiner Familie fragt?“

Nach dem Coming-Out wird das Leben ehrlicher und entspannter, findet Ralf König

Ralf war verunsichert, fühlte sich in diesem heterosexuellen Umfeld unwohl. „Wo richtige behaarte Kerle sich gegenseitig den Bart kraulen, wäre wieder ein tiefes Luftholen nötig, um selbstverständlich zu sagen, dass ich schwul bin. Ich hätte es gesagt, auf jeden Fall, war aber erleichtert, dass er gar nicht gefragt hat.“ Ralf weiß aber aus vielfacher Erfahrung, dass der Moment nach dem Coming-Out oft eine Befreiung ist.

Daher lautet sein Appell: „Hört auf den alten Mann: Macht es, bringt es hinter euch. Es gibt vielleicht kurzzeitig etwas Wirbel, aber das Leben ist danach ehrlicher und entspannter. Ihr habt dann die richtigen Freunde – die falschen sind abserviert. Denn wer was dagegen hat: Tschüss!“
[Sebastian Goddemeier: Coming-Out. Queere Stars über den wichtigsten Moment in ihrem Leben. 224 Seiten, 16,99 €]

In Deutschland sind wir doch in einer vergleichsweise guten Situation." Schwierig wird es hingegen beim Blick über die Grenzen. „Mir wird beklommen, wenn ich an Russland denke und Polen oder sämtliche islamische Staaten. Wie viel Angst und Unglück da sein muss!“ In beiden Ländern werden queere Menschen von den Regierungen instrumentalisiert: Homosexualität sei etwas Ekliges, das bekämpft werden muss.

Homosexuelle Menschen würden konservative Werte angreifen und eine Gefahr für Kinder darstellen. Außerdem gelte Homosexualität als Krankheit. In Polen wurden so genannte „LGBT-freie“-Zonen eingeführt. In diesen Landkreisen sind queere Menschen nicht willkommen – im schlimmsten Fall werden sie sogar verfolgt und angegriffen.

„Man latscht nicht mehr über die Straße und flirtet, man mutiert zum alten Sack"

Ralf ist froh, dass er noch rausgehen musste, um einen Mann aufzureißen. Ohne das Internet, richtig flirten mit Blicken. „Queers gab es unter dem Begriff damals noch nicht, und wer schwul war, ging einfach in die Kneipen und guckte, was passiert! Klar, später fand ich’s auch praktisch, mir den Kerl über GayRomeo ins Haus zu bestellen wie eine Amazon-Lieferung. Bis man nach der Kneipe und zehn Kölsch mit einem nach Hause latschte, dauerte es ja oft bis weit in die Morgenstunden. Und dann hat man lieber gekuschelt und gleich geschlafen statt gefickt.“

Da ist es wieder, das Thema Sex. Ein großes Thema in seinem Leben und ein noch größeres in seiner Arbeit. Wieso? „Weil die Leute Angst haben vor Sex, immer noch, wegen Hemmungen, Komplexen, religiösen und moralischen Einwänden. Ich finde, dass Liebe und Sex das Intensivste sind, womit man sich in diesem kurzen Leben beschäftigen kann. ,Begierde ist das Gegenteil von Tod’“, zitiert er Tennessee Williams. „Weil Sex viel mehr ist als Familienplanung.“

Alter und Sexualität schließen sich für Ralf dabei keineswegs aus. „Mit 60 ist man nicht mehr 30, das ist klar. Es funktioniert zwar noch alles und die versauten Fantasien sind im Kopf wie eh und je. Ich weiß noch nicht, ob das quälend ist oder ein Segen.“

Andere Dinge lassen allerdings nach. „Man latscht nicht mehr über die Straße und flirtet, man mutiert zum alten Sack. Bei GayRomeo bin ich schon ewig nicht mehr, da fand ich ältere Männer immer eher tragisch. Ich habe ein paar Telefonnummern im Handy und sonst bin ich zum Glück Pornojunkie wie mein Vater.“ Und das mit Genuss. Auch zu Sexualität im Alter gibt es natürlich einen passenden Comic: „Herbst in der Hose“. Ralf nimmt es wie immer mit Humor: „Bis zum Winter ist hoffentlich noch etwas Zeit.“

Zur Startseite