Die Grünen-Abgeordnete Tessa Ganserer. Foto: Imago/Future Image
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"Das verrät alle Grundwerte der Frauenbewegung" Grüne verurteilen transfeindliche Angriffe auf Tessa Ganserer

Unterstützung von ganz oben: Die Grünen im Bundestag stellen sich demonstrativ hinter ihre Kollegin Tessa Ganserer, um sie gegen transfeindliche Angriffe zu verteidigen.

Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen, und Ulle Schauws, queerpolitische Sprecherin der Fraktion, stellen sich demonstrativ hinter ihre Fraktionskollegin Tessa Ganserer, um sie gegen transfeindliche Angriffe zu verteidigen. "Wie andere Vorkämpferinnen macht Tessa Ganserer mit ihrem Beispiel vielen Menschen Mut. Wir unterstützen und bestärken Tessa Ganserer in ihrer Haltung, selbstbestimmt zu leben", erklärten Haßelmann und Schauws dem Tagesspiegel.

Die Grünen hätten schon immer Frauen unterstützt, "die sich ungerechten und entwürdigenden Normen nicht unterworfen haben", sagen Haßelmann und Schauws weiter: "Wenn es um Restriktionen beim Zugang zu Arbeit und Beruf ging, beim langjährigen unsäglichen Streit um die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe oder in der aktuellen Frage von § 219 a StGB, um nur einige Beispiele zu nennen."

Tessa Ganserer ist mit Nyke Slawik die erste trans Frau im Bundestag

Hintergrund sind wiederholte Angriffe auf Ganserer, die mit Nyke Slawik als erste trans Frau im Bundestag sitzt und bei der Wahl im September neu ins Parlament einzog. Aktueller Anlass ist ein Text in der Zeitschrift "Emma", der massiv Ganserers Identität in Frage stellt und unter anderem schon in der Überschrift ihren abgelegten Vornamen nennt.

Der Bericht dreht sich darum, dass die angeblich grünennahe Initiative "Geschlecht zählt" Widerspruch beim Wahlprüfungsausschuss dagegen eingelegt habe, dass Ganserer auf einem für Frauen quotierten Listenplatz angetreten sei. "Emma" behauptet unter anderem, allein dass der Ausschuss den Antrag angenommen habe, zeige bereits, dass er ihn ernst nehme. Tatsächlich muss der Ausschuss jeden Antrag unabhängig vom Inhalt bearbeiten.

"Es ist ungeheuer respektlos, wenn über die Körperlichkeit eines Menschen spekuliert und diese denunziert wird. Das verrät alle Grundwerte der Frauenbewegung auf Selbstbestimmung und körperliche Integrität", sagen Haßelmann und Schauws dazu, ohne die Zeitschrift explizit beim Namen zu nennen.

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Die beiden Abgeordneten weisen auch noch einmal darauf hin, dass das Transsexuellengesetz (TSG) Freiheit und Selbstbestimmung behindere und Menschen in unwürdige Verfahren mit Zwangsbegutachtungen zwinge. "Wir Grüne kämpfen seit langer Zeit gegen dieses diskriminierende Gesetz und für geschlechtliche Selbstbestimmung." Auch das Bundesverfassungsgericht habe Vorschriften des Transsexuellengesetzes wiederholt für verfassungswidrig erklärt. Dass die Ampelkoalition das alte TSG durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzen werde, stärke die Grundrechte.

In den vergangenen Tagen bekundeten auf Twitter viele User:innen - darunter auch weitere Grünen-Politiker:innen - ihre Solidarität mit Tessa Ganserer. So schrieb Ricarda Lang, Kandidatin für den Grünen-Vorsitz: "Ich bin sehr froh, dass wir mit Tessa Ganserer eine kluge Frau, gute Umwelt- und Verkehrspolitikerin und wichtige Stimme für eine vielfältige Gesellschaft in unserer Fraktion haben."

Die Autorin Anne Wizorek twitterte: "Terfs, hört endlich auf mit diesem verdammten Gatekeeping, wer Frau sein oder Weiblichkeit zeigen darf! Ihr gebt vor, Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen verhindern zu wollen, übt aber selbst die übelste Gewalt aus. Ihr seid nichts anderes als Dienerinnen des Patriarchats."

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