Didi Disco ist DJ und ESC-Experte. Foto: Guido Woller
© Guido Woller

Abend ohne Eurovision Song Contest Die queersten ESC-Hits aller Zeiten

Das Finale in Rotterdam fällt aus. Zum Trost hat uns DJ Didi Disco (SchwuZ) seine queeren Eurovision-Hits zusammengestellt. Auch als Spotify-Playlist auf dem Tagesspiegel-Account.

1986    NORWEGEN   Ketil Stokkan – Romeo
Eigentlich kein Beitrag, an den man sich erinnert. Aber der erste Auftritt von Drags auf der Eurovisions-Bühne als Backing Dancer: die Great Garlic Girls.

1997   ISLAND   Paul Oscar - Minn hinsti Dans  
Der erste offen schwule Sänger auf der ESC-Bühne gilt heute als noch LGBTQ+ Aktivist. Er schockte damals mit Latexhose und auch seine Sänger*innen waren in Fetisch-Optik. Das war 1997 absolut neu und shocking.

1998   ISRAEL Dana International – Diva
Eine Transsexuelle beim ESC? Das war schon vorweg in Israel stark umstritten.  Es galt High Security für Dana in Birmingham, da es Morddrohungen gab. Geschrieben wurde der Song u.a. von Offer Nissim, der heute als schwuler Star DJ gilt. Birmingham gilt als große Wiederbelebung des ESC und als Neustart. Es gab zum ersten Mal Televoting, zum letzten Mal ein großes Live Orchester und aus einem Kulturereignis wurde eine echte Show.

2002   SLOWENIEN   Sestre – Samo ljubezen  
Die drei Transen Daphne, Emperatrizz und Miss Marlena treten schon seit vielen Jahren als Pop-Trio Sestre (Schwestern) auf. In Slowenien sind sie auch als "Strumpantl Sisters“ bekannt. 

2004  BOSNIEN UND HERZEGOWINA   Deen  - In the Disco       

Schwuler geht’s nicht. Und das aus Bosnien :)  

2007  DÄNEMARK   Drama Queen (DQ) – Drama Queen  
Der ESC 2007 in Helsinki gilt als einer der queersten ESCs überhaupt, aber diese unverschämt altbackene Drag Queen-Nummer aus Dänemark schafft es trotzdem nicht ins Finale.

2007  UKRAINE Verka Serduchka – Dancing Lasha Tumbai  
Bis heute gilt Verka als Legende und als Ikone queerer ESC-Fans.

2007  SERBIEN   Marija Šerifović - Molitva
Die Sängerin outete sich erst 2013 als lesbisch. Die Inszenierung damals galt als brillant: Sie als Butch in die Mitte lauter aufgebrezelter Blondinen zu stellen - mega.

2012   SCHWEDEN   Loreen – Euphoria  
An sich keine queere Performance, aber so chartmäßig so ziemlich das Beste, was der ESC in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

2013   FINNLAND   Krista Siegfrieds – Marry me 
Der erste lesbische Kuss bei einer ESC Performance in Großaufnahme. Die Hochzeit von der sie singt, entpuppt sich als lesbische Hochzeit.

2014   ÖSTERREICH   Conchita Wurst – Rise like a Phoenix        
Conchita Wurst war in Kopenhagen die totale Außenseiterin und löste dann einen Hype aus. Bemerkenswert: die vielen Punkte beim Televoting aus Osteuropa.

2016   ISRAEL   Hovi Star – Made of Stars           
Kein Kracher, aber es gab Drohungen und Kontroversen wegen seines Aussehens und Make-Ups...

2016   BULGARIEN   Poli Genova - If love was a crime     
Keine Ahnung ob sie lesbisch ist, aber alle Lesben die ich kennen finden sie toll.

2017   MONTENEGRO    Slavko Kalezić - Space        
Schlimm gesungen, Muskeltyp auf High Heels mit Mega-Zopf, raus im Semifinale.

2018   Zypern   Eleni Foureira – Fuego       
DER Homo-Hit 2018 in allen Clubs. Very Beyoncé.

2018   Irland   Ryan O’Shaugnessy - Together     
Ein erfolgloser Schnulzen-Song, aber die Tänzer tanzen eine schwule Lovestory.

2018   Finnland   Saara Aalto – Monsters
Die erste offen lesbische Sängerin auf der ESC-Bühne. Und das war kein Teil ihrer PR wie damals bei t.a.t.u

2019   Frankreich  Bilal Hassani - Roi
Queer und androgyn ging im vergangenen Jahr Bilal Hassani für Frankreich ins Rennen.

Einen Text über die ESC-Ersatzshows von ARD und Pro7 finden Sie hier.
[Wer mehr über queere Themen erfahren will: Der Tagesspiegel-Newsletter Queerspiegel erscheint monatlich, immer am dritten Donnerstag. Hier kostenlos anmelden]

Zur Startseite