Ein Polizeiauto steht während der Suche nach den Polizistenmördern von Kusel auf einer Straße. Foto: AFP/Steil-TV/Wolfgang Steil
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Polizeiinspekteur gibt Details bekannt Getötete Polizisten in Kusel berichteten von „dubiosen Personen“

Die Verstärkung habe zwölf Minuten bis zum Tatort in Kusel gebraucht. Der Grund: Die Beamten mussten sich vor dem Einsatz erst einmal selbst schützen.

Der Inspekteur der rheinland-pfälzischen Polizei, Jürgen Schmitt, hat im Innenausschuss des Landtags Details zu dem Einsatz nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in der Westpfalz erklärt. Er berichtete am Dienstag unter anderem, warum es zwölf Minuten dauerte, bis andere Streifen am Tatort waren, obwohl die später getöteten Beamten gemeinsam mit den Besatzungen zweier weiterer Fahrzeuge unterwegs waren.

Schmitt sagte, wenn Streifen an einen Tatort geschickt würden und bekannt sei, dass dort geschossen worden sei, seien sie angehalten, zunächst zu stoppen und Schutzausrüstung anzulegen. Dazu gehörten schwere Schutzhelme und Westen sowie eine Maschinenpistole. „Das führt zu einer gewissen Zeitverzögerung“, erklärte der Inspekteur.

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Die beiden am frühen Morgen des 31. Januar getöteten Polizisten waren uniformiert in einem zivilen Polizeiauto unterwegs, Schmitt zufolge observierten sie mit den Besatzungen zwei weiterer Polizeiwagen eine Person. Nach früheren Angaben der Polizei ging es darum, eine Serie von Eigentumsdelikten aufzuklären

Um 4.20 Uhr hatten die Beamten an einer Kreisstraße bei Kusel ein Fahrzeug kontrolliert, zunächst über Funk von „dubiosen Personen“ berichtet, die zahlreiche tote Wildtiere dabei hätten. Sie forderten Verstärkung an und riefen schließlich um Hilfe mit den Worten „Komm schnell, die schießen, die schießen“.

Behörden entzogen Verdächtigem saarländischen Jagderlaubnisschein

Noch am selben Tag wurden zwei Tatverdächtige festgenommen, ein 38- und ein 32-Jähriger aus dem Saarland. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Zwei die Tat gemeinschaftlich begangen haben, um ihre Jagdwilderei zu verdecken. Eine Jagderlaubnis hatten die beiden nicht. Allerdings habe der 38-Jährige bis Ende März 2020 im saarländischen Staatswald jagen dürfen.

Der mutmaßliche Polizistenmörder habe in verschiedenen Revieren seit 2017 Jagderlaubnisscheine für zunächst drei Pirschbezirke gehabt, teilte das Umweltministerium in Saarbrücken mit. Zwei Pirschbezirke seien im Juni 2019 vorzeitig gekündigt worden, da es wiederholt zu Verstößen gegen die Kirr-Ordnung gekommen sei. Statt mit Getreide und heimischen Früchten sei Wild dort mit Backwaren angelockt („angekirrt“) worden.

Nach einer weiteren ähnlichen Feststellung wurde dem 38-Jährigen der dritte Jagdbezirk zum 31. März 2020 gekündigt, teilte eine Sprecherin mit. Beim Ministerium ist die Oberste Jagdbehörde angedockt. Die Pirschbezirke lagen in den Forstrevieren Furpach und St. Ingbert Nord. Wegen des Verdachts der Jagdwilderei, auch im Revier Ingbert Nord, habe der Saar-Forst mehrfach Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

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Der Tatverdächtige habe bis 2019 einen zugelassenen Wildverarbeitungsbetrieb in Neunkirchen gehabt - dieser Betrieb wurde auch mehrfach vom Landesamt für Verbraucherschutz kontrolliert. Neben selbst erlegtem Wild sei dort vor allem zugekauftes Wild verarbeitet worden. Zwischen 2017 und 2019 habe der 38-Jährige beim SaarForst Landesbetrieb insgesamt 442 Stück Reh- und Schwarzwild erworben.

In Sulzbach wurde von dem Mann bis zuletzt offenbar eine registrierte Wildkammer eines anderen Jägers genutzt, hieß es. Nach dpa-Informationen recherchieren Behörden derzeit die Vertriebswege des Wildhandels - und mögliche eingebundene Metzgereien. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern hatte der 38-jährige zum Zeitpunkt der Tat keine Erlaubnis zum Besitz von Waffen gehabt und keinen Jagdschein besessen. (dpa)

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