Pikachu feiert den 5. Geburtstag von Pokémon GO am Schäfersee in Reinickendorf. Foto: Anni Dietzke
© Anni Dietzke

Pikachu feiert Geburtstag Fünf Jahre Pokémon GO

Am 13. Juli 2016 wurde die App "Pokémon GO" in Deutschland erstveröffentlicht. Fünf Jahre später gibt es noch immer unzählige Anhänger.

Wir schreiben das Jahr 2016 – genauer gesagt: den 13.07.2016. Der Tag, der als Startschuss für einen unsagbaren Hype steht, mit dem im Vorfeld wahrscheinlich nie einer gerechnet hätte. Die Straßen sind plötzlich voll mit Menschen. Alle starren auf ihre Smartphones, man sieht kaum Gesichter, nur gebeugte Nacken.

Aber zurück auf Anfang: Schlümpfe, Glücksbärchis und Diddlmäuse waren für die Kinder, die in den späten 80ern geboren wurden, die größten Helden. Für die Kinder der 90er rückten an ihre Stelle Pokémon, die sogenannten Taschenmonster. Pikachu, Bisasam und Glumanda eroberten 1999 die Herzen etlicher deutscher Kinder im Sturm.

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Und was 1996 in Japan mit TV-Serie, Sammelkarten und Gameboyspiel begann, findet nun, zwei Jahrzehnte später, seine Vollendung in einem Handyspiel. Am 13.07.2016 wird die App „Pokémon GO“ in Deutschland erstveröffentlicht. Ein neues Zeitalter von Besessenheit bricht an und der Wahnsinn nimmt seinen Lauf.

Pokémon GO bricht bereits im ersten Monat Rekorde

Spieler Lukas beginnt drei Tage nach Veröffentlichung zu spielen. Die App habe seine Kindheitsnostalgie geweckt und er habe es einfach mal ausprobiert, ohne jede Erwartung, es lange zu spielen. Aus dem geplant kurzen Vergnügen sind nun fünf treue Jahre geworden. Doch was genau tun diese Menschen mit gebeugtem Smartphone-Nacken und Powerbank-Anschluss da eigentlich?

Es ist so simpel, wie es klingt: Sie fangen Pokémon. Dabei werden ganze Städte zu virtuellen Spielwiesen und die reale Welt wird mit der digitalen verbunden – Augmented Reality, die sogenannte erweiterte Realität. Wege, die man vorher mit dem Auto oder der U-Bahn zurückgelegt hat, nutzt man jetzt für eine kleine Zockerrunde. Und Spaziergangmuffel werden plötzlich zu Langstreckenläufern.

Bereits kurz nach der Veröffentlichung ist Pokémon GO das Spiel mit dem höchsten Umsatz und das meistgeladene Spiel im ersten Monat mit 130 Millionen Downloads. Nicht einmal die Macher haben einen solchen Erfolg für möglich gehalten. Philip Marz, Produktmarketingmanager bei Niantic, gibt zu, dass trotz festen Glaubens an die App das Team von der großen Begeisterung auf der ganzen Welt überrascht gewesen sei.

„Der Erfolg war dann doch viel größer, als wir es uns damals ausmalen konnten“. Der große Hype ist zwar längst vorbei, aber der harte Kern an Spielern ist bis heute geblieben. Und immer wieder kommen neue hinzu. Die Macher gehen mit gutem Beispiel voran: „Wir glauben, dass alle unsere Mitarbeiter:innen, egal in welchem unserer Büros sie arbeiten, Pokémon GO spielen“, sagt Marz.

Pokémon GO vs. Lockdown

Laut Ninatic sind die Trainer, wie die Pokémonspieler heißen, weltweit seit 2016 insgesamt mehr als 49 Milliarden Kilometer gelaufen. Auch Lukas kann in seiner Statistik beachtliche Zahlen vorweisen. 13.430 Kilometer hat er mit dem Spiel zurückgelegt und 85.695 Pokémon gefangen. Vor allem die Interaktion mit anderen Spielern treibt ihn bis heute an. „Durch Pokémon GO habe ich viele neue Menschen kennengelernt und sogar Freunde gefunden“, sagt der 32-jährige.

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Auch in der Tagesspiegelredaktion wimmelt es von Pokémon. Foto: Anni Dietzke Vergrößern
Auch in der Tagesspiegelredaktion wimmelt es von Pokémon. © Anni Dietzke

Diese Faszination teilen viele Spieler.  Anfangs sind es fremde Menschen, die sich zufällig im Park treffen, aber sich alle der gleichen Sache zugehörig fühlen. Man kommt in Kontakt, es bildet sich nach und nach eine riesige Community. Auch wenn diese auf Nicht-Spieler durchaus befremdlich wirkt. Nach außen ist es eher eine Gruppe zockender Freaks. 

Aber die Spieler selbst wissen es besser. Bei Community-Days oder dem jährlichen Pokémon GO-Fest treffen sie auf Gleichgesinnte. Doch Corona legte auch hier kurzzeitig alles lahm. Kontaktbeschränkungen und Lockdown führten 2020 dazu, dass etliche Spieler abgesprungen sind. Auch Lukas bestätigt, dass gerade der soziale Aspekt in der Pandemie gelitten habe, aber desto größer sei jetzt die Wiedersehensfreude zum 5-jährigen Jubiläum. 

Kein Pikachu-Ende in Sicht

2019 versuchte Niantic mit einem weiteren Augmented Reality-Spiel an den Erfolg von Pokémon GO anzuknüpfen: Harry Potter Wizards Unite, mit Figuren aus der Harry-Potter-Welt. Marktforschern zufolge fand das Spiel allerdings weniger Fans als Pokémon GO. Im vergangenen Monat kündigten die Entwickler wieder ein neues Spiel an: Transformers. Dort kämpft man gegen virtuelle Roboter, die auf dem Display in realen Umgebungen auftauchen. Das Spiel solle noch in diesem Jahr herauskommen.

Das Pokémon GO Fest 2021 hält trotz Corona viele Überraschungen für Spieler bereit. Foto: Niantic Vergrößern
Das Pokémon GO Fest 2021 hält trotz Corona viele Überraschungen für Spieler bereit. © Niantic

Und was ist mit Pikachu? Der hat keinesfalls ausgedient, wie Philip Marz mitteilt. „Wenn Sie wissen wollen, ob Pokémon GO ein Teil der Pokémon-Geschichte bleiben wird oder nicht: Ja, das wird es.“ Zukunftspläne gebe es bereits und „viele spannende Ideen, über die das Team spricht, um das Erlebnis für die Trainer:innen noch lustiger, sozialer und aufregender zu gestalten“, so Marz weiter. 

Spieler wie Lukas wird es freuen, das zu hören. Ob der 32-jährige noch weitere fünf Jahre auf Pokémonjagd geht, hänge davon ab, ob er weiterhin Freunde hat, die gemeinsam mit ihm spielen. Aber er sei auf jeden Fall gespannt, „was sich die Entwickler in Zukunft Neues für uns einfallen lassen!“

Schon am kommenden Wochenende können sich die Spieler auf das jährlich stattfindende Pokémon GO Fest freuen. Am 17. Juli startet das Fest weltweit zum zweiten Mal pandemiebedingt virtuell. Die begehrten schillernden Pokémon und Spezialforschungen dürften wieder viele Pokémontrainer zum Spielen animieren.

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