„Wellenbrecher“ ist das Wort des Jahres 2021, wie die Gesellschaft für deutsche Sprache bekanntgab. Foto: dpa/Axel Heimken
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Wort des Jahres 2021 Wie die Jury auf „Wellenbrecher“ gekommen sein könnte

„Wellenbrecher“ - das Wort des Jahres 2021 hat etwas Zupackendes, man sieht aufgekrempelte Ärmel: Gebrochen seist du, Schurke! Eine Glosse.

Das war sicher ein titanisches Ringen. „Kommen wir irgendwie an Corona vorbei?“, werden sie bei den Jurysitzungen für das „Wort des Jahres 2021“ gefragt haben. „Das hatten wir schon letztes Mal, und es hat die Leute nur noch genervt.“ Dann sind sie die Einsendungen durchgegangen, Booster, Schlafschafe, Mutationen, Impfmüdigkeit, dann endlich: „Hier!“ ruft einer, „Solidahrität, mit großem AHR!“

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Hm, ja, großes Thema. „Aber wenn wir das nehmen, heißt das ja, dass wir Corona nicht top-wichtig finden.“ Damit ging dann alles noch mal von vorn los. Vierte Welle, och nö, Schlafschafe, das war klar, ging gar nicht, so nennen die Impfgegner ihre Gegner, damit soll sich die Unwort-Jury nächstes Jahr herumschlagen. „Wir müssen dringend irgendein Corona-Wort finden“, sagte ein Jurymitglied, „das Perspektiven öffnet, irgendwie optimistisch klingt, so was wie Coroxit oder so, raus aus der Seuche!“ „Ähm“, wandte ein anderer ein, „das Wort gibt’s aber gar nicht.“

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Irgendwo weiter unten tauchte dann endlich die Lösung auf: „Wellenbrecher“, der Allzweckbegriff für drastische Corona-Maßnahmen. „Alle dafür?“ Einigkeit! Ist ja auch ein schönes Wort. Selbst wenn man berücksichtigt, dass der klassische Wellenbrecher früherer Jahrhunderte einfach nur dumm im Wasser herumsteht und den Wellen den Spaß verdirbt, so hat das Wort doch was Zupackendes, man sieht aufgekrempelte Ärmel und Brandung, die vergeblich um Milde fleht: Gebrochen seist du, Schurke!

Auf Platz 1 der Reaktionen schaffte es Christian Lindner

So kam es dann: Habemus verbum. Die schöne SolidAHRität war nicht umsonst eingereicht, sie wurde mit dem zweiten Platz abgefunden, dann lag plötzlich der Pflegenotstand auf dem Tisch, der doch auch ein großes Thema sei. „Dröges Wort“, entgegnete ein anderer, „da meckern sie wieder alle dran rum. Wenn es wenigstens so was wie Pflexit gäbe, dann...“ „Das hab ich schon gehört“, sagte die Juryvorsitzende, „Platz 3!“

Auf Platz 1 der Reaktionen schaffte es übrigens Christian Lindner, mit dem wir bald noch viel Spaß haben werden. Das W-Wort erinnere an den Lockdown, twitterte er, „gut, dass wir jetzt Kontakte beschränken und massiv #Impfen, aber viel gesellschaftliches Leben offen halten“.

Das hat beachtliche Eleganz in seiner Da-fällt-mir-grad-ein-Beiläufigkeit, es nimmt das Wort des Jahres quasi zum Beleg dafür, dass die FDP immer gerade noch die richtige Position erwischt, bevor es peinlich wird. Cool! Angela Merkel hätte übrigens auch ein Wort des Jahres verdient. Aber das geht auch nächstes Jahr, wenn wir genauer wissen, wie sehr sie vermisst wird.

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