Bernard von Bredow (hier bei einer ZDF-Dokumentation in Israel), wurde tot aufgefunden. Foto: imago images / United Archives
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Update Wissenschaftler und Tochter in Paraguay ermordet Drei deutsche Verdächtige im Fall von Bredow festgenommen

Laut regionalen Medien wurde der 62-jährige Geophysiker gefoltert und erschossen. Nun wurden drei Deutsche wegen Raubmordes festgenommen.

Er zog gemeinsam mit seiner Tochter von Oberbayern nach Lateinamerika, um dort ein neues Leben zu führen. Geigen baute der studierte Geophysiker im paraguayischen Ort Areguá. Vor zwei Wochen zerstörten drei Männer seine Wohnung und ermordeten die beiden Auswanderer auf brutale Weise. Die Täter konnten zunächst nicht gestellt werden.

Jetzt aber hat die paraguayische Polizei in dem Fall drei Männer zwischen 51 und 60 Jahren aufgegriffen und verhaftet, so der Leiter des Morddezernats der Nationalpolizei, Hugo Grance, am Dienstag gegenüber dem Radiosender Monumental. Alle drei würden verdächtigt, an der Tat beteiligt gewesen und möglicherweise die Hintermänner zu sein.

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Laut der Zeitung „Ultima Hora“ wurden die Leichen des Mannes und seiner Tochter am 22. Oktober im Haus des Wissenschaftlers von einem Freund entdeckt. Die Leichen des 62-Jährigen und des 14 Jahre alten Mädchens wurden von einem Freund im Haus der Familie rund 30 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Asunción entdeckt, wie der Fernsehsender ABC berichtete. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte am Dienstag den Tod zweier Deutscher.

Der Archäologe starb durch einen Schuss in den Nacken, wie der Gerichtsmediziner Héctor Meza sagte. Von Bredow habe Verbrennungen und Verletzungen im Gesicht und am Auge gehabt. Die Leiche seiner 14-jährigen Tochter lag demnach mit einer Schusswunde im Bauch in der Badewanne. Sie war vermutlich verblutet.

Die Polizei verdächtigte in dem Fall zunächst eine Gruppe von Bauarbeitern, die von Bredow vor kurzem entlassen hatte. Früh wurde klar, dass es die Täter wohl auf einen Tresor abgesehen, den die Polizei auf dem Grundstück des Archäologen fand.

Als mögliches Motiv nannte Grance den Raub wertvoller, alter Instrumente, die der Getötete besessen habe. In einer Wohnung des Festgenommenen in der Stadt Areguá seien neben Schusswaffen auch Musikinstrumente gefunden worden, die mutmaßlich dem Opfer gehörten, berichtete die Zeitung „ABC Color“ unter Berufung auf den Kommissar. Die Täter hätten es wiederum auf Echtheitszertifikate für Stradivari-Geigen abgesehen, welche sie benötigten, um gestohlene Geigen weiterzuverkaufen.

Paraguay hat rund sieben Millionen Einwohner. Das im Zentrum des Kontinents zwischen Brasilien, Argentinien und Bolivien gelegene Land ist etwas größer als Deutschland und sehr stark landwirtschaftlich geprägt. Viele Nachkommen deutscher Einwanderer leben in Paraguay. Dazu gehören beispielsweise rund 13 000 deutschstämmige Mennoniten, die in dem Savannengebiet Chaco vor allem Milchwirtschaft betreiben. Die vor mehreren Generationen eingewanderten Paraguayer pflegen ihre deutschen Wurzeln und betreiben beispielsweise deutschsprachige Schulen

In den vergangenen Jahren machten sich auch immer wieder Deutsche auf, um in Paraguay ein neues Leben zu beginnen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes leben derzeit etwa 26 000 Deutsche in dem südamerikanischen Land. Zuletzt kamen auch Impfgegner, die wegen der aus ihrer Sicht überzogenen Corona-Maßnahmen in Deutschland eine neue Heimat suchen.

Paraguay gilt in der Region eigentlich als recht sicheres Land. Allerdings kommt es gerade auf dem Land bei Meinungsverschiedenheiten durchaus auch zu blutigen Auseinandersetzungen. Zudem sind in Paraguay eine Reihe von kriminellen Organisationen aktiv. Vor allem im Dreiländereck zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien blüht der Schmuggel. Außerdem verübt die recht kleine Guerillaorganisation EPP im Norden von Paraguay immer wieder Anschläge und entführt Menschen.

Bernard von Bredow wurde bekannt, als er 1975 als 16-Jähriger die Rippe eines Mammutskeletts entdeckte. Zehn Jahre später wurde das Gerippe vollständige geborgen. Bredow gründete im bayrischen Siegsdorf das „Mammutheum“, ging in der ZDF-Dokureihe „Feuer im Eis“ auf Mammut- und Neandertalersuche. Zuletzt hatte er in Paraguay als Geigenbauer gearbeitet. (AFP/dpa/ Tsp)

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