Nicht nur in Berlin halten sich bei hochsommerlichen Temperaturen viele Menschen in Parks auf. Foto: Jörg Carstensen/dpa
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Update Warnung für das gesamte Wochenende Hitzewelle erreicht Deutschland – mit bis zu 37 Grad

Ein nach Osten wanderndes Hoch hat „heiße nordafrikanische Luft“ nach Deutschland gebracht. Die heißesten Orte des Samstags lagen im Südwesten.

Der Samstag ist mit bis zu 37,1 Grad der bislang heißeste Tag des Jahres gewesen. Die höchsten Werte wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am späten Samstagnachmittag an den Stationen Waghäusel-Kirrlach am Oberrhein (Baden-Württemberg) sowie in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) gemessen.

Hinter den dort jeweils gemessenen 37,1 Grad lagen nach DWD-Angaben vom Samstagabend Möhrendorf-Kleinseebach im mittelfränkischen Kreis Erlangen-Höchstadt (Bayern) mit 36,8 Grad, gefolgt von Trier-Zewen (Rheinland-Pfalz) mit 36,6 Grad und Kahl am Main im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg an der bayerisch-hessischen Grenze mit 36,5 Grad.

Am Sonntag könnte es im Osten Deutschlands aber noch heißer werden als am Samstag. Ein DWD-Meteorologe sagte, rund um Jena oder Cottbus könnte es dann vielleicht bis zu 38 Grad warm werden.

Der deutsche Temperaturrekord ist von all diesen Werten noch einiges entfernt. Laut DWD wurden am 25. Juli 2019 an Stationen in Duisburg und Tönisvorst (bei Krefeld) 41,2 Grad Celsius gemessen. Ein am selben Tag in Lingen gemessener Temperaturrekord von 42,6 Grad wurde später im Nachhinein annulliert. Auch für den Juni handelt es sich bei den Werten von diesem Samstag um keine Rekordwerte: Ende Juni 2019 waren an mehreren Orten Werte um die 39 Grad gemessen worden.

Auf der Website des DWD zog sich am Samstag eine Warnung vor Hitze in einem Streifen von Saarbrücken bis an die Ostgrenze Brandenburgs und Sachsens. Die Meteorologen sprachen von „heißer nordafrikanischer Luft“, die zu uns gelange.

Wegen Trockenheit herrscht in vielen Teilen Deutschlands auch hohe Waldbrandgefahr. In Brandenburg zum Beispiel galt am Samstag in allen Landkreisen die höchste Gefahrenstufe 5. Die Lage beim Waldbrand bei Frohnsdorf nahe Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) galt aber als stabil. Die Brandstelle habe eingegrenzt werden können, sagte Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg.

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Am Freitag war ein Waldbrand auf etwa 60 Hektar entstanden, mittlerweile sind es gut 40 Hektar. Ein Hubschrauber der Bundespolizei ist nach den Angaben im Einsatz. Bis zum Einbruch der Dunkelheit sollte er bei jedem Flug Löschwasser über dem Areal abkippen. Die Arbeit der Feuerwehrleute aus mehreren Landkreisen wird erschwert, da sich in dem Gebiet gefährliche Kampfmittel befinden.

Freibäder meldeten am letzten Wochenende des kalendarischen Frühlings einen Ansturm. Ein Mitarbeiter des Agrippabads in Köln sagte, bereits am Mittag seien rund doppelt so viele E-Tickets wie sonst in diesem Zeitraum verkauft worden. Im Freibad Langenfeld bei Düsseldorf wurde der Ticketverkauf am Kassenautomaten mittags sogar gestoppt.

Während es im Süden sonnig und heiß war, war es im Norden heiter bis wolkig. Das Wetter lockte viele an die Küsten Mecklenburg-Vorpommerns. Die Bahn meldete volle Züge in Richtung Ostsee. Das Neun-Euro-Ticket sei beliebt, ausgelastet seien besonders die Regionalbahnen in die touristischen Regionen, sagte ein Sprecher. In Mecklenburg-Vorpommern ist es mit 22 bis 25 Grad sehr erträglich, wie der Meteorologe Stefan Kreibohm vom Wetterstudio Hiddensee sagte.

Starke Sonne verursacht Risse in Düsseldorfer Mehrfamilienhaus

In Düsseldorf führte die starke Sonneneinstrahlung vermutlich in einem Mehrfamilienhaus zu Rissen im Mauerwerk eines Treppenraums. Das Haus sei vorübergehend evakuiert worden, berichtete die Feuerwehr am Samstag.

Bewohner hatten die Risse bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Ursache für die Schäden laut Baustatiker: Stahlträger im Mauerwerk, die „aufgrund des Alters des Hauses teilweise freilagen“, hätten sich durch die starke Sonneneinstrahlung ausgedehnt.

Die Feuerwehr hatte festgestellt, dass auf der Hausrückseite im Treppenbereich Glasbausteine geplatzt waren. Da sich die grundsätzliche Struktur der Wände laut Prüfung als stabil erwiesen hatte und die Wohnungen nicht betroffen waren, konnten alle Bewohner in das Haus zurückkehren.

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In Deutschland bestimmt Hitze auch am Sonntag das Wetter. Ab dem Nachmittag quellen dann laut Vorhersage vor allem über der Mitte, im südwestdeutschen Bergland sowie an den Alpen vermehrt Wolken auf.

Es kann örtlich kräftige Gewitter und Unwetter geben. Dabei könnte es laut DWD lokal in Norddeutschland Sturmböen mit 95 Stundenkilometer sowie Hagel und Starkregen geben, im weiteren Tagesverlauf auch in der Mitte Deutschlands.

Der astronomische (auch kalendarische) Sommerbeginn ist am Dienstag (21. Juni). Dann erreicht die Sonne ihren nördlichsten Punkt über der Erde und am Mittag ihren höchsten Stand des Jahres. An diesem ersten Sommertag wird es laut Vorhersage vor allem im Süden und Südwesten Quellwolken und örtlich Schauer und Gewitter geben. In der Nordhälfte wird es 22 bis 28 Grad warm, an den Küsten bleibt es etwas kühler. Nach Süden hin wird es zum Teil nochmals heiß mit 27 bis 33 Grad.

Hitze als Gesundheitsrisiko: Wer muss jetzt besonders Acht geben?

Die hohen Temperaturen sind nicht ungefährlich. Die Landesapothekenkammer aus Hessen warnt vor Sonnenbrand, Heuschnupfen und Kreislaufproblemen. Die Menschen sollten viel trinken und Sport in der größten Hitze vermeiden.

Nach Angaben des Wiesbadener Gesundheitsamtes sind grundsätzlich alle Menschen von den Gefahren der Hitze betroffen. Besonders gefährdet seien aber Kleinkinder, ältere Menschen und chronisch Kranke.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mahnte, auf ältere Menschen zu achten. Auf Twitter schrieb der SPD-Politiker: „Bitte achten Sie darauf, dass gerade ältere Menschen heute genug trinken. Sie empfinden oft weniger Durst als für ihren Körper gut wäre. Hitze und wenig Flüssigkeit können für Ältere tödliche Folgen haben. Heute sind wir gefragt, auch auf Ältere und behinderte Menschen zu achten.“ Auch das Robert Koch-Institut sprach von der Hitze als Gesundheitsrisiko.

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Der Meteorologe Andreas Matzarakis sieht in den Hitzeaktionsplänen in Deutschland eine gute Grundlage, um reagieren zu können. „Doch die Umsetzung obliegt natürlich den Städten und Kommunen, den Regierungspräsidien und Landkreisen. Und die sind oft nicht informiert und vorbereitet“, sagte Matzarakis der „Badischen Zeitung“ in Freiburg. Wenn man eine Hitzewelle kommen sehe, müsse man aufklären: „viel trinken, Sonne meiden, Aktivitäten reduzieren“.

Die Zunahme der Hitzewellen und Dürren ist laut Wissenschaftlern eine direkte Folge der globalen Erwärmung. Dabei nehmen sowohl Intensität als auch Dauer und Häufigkeit dieser Phänomene zu.

Die Physikerin und Klimatologin Friederike Otto forscht am Imperial College in London und ist führende Vertreterin der sogenannten Zuordnungsforschung. Kern der Forschungsarbeit ist es, Extremwetterereignisse der Klimakrise zuzuordnen.

Otto, die auch Leitautorin des Weltklimarates ist, twitterte am Samstag: „Aus unserem Leitfaden zur wissenschaftlich korrekten Berichterstattung zu Wetterextreme: „JEDE Hitzewelle ist aufgrund des menschengemachten Klimawandels nun stärker und wahrscheinlicher“.“ (dpa, AFP, Tsp)

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