Teströhrchen mit positiven Affenpocken-Proben. Foto: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration
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Virus ist unterschiedlich gefährlich Welche Affenpocken-Varianten gibt es?

Weltweit mehren sich die Infektionen mit dem Affenpockenvirus. Zwei genetische Gruppen, mit unterschiedlicher Gefahr für den Menschen, sind bisher bekannt.

Wie zum Beispiel auch beim Coronavirus existieren unterschiedliche Erreger-Varianten der sich weltweit verbreitenden, ursprünglich aus Afrika stammenden Affenpocken. Es gibt jeweils in Westafrika Stämme, die genetisch ähnlich sind und in Zentralafrika auch.

Daher wird zwischen den zentralafrikanischen und den westafrikanischen Varianten unterschieden – benannt nach den Herkunftsregionen des Virus, das von Tieren stammt und zum ersten Mal 1970 in der Demokratischen Republik Kongo bei einem Menschen identifiziert wurde. Die beiden grob unterschiedenen Affenpocken-Varianten sind unterschiedlich gefährlich für den Menschen.

Ob sich – ähnlich wie bei Corona – bald andere Namen für die Varianten durchsetzen, die keine zu Diskriminierung einladenden Regionalbezeichnungen tragen, bleibt dabei abzuwarten.

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Die westafrikanischen Affenpocken-Varianten: Sie breiten sich derzeit aus und sind weniger gefährlich

Stand 22. Mai wurden in allen bisher genetisch analysierten Proben der Affenpocken aus dem Mai eine westafrikanische Erreger-Variante identifiziert. Das kann man als gute Nachricht werten: Auch die westafrikanischen Varianten können zwar schwere Verläufe nach sich ziehen, sie bewirken aber nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Verläufe.

Wie die Deutsche Presse-Agentur von Clemens Wendtner, dem Chefarzt der Infektiologie der München Klinik Schwabing, erfahren hat, haben die westafrikanischen Affenpocken-Varianten eine Sterblichkeit von etwa einem Prozent, insbesondere bei Kindern unter 16 Jahren. Wendtner gibt einschränkend außerdem zu bedenken, „dass diese Daten aus Afrika nicht zwingend übertragbar auf das Gesundheitswesen in Europa oder den USA sind, bei uns wäre die Sterblichkeit eher niedriger anzusetzen. Das ist eine Erkrankung, die meines Erachtens nicht das Potenzial hat, die Bevölkerung massiv zu gefährden.“

[Lesen Sie auch: Wie ansteckend ist der Erreger? Was wir über die Affenpocken wissen – und was nicht? (T+)]

Das Robert Koch-Institut (RKI) schreibt, dass westafrikanische Virusvarianten deutlich weniger virulent seien als die zentralafrikanischen. Virulenz bezeichnet laut Definition des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung die Fähigkeit eines Krankheitserregers, eine Erkrankung hervorzurufen. 2003, beim ersten Nachweis von Affenpocken außerhalb Afrikas, sei es weder zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen, noch zu Todesfällen gekommen. Vermutet wird, dass es sich damals um eine niedriger virulente, westafrikanische Virusvariante handelte.

Die zentralafrikanischen Affenpocken-Varianten: virulenter und tödlicher

Die zentralafrikanischen Varianten scheinen den bisherigen Informationen zufolge gefährlicher zu sein. Einer RKI-Publikation von 2019 nach („Infektion des Menschen mit Affenpocken“) liegt die Sterblichkeit bei elf Prozent der Infizierten. Wie auch Clemens Wendtner gibt das RKI aber zu bedenken, dass diese Angaben zu den Todesraten nicht auf Länder mit guter medizinischer Versorgung – so wie Deutschland eines ist – übertragen werden sollten. Außerdem scheinen sich die zentralafrikanischen Varianten – wie weiter oben beschrieben – derzeit nicht weltweit zu verbreiten.

Momentan wird von einer geringen Gefährdung für Deutschland ausgegangen

Von Affenpocken waren bisher vor allem Menschen in West- und Zentralafrika betroffen. Seit dem ersten bekanntgewordenen Fall aus England im Mai 2022 mehren sich täglich die Meldungen über weitere Infektionen in Europa oder darüber hinaus. Bisher lassen sich die Stimmen aus dem Gesundheitsbereich und der Forschung so zusammenfassen, dass es nun zwar einer genauen Beobachtung und Eingrenzung bedürfe – von einer großen Gefahr für die breite Bevölkerung in Deutschland und anderen westlichen Ländern wird jedoch bis dato nicht ausgegangen.

Das hängt auch mit der Übertragung des ursprünglich vermutlich auf Nagetiere zurückgehenden Virus zusammen. Im Unterschied etwa zum Coronavirus infizieren sich Menschen RKI-Angaben zufolge bei anderen Menschen meistens eben nicht über größere Distanzen und die Luft mit Affenpocken, sondern durch sehr engen körperlichen Kontakt, wie er etwa beim Sex passiert.

Die Übertragung finde unter anderem über Körperflüssigkeiten oder den Schorf der Affenpocken-Infizierten statt. Impfstoffe gegen echte Pocken helfen demnach auch gegen die Krankheit Affenpocken, die sich durch Anzeichen wie Fieber, geschwollene Lymphknoten und Pustel-artige, schließlich verkrustende Hautveränderungen, bemerkbar machen. (mit dpa)

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