Mit Telefonanrufen in Russland möchten Aktivisten gegen den Krieg kämpfen. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Ukraine-Krieg Künstlerkollektiv spielt Russland Telefonstreiche

Zivilen Widerstand leisten Aktivisten von der Organisation „The Obfuscated Dreams of Scheherazade“. Sie wollen Verunsicherung und Paranoia stiften.

Mehr als 5000 Telefonnummern von russischen Militärs, Geheimdienstlern und Politikern hat das Künstlerkollektiv „The Obfuscated Dreams of Scheherazade“ (TODS) seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in einer eigenen Datenbank zusammengetragen. Die Nummern stammen aus mehreren Leaks.

Um sich gewaltfrei gegen den Krieg zu stellen, schalten die Aktivisten Telefonkonferenzen zwischen zwei zufällig ausgewählten Nummern aus der Sammlung. Kommt eine Verbindung zustande, kann der Anrufer den unfreiwilligen Gesprächspartnern dabei zuhören, wie sie sich gegenseitig zu erklären versuchen, was gerade vorgeht.

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Es ist ihre Form des zivilen Widerstands gegen den Krieg: „Stell dir vor, es ist Krieg und alle hängen am Telefon fest“. Denn wer am Telefon hänge, könne keine Bomben werfen, keine Soldaten koordinieren und keine Invasionspläne schmieden, schreibt das Kollektiv auf seiner Webseite.

Per Telefonstreich gegen den Krieg kämpfen

Seit Mittwoch ist wasterussiantime.today freigeschalten, die Idee zu den Telefonstreichen kam den Künstlern bereits am zweiten Tag des Krieges. Über einen Button auf der Webseite lässt sich unkompliziert in Russland anrufen.

Dabei erfahren die dann verbundenen Gesprächspartner nichts von der Identität des Anrufers, es besteht auch keine Möglichkeit, mit den Russen zu sprechen. So kann man sich nicht in Gefahr bringen, unabsichtlich oder leichtsinnig Details verraten.

Eigentlich ist ihre Aktion illegal, aber die Kunstaktivisten halten ihre „interaktive Performance-Installation“ angesichts des Angriffskriegs für legitim. „Wir sind militante Pazifisten. Wir wählen gewaltfreie Methoden, um gegen diesen Krieg zu kämpfen. Deshalb haben wir uns für diese zivile, friedliche Intervention entschieden“, sagt eine TODS-Vertreterin im Pressestatement.

Das Ziel sei es, Verunsicherung und Paranoia unter den Mitorganisatoren des Kriegs zu säen, sagt ein weiterer Aktivist gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Trotzdessen, dass die Aktion „auch für etwas Schönheit in den dunkelsten Zeiten“ sorgen soll, kommuniziert das Kunstkollektiv nur mit größter Vorsicht. Erfundene Geschichten und Pseudonyme schützen ihre Identitäten.

Wie lange genau die zivile Attacke noch standhalten wird, ist ungewiss. Das Kollektiv sei sich aber sicher, dass früher oder später die betroffenen russischen Stellen einen Weg finden würden, um die Anrufe zu blockieren.

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