Lässt sich nicht unterkriegen. Ein Mann in Gianyar auf Bali hat säckeweise Plastikmüll gesammelt, um dafür Reis zu bekommen. Foto: imago images/ZUMA Wire
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Überleben auf der Trauminsel Bali Mit Müll gegen die Not

Plastik gegen Reis - die Balinesen versuchen, mit kreativen Projekten die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu lindern.

Im Schatten unter dem Vordach stapeln sich unzählige weiße und schwarze Säcke, alle gefüllt mit Müll. Eine Gruppe junger Männer hat die Mund-Nase-Masken abgesetzt und strahlt in die Kameras. Auch eine gebrechlich wirkende alte Frau hält stolz eine gefüllte Tüte hoch.

Das neue Projekt „Plastic Exchange Bali“ – eine Art Plastikbörse, bei der Kunststoffmüll gegen Reis getauscht wird – ist aus der Not der Balinesen heraus entstanden. Denn die internationalen Grenzschließungen im April haben die indonesische Urlaubsinsel in eine ernste wirtschaftliche Krise gestürzt.

Ungefähr 1,2 Millionen Balinesen arbeiten im Tourismus, mehr als die Hälfte der 4,2 Millionen Einheimischen haben eine Verbindung zu der Branche. Hunderttausende haben während der Coronakrise ihren Job verloren oder erhalten derzeit kein Einkommen.

Michele Yoga von der wohltätigen Organisation Yayasan Team Action Amed arbeitet seit Monaten nur noch daran, Essenspakete zu verteilen und dort zu helfen, wo Not am Mann ist. „Viele aus den Touristengebieten sind heim in ihre Dörfer gegangen, aber da sie nicht wissen, wie man fischt oder eine Farm bewirtschaftet, ist die Arbeitslosigkeit hoch“, sagt sie.

Auch ihre eigene Arbeit als Hochzeitsplanerin ist während der Pandemie versiegt, doch ihr australischer Arbeitgeber zahlt nach wie vor einige Stunden und unterstützt damit auch ihre wohltätige Arbeit für die Gemeinde. Yoga berichtet von Menschen, die Rechnungen nicht mehr bezahlen oder Kreditzahlungen nicht mehr erfüllen können. Ein 90-jähriger blinder Mann habe sich über Wochen nur noch von Sambal, der Chillisoße, und Reis ernährt.

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Mit Kreativität auf die Krise reagiert

Gleichzeitig wehrt sich Yoga dagegen, die Balinesen als „arm“ oder „leidend“ zu beschreiben. Die Menschen hätten mit erstaunlicher Kreativität auf die Krise reagiert, berichtet die Australierin, die in Amed lebt, einem Fischerort im Osten der Insel in der Nähe des Vulkans Mount Agung. Sie erzählt von einem Schmuckhändler, der jetzt Fische züchtet, und einem Journalisten, der einen Essensstand aufgemacht hat.

Die Plastikbörse ist jedoch eine der bisher erfolgreichsten balinesischen Initiativen, die aus dem Corona-bedingten Zusammenbruch des Tourismus auf der Insel hervorgegangen ist. Die Idee stammt von Janur Yasa, einem Restaurant-Besitzer in Ubud, einem Ort im Inland Balis.

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Ihm kam der Gedanke, Reis gegen Plastik zu tauschen und dafür mit den sogenannten „Banjars“, einer Art Nachbarschaftsgruppe, zusammenzuarbeiten. Laut der lokalen Webseite „Threads of Life“ sammelten Menschen aus über 3000 Haushalten in etwa 100 Banjars innerhalb von drei Monaten 34 Tonnen Plastik und erhielten im Austausch dafür Reis. Das Konzept funktionierte so gut, dass es sich über Mundpropaganda wie ein Lauffeuer über die gesamte Insel verbreitete.

Nachhaltig. Eine Freiwillige sortiert den gesammelten Müll. Foto: imago images/ZUMA Wire Vergrößern
Nachhaltig. Eine Freiwillige sortiert den gesammelten Müll. © imago images/ZUMA Wire

Grundsätzlich weist Yasa die einzelnen Nachbarschaftsgruppen an, zuerst in den Gemeinden selbst zu sammeln, angefangen in den eigenen Häusern und Gärten. Erst danach sollen sie den Straßen und schließlich am Fluss und in der Umgebung nach Plastik suchen. Seine Kunststoffbörse nimmt auch weggeworfene Kühlschränke und andere Maschinen auf und recycelt sie. „Wenn ich zwei Millionen Dollar hätte, könnte ich ganz Bali sauber machen“, sagt Yasa.

Laut Mohamad Bijaksana Junerosano von dem Start-up Waste4Change erzeugt Indonesien täglich 175.000 Tonnen Abfall, etwa 14 Prozent davon ist Kunststoffmüll. 81 Prozent der Abfälle bleiben dabei unsortiert, wie der Experte im Interview mit der World Bank 2019 sagte.

Perfekter Mechanismus

Dies erschwere das Recycling und führe dazu, dass Plastikmüll in der Erde oder im Ozean lande. Auch auf dem Urlaubsparadies Bali lagern laut Janur Yasa mehrere Millionen Tonnen Plastik. Der Balinese hofft aber, mit seiner Plastikbörse den „perfekten Mechanismus“ geschaffen zu haben, um die Insel endlich wieder sauber zu bekommen.

Der Kunststoff, den die Inselbewohner bei Plastic Exchange Bali abgegeben, wird noch auf Bali sortiert. Danach wird er zu Fabriken auf der indonesischen insel Java zum Recyceln transportiert. Alte Tetra-Packs können dort beispielsweise in neue Isolierungen für Dächer umgewandelt werden.

Im Gegenzug für das gesammelte Plastik bekommen die Balinesen nicht nur Reis, meint Michele Yoga, die das gemeinnützige Projekt von ihrem Heimatdorf Amed aus ebenfalls unterstützt. Sie erhalten auch „ihre Würde und ihren Stolz zurück“, sagt sie.

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