Evakuierte Hunde aus dem Tierschutzzentrum Odessa. Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.
© Deutscher Tierschutzbund e.V.

Tiere im Ukraine-Krieg Tierschutzzentrum in Odessa evakuiert

59 Tiere konnten aus Odessa gerettet und nach Rumänien gebracht werden. Anderen Tieren aber droht in den ukrainischen Zoos der Tod durch Kälte und Hunger.

Wie der Deutsche Tierschutzbund am Mittwoch mitteilte, konnten in den vergangenen Tagen 59 Tiere erfolgreich aus dem Tierschutzzentrum Odessa evakuiert werden. 44 Hunde und 15 Katzen, die im Zentrum betreut wurden, seien demnach von der Ukraine über die Republik Moldau bis nach Rumänien gebracht worden.

„Alle Hunde und Katzen sind wohlbehalten in Rumänien angekommen. Wir sind erleichtert, dass sie nun endlich in Sicherheit sind“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Die noch verbliebenen Straßenhunde sowie ausgesetzte oder zurückgelassene Tiere, die nicht evakuiert wurden, würden weiter vor Ort versorgt.

Für ausreichend Futter sei derzeit noch gesorgt. Der Deutsche Tierschutzbund eröffnete das Tierschutzzentrum Odessa im Jahr 2005. Laut eigenen Angaben habe sich seit der Eröffnung die Zahl der Straßenhunde in Odessa von rund 80.000 auf etwa 3.000 verringert.

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„Mein Dank gilt allen Tierschützern in unserem Zentrum, die in den schweren Kriegstagen weiter für die Tiere da sind und allen Helfern, welche die Evakuierung – die lange Zeit aussichtlos schien – am Ende doch ermöglicht haben“, so Schröder am Mittwoch. Die Sorge um die Mitarbeiter des Zentrums, die noch vor Ort sind, bleibe jedoch aufgrund der sich zuspitzenden Lage.

Evakuierung nach Rumänien

Die Tierhilfe Hoffnung, Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, habe die evakuierten Tiere im rumänischen Pitesti in Empfang genommen. Nach der vorgeschriebenen Quarantänezeit sollen die Hunde und Katzen in den kommenden Wochen auf Einrichtungen des Deutschen Tierschutzbundes und Tierheime in Deutschland verteilt werden.

Bei den Hunden und Katzen handele es sich um Straßentiere, die im Tierschutzzentrum Odessa kastriert und medizinisch versorgt worden seien. „Für diese Tiere werden wir eine Vermittlung in Privathand anstreben“, so Schröder. „Einige unserer Straßentiere aus Odessa kennen das Zusammenleben mit Menschen jedoch nicht. Hier werden wir andere Lösungen finden. Wir tun alles dafür, ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen.“

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Währenddessen sendete der Sprecher eines Zoos nahe der ukrainischen Hauptstadt einen Hilferuf wegen der russischen Angriffe auf Kiew. Nach Angaben der Agentur Unian appellierte Mychajlo Pintschuk in der Nacht zum Dienstag für einen sicheren Korridor zur Unterstützung der Tiere: „Wir können keine Nashörner und Giraffen da rausholen und wir haben nicht einmal Medikamente, um sie einzuschläfern“, so der Zoo-Sprecher Pintschuk.

Tieren in ukrainischen Zoos droht Tod durch Kälte und Hunger

Ohne sicheren Korridor erwarte die Exoten in Demidiw der Tod durch Kälte und Hunger. Nach Pintschuks Worten überleben die Vierbeiner nur dank einiger Helfer, die an die Tiere „Reste der Reste“ verteilen. Es sei dringend nötig, Brennstoff und Essen in den Zoo zu bringen, um die Tiere zu wärmen und zu füttern.

Unterstützung kommt derzeit auch aus dem Berliner Zoo und Tierpark, die die ukrainischen Zoos mit Futtermitteln versorgen. Wie der Tierpark Berlin am Dienstag auf Twitter mitteilte, seien knapp 20 Tonnen Futtermittel in der Ukraine angekommen. Die Fracht beinhaltet circa 750 Kilogramm Zebrafutter und jeweils über eine Tonne Giraffen- und Nashornfutter.

Nach einem Zwischenstopp in Warschau organisierten Mitarbeiter der Zoos in Warschau und Lodz die Verladung in Kleinbusse. Diese wurden dann von ukrainischen Transporteuren an die Zielorte in unter anderem Kiew, Charkiw und Odessa transportiert. Parallel dazu startete ein weiterer Transporter mit Verbandsmaterial, Nahrungsmitteln und weiteren Hilfsgütern in Richtung Ukraine.

„Unsere anfängliche Fassungslosigkeit haben wir schnell überwunden und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um schnelle und effektive Hilfe zu leisten", erklärte Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem letzte Woche. In den vergangenen Tagen und Wochen seien mehr als 80.000 Euro an Spenden für die Zoos in der Ukraine eingegangen. (mit dpa/AFP)

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