Moderner Blickfänger in Al-Ula ist das Konzert- und Konferenzgebäude Maraya, dessen Fassade ganz verspiegelt ist. Foto: imago images/robertharding
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Saudi-Arabien lockt Stars und Touristen Glanz in der Wüste

Nach dem Ölzeitalter setzt Saudi-Arabien auf eine Öffnung des Wüstenstaates und investiert Milliarden in den Umbau. Doch Geld allein wird da nicht reichen.

Eine uralte Ruinenstadt in der Wüste soll Saudi-Arabien helfen, ein modernes Land zu werden. Einst war die Oase Al-Ula im Nordwesten des heutigen Saudi-Arabiens eine Station an der Handelsroute der Weihrauchstraße aus Arabien ans Mittelmeer. Jetzt will Saudi-Arabien die spektakulären Felsformationen und Grabmäler von Al-Ula für den Umbau des Landes nutzen. Internationale Stars werden engagiert, um Al-Ula bekannt zu machen. Das saudische Königreich, das sich noch vor wenigen Jahren gegen Touristen aus dem Westen sperrte, öffnet sich, um seine Zukunft nach dem Ende des Ölzeitalters zu sichern.

Kronprinz Mohammed bin Salman, der starke Mann Saudi-Arabiens, will das Land mit einem Plan namens „Vision 2030“ modernisieren und aus seiner Abhängigkeit vom Öl befreien. Er steckt Milliardensummen in Branchen, um die das konservative Königreich mit seinen 35 Millionen Einwohnern lange einen großen Bogen machte. Der staatliche Vermögensfonds will nach den Worten des Kronprinzen allein in diesem Jahr rund 40 Milliarden Euro in den Umbau des Landes investieren.

In Al-Ula hat der Thronfolger eine Kommission beauftragt, die Wüstenstadt zu einem Aushängeschild des Landes zu machen, ohne ihr kulturelles Erbe zu zerstören. Faszinierende Landschaften und Ruinen aus ferner Zeit sollen Kultur-Touristen anlocken. Moderner Blickfänger in Al-Ula ist das Konzert- und Konferenzgebäude Maraya, dessen Fassade ganz verspiegelt ist. Die staatliche Fluggesellschaft Saudia bietet seit Ende Januar eine Verbindung von Paris nach Al-Ula an, der erste Direktflug aus Europa in die Stadt. Kommende Woche gastiert die US-Sängerin Alicia Keys im Maraya. Der italienische Tenor Andrea Bocelli war bereits zu Gast, die Modefirma Dolce & Gabbana präsentierte eine Modeschau.

Im Konzerthaus Maraya waren schon Tenor Andrea Bocelli und die Modefirma Dolce & Gabbana zu Gast. Nächste Woche kommt US-Star Alicia Keys. Foto: imago images/Xinhua Vergrößern
Im Konzerthaus Maraya waren schon Tenor Andrea Bocelli und die Modefirma Dolce & Gabbana zu Gast. Nächste Woche kommt US-Star Alicia Keys. © imago images/Xinhua

Al-Ula soll zudem das Zentrum einer neuen saudischen Filmindustrie werden. Erst vor vier Jahren hatte Kronprinz Mohammed die Kinos in Saudi-Arabien nach einem 35-jährigen Verbot wieder geöffnet. Nun will die saudische Regierung bis 2030 hundert Produktionen im Land fördern. Außerdem sollen internationale Filmteams in Al-Ula drehen. Derzeit entsteht in der Wüste um die Stadt der Hollywood-Streifen „Kandahar“, dessen Handlung in Afghanistan spielt.

Erst seit 2019 gibt es problemlos ein Touristenvisum

„Kandahar“ ist ein wichtiger Test für die junge saudische Filmbranche. Das Land wolle der Welt zeigen, dass eine internationale Großproduktion dort gut aufgehoben sei, meint der Chef der Filmabteilung von Al-Ula, der britische Produzent Stephen Strachan. Er wolle in Al-Ula ein vollständiges Filmstudio aufbauen, sagte Strachan der saudischen Zeitung „Arab News“. Saudi-Arabien muss den internationalen Filmemachern das Beste vom Besten bieten, denn andere arabische Länder haben diesen Markt bisher für sich: „Star Wars“ etwa wurde in Tunesien gefilmt.

Kronprinz Mohammed ist entschlossen, in diesem und in anderen Bereichen aufzuholen. Auch die Küste Saudi-Arabiens am Roten Meer soll dazu beitragen, das Land zu modernisieren. Dort soll eine „saudische Riviera“ mit Traumstränden, Luxushotels und Tauchgebieten entstehen. Im vergangenen Jahr wurde in Dschidda am Roten Meer der erste saudische Hafen für Kreuzfahrtschiffe eingeweiht. Am Roten Meer wird auch Neom gebaut, eine Hightech-Stadt mit Robotern und fliegenden Taxis, die 440 Milliarden Euro kosten soll. Die Hauptstadt Riad soll bis 2030 mit Investitionen von 700 Milliarden Dollar zu einem kulturellen Zentrum des Nahen Ostens umgebaut werden.

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Erst seit 2019 können Besucher aus dem Westen problemlos ein Touristenvisum bekommen. Bisher sind viele ausländische Besucher Saudi-Arabiens muslimische Pilger, die zur Mekka-Wallfahrt ins Land kommen. Doch jetzt steckt der Staat in Erwartung eines Tourismus-Booms zusätzliche Millionensummen in die Ausbildung von Hotelangestellten, Fremdenführern und anderen Beschäftigten im Tourismussektor. Derzeit besuchen jedes Jahr rund 20 Millionen Touristen das Königreich – 2030 sollen es nach den Plänen von Kronprinz Mohammed rund 100 Millionen sein. Schon bis Ende dieses Jahres soll der Tourismussektor zehn Prozent aller Arbeitsplätze in Saudi-Arabien stellen.

Homosexualität wird nicht geduldet

Um diese Ziele zu erreichen, ist mehr nötig als Geld. So ist Alkohol in Saudi-Arabien weiterhin verboten – viele potenzielle Besucher dürften deshalb weiter Ägypten oder Dubai den Vorzug geben, wo Touristen trinken können, was sie wollen. Das britische Magazin „Travel Weekly“ berichtete, noch müssten Kreuzfahrtschiffe den Ausschank von Alkohol einstellen, sobald sie näher als zwölf Seemeilen an der saudischen Küste seien.

Obwohl Touristinnen – anders als saudische Frauen – in der Öffentlichkeit kein schwarzes Überkleid tragen müssen, sind Miniröcke, kurze Hosen und T-Shirts ohne Ärmel nicht erlaubt. Auch Homosexualität wird nicht geduldet. Das britische Magazin„Economist“ stellte deshalb die Frage, wie Saudi-Arabien bei der Öffnung der Filmindustrie mit westlichen Schauspielern, Regisseuren und Technikern umgehen wird, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen.

Auch die brutale Unterdrückung von Dissens unter Kronprinz Mohammed könnte Besucher abschrecken. Der Mord an dem Regimekritiker und Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018 hat die brutale Seite der Herrschaft des Kronprinzen offenbart. Ruinen und Strände allein dürften nicht ausreichen, um Saudi-Arabien zum neuen Touristenmagneten im Nahen Osten zu machen.

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