Ort der Schändung. Unbekannte hatten in Oradour-Sur-Glane die Gedenkstätte verunstaltet. Foto: Pascal Lachenaud/dpa
© Pascal Lachenaud/dpa

„Rechtsextreme Attacke“ Unbekannte schänden Gedenkstätte für SS-Massaker in Frankreich

Im französischen Oradour-sur-Glane ist das Mahnmal für ein SS-Massaker beschmiert worden – unter anderem mit dem Namen eines Holocaust-Leugners.

In Frankreich hat die Schändung einer Gedenkstätte für ein SS-Massaker Empörung ausgelöst. Unbekannte hatten am Eingang des Gedenkzentrums in Oradour-sur-Glane im Département Haute-Vienne unter anderem das Wort „Märtyrer“ im Schriftzug mit weißer Farbe durchgestrichen und „Lügner“ daneben geschrieben. Außerdem ergänzten sie den Namen eines Holocaust-Leugners.

Staatschef Emmanuel Macron verurteilte die Tat und versprach, dass alles getan werde, um die Verantwortlichen zu finden. Nichts könne die Erinnerungen an die 642 Märtyrer von Oradour-sur-Glane vergessen machen, schrieb Macron am Samstag auf Twitter.

Die Schmierereien waren Medienberichten zufolge am Freitag entdeckt worden, Ermittlungen wurden eingeleitet. Das Gedenkzentrum reichte demnach auch eine Anzeige ein. Die Ermittler hofften nun auf Hinweise auf den oder die Täter, auch durch die Aufnahmen der Videoüberwachung der Gedenkstätte, berichtete der Sender Franceinfo.

Das Mahnmal in dem Dorf nordwestlich von Limoges erinnert an ein Massaker deutscher Besatzer am 10. Juni 1944. Angehörige der SS-Panzerdivision-Einheit „Das Reich“ hatten Frauen und Kinder in eine Kirche eingesperrt und diese dann angezündet. Die Männer des Ortes wurden erschossen. Das Dorf wurde zerstört, die Ruinen blieben erhalten und in das Zentrum mit eingegliedert.

[Wenn Sie die wichtigsten Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Das zerstörte Dorf nahe Limoges im Zentrum Frankreichs ist seit 1999 eine nationale Gedenkstätte, die jährlich rund 300.000 Menschen besuchen. In der Nähe ist eine neue Ansiedlung entstanden.

Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, verurteilte die Tat und sprach von einer „rechtsextremen Attacke“. „Es ist höchste Zeit, dass die Regierungen in Europa diesen Tätern entschieden und konsequent gegenübertreten und die Demokratie und die Würde der Opfer verteidigen“, erklärte Heubner.

Das SS-Massaker hatte noch vor wenigen Jahren für Schlagzeilen gesorgt, als das Kölner Landgericht es abgelehnt hatte, das Verfahren gegen einen 89-Jährigen einzuleiten. (dpa, AFP)

Zur Startseite