Wegen des Diebstahls mussten dem gesamten Jahrgang Ersatzaufgaben gestellt werden. Foto: dpa/Robert Michael
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Update Prozess in Bamberg beginnt Jugendliche wegen geklauter Abi-Prüfungen vor Gericht

Vor knapp einem Jahr wurden in Bamberg Abiturprüfungen aus einer Schule gestohlen. Jetzt sitzen drei Schüler auf der Anklagebank.

Weil sie Abitur-Prüfungsaufgaben aus einem Schul-Tresor gestohlen haben sollen, müssen sich am Montag drei junge Männer vor dem Amtsgericht Bamberg verantworten. Die zum Tatzeitpunkt 18-Jährigen sind unter anderem wegen besonders schweren Diebstahls angeklagt.

Die Schüler sollen nachts in ihr Gymnasium eingebrochen sein, den Tresor geknackt und Unterlagen gestohlen haben. Darunter: Prüfungsaufgaben für das Abitur. Tausende Prüflinge in Bayern bekamen deshalb vergangenes Jahr laut Kultusministerium Ersatzaufgaben gestellt. Den jungen Männern drohen Haftstrafen.

Der Polizei zufolge waren die Täter sehr professionell vorgegangen. Doch „technische und digitale Spuren“ führten zu einem der Gymnasiasten. Die Polizei durchsuchte dessen Wohnräume. Bei einer anschließenden Vernehmung habe der damals 18-Jährige vollumfänglich gestanden.

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Er übergab den Ermittlern das Tatwerkzeug und die Abiturprüfungsaufgaben. Laut Polizeibericht waren diese in einem Waldgebiet versteckt gewesen. Im Dezember erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen drei damals 18-Jährige Schüler des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums.

Die Ermittler gehen davon aus, dass einer der Schüler bereits im November 2019 unter einem Vorwand einen Generalschlüssel aus dem Sekretariat ausgeliehen hatte. Auf der Schultoilette seien Abdrücke und Fotos gemacht worden. Damit soll im Internet ein nachgemachter Generalschlüssel bestellt worden sein.

Die Angeklagten stehen im Verdacht, mehrfach nachts in das Gebäude eingedrungen zu sein. Im Mai 2020 hätten zwei von ihnen den Safe aus einem Wandschrank des Direktors gelöst und mit einer Flex aufgesägt. Darin lagen die Prüfungsaufgaben aus dem Bereich Latein, Englisch und Deutsch.

„Am Anfang war es Abenteuerlust“, sagte einer der Angeklagten, der es dem Richter zufolge von seiner schulischen Leistung her nicht „nötig“ gehabt hätte. „Anerkennung“ sei wohl auch ein Grund gewesen.

Die zur Tatzeit 18-Jährigen seien sich der eskalierenden Dynamik nicht bewusst gewesen. Vor Gericht entschuldigten sie sich unter anderem bei den geschädigten Schülern, der Schule und dem Direktor. (dpa)

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