Im Juli 2019 fand das letzte Pokémon GO Fest im Dortmunder Westfalenpark statt. Nun kommt es in den Britzer Garten nach Berlin. Foto: imago images / Friedrich Stark
© imago images / Friedrich Stark

Pikachu im Britzer Garten „Man taucht an diesem Tag in die Pokémon-Go-Welt ein“

Am kommenden Wochenende findet in Berlin das Pokémon Go Fest statt. Und der Britzer Garten wird zum digitalen Spielfeld.

Im Sommer 2016 brachen die Entwickler von Niantic alle Rekorde mit einem neuen Handyspiel: Pokémon Go. Der große Hype hielt nur einige Wochen an. Doch das Spiel um Pikachu, Glumanda und Mewtu zählt bis heute etliche Fans und Tausende aktive Spieler.

Die sogenannten Trainer finden sich am kommenden Wochenende im Britzer Garten in Berlin zusammen. Dort findet das dreitägige Pokémon-Go-Fest statt. Vom 1. bis zum 3. Juli verwandeln sich die Grünflächen des Neuköllner Parks zum virtuellen Spielfeld.

Philip Marz, Head of Marketing für Pokémon Go EMEA, erzählt im Interview, warum das Festival ausgerechnet im Britzer Garten stattfindet und warum Pokémon Go bis heute so erfolgreich ist.

Herr Marz, seit wann gibt es das Pokémon-Go-Fest?
Der Ursprung des Pokémon-Go-Festes geht zurück auf 2017, also ein knappes Jahr nach Launch der App. Da fand es in Chicago statt, ebenso wie 2018. Die Nachfrage stieg in dieser Zeit in allen Regionen kontinuierlich, was dazu führte, dass wir 2019 erstmals das Fest nach Europa bringen konnten, im Speziellen nach Deutschland in den Westfalenpark in Dortmund.

Warum ausgerechnet dahin?
Es gibt bei solchen Events eine lange Liste an Anforderungen, die gegeben oder erfüllt sein müssen. Und da gibt es leider in Europa nur eine Handvoll Parks, in denen das möglich ist. Und einer davon war 2019 eben der Westfalenpark.

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Aufgrund der Pandemie fiel das Live-Event dann zwei Jahre lang aus. Und nun der Neustart in Berlin?
Wir könnten jetzt nicht erfreuter und aufgeregter sein, das Ganze wieder nach Europa, wieder nach Deutschland in die reale Welt zu bringen. Berlin als austragende Stadt hat natürlich auch eine andere Außenwirkung auf globaler Ebene. Berlin als kulturell geprägte Stadt spricht schon für sich, aber eben auch als Bundeshauptstadt – wir erwarten 60 Prozent internationale Teilnehmer.

Warum eignet sich der Britzer Garten besonders gut?
Der Britzer Garten ist in den Ausmaßen und Strukturen einfach perfekt für das, was wir da machen wollen. Das verfolgt immer drei Prinzipien: Bewegung, Entdeckung und Interaktion in der realen Welt.

Der Britzer Garten wurde 1985 für die Bundesgartenschau angelegt. Vom 1.-3.7.22 finden sich hier Pokémon Fans ein. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB Vergrößern
Der Britzer Garten wurde 1985 für die Bundesgartenschau angelegt. Vom 1.-3.7.22 finden sich hier Pokémon Fans ein. © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Wird der gesamte Park zum Spielfeld?
Der Park ist in seiner Grundgestaltung riesig und in den Ausmaßen noch größer als das, was wir aus 2019 vom Westfalenpark in Dortmund kennen. Deswegen mussten wir uns bei der Bespielung und Ausgestaltung unseres Veranstaltungsformats auf eine Teilfläche beschränken, die ungefähr die Hälfte des Britzer Gartens einnimmt.

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Dürfen denn dann an diesem Wochenende nur Pokémon-Spieler den Garten betreten?
Mit dem Betreiber Grün Berlin wurde eine Regelung gefunden, dass auch diejenigen Zugang zum Park bekommen, die eine Jahreskarte haben, um vielen Menschen die Möglichkeit zu bieten, die ganz besondere Pokémon-Go-Erfahrung in Berlin zu machen. Unabhängig davon, ob man das Spiel spielt oder nicht.

Welche Hürden gibt es vor Ort?
Es gibt viele Wasserflächen, die wir für das Veranstaltungsgeschehen nicht nutzen können. Was bei uns in der Umsetzung auch immer ganz wichtig ist, ist das Netzwerk, um die bestmögliche Internetverbindung sicherzustellen. Da ist es hilfreich, wenn man ein ebenes Gelände hat. Aber der Britzer Garten hat einige Hügel und ist auch dicht bewachsen. Deshalb mussten wir ein paar Bereiche ausgrenzen.

Philip Marz arbeitet seit 2017 bei Niantic und ist verantwortlich für das Produktmarketing von Pokémon Go. Foto: Niantic Vergrößern
Philip Marz arbeitet seit 2017 bei Niantic und ist verantwortlich für das Produktmarketing von Pokémon Go. © Niantic

„Pokémon Go spielt doch kaum noch wer“, heißt es oft. Stimmt das?
Pokémon Go ist eines der erfolgreichsten Mobile Games aller Zeiten mit mehr als einer Milliarde Downloads in den verfügbaren App Stores und ist auch nach wie vor in aller Munde. Das Spiel ist in der relevanten Zielgruppe weiterhin sehr erfolgreich und positioniert. Es ist ein Spiel für jedermann, für jede Frau, für jedes Individuum, unabhängig von Interessen, unabhängig von der Herkunft. Und das drücken wir auch mit diesen Erlebnissen in der realen Welt aus. Es braucht nichts an Vorkenntnis, um daran teilzunehmen und diesen Spaß für sich selber zu entwickeln und daran mitzuwirken. Und das ist es auch, was Pokémon Go so erfolgreich macht, jetzt bereits im sechsten Jahr.

Niantic hat bis heute beibehalten, dass jeder Spieler auch weiterhin kostenfrei spielen kann, wenn er oder sie nicht gewillt ist, Geld dafür zu bezahlen.
Das ist uns auch ganz wichtig, wirklich diese Zugänglichkeit zu gewährleisten. Es ist kein Pay-to-Win-Spiel. Man kann natürlich den ein oder anderen Euro investieren, um schneller ans Ziel zu kommen. Aber es ist für den übergeordneten Erfolg nicht erforderlich und das ist es auch, was für uns im Kern über Allem steht. Der Community-Kern steht für uns ganz klar im Fokus.

Wann haben Sie bei Niantic anfangen?
Ich habe im Sommer 2017 bei Niantic angefangen. Da waren wir knapp 70 Mitarbeiter weltweit. Heute sind wir mehr als 1000. Da sieht man, wie das Unternehmen mit dem Produkt gewachsen ist. Für mich persönlich ist es nach wie vor etwas ganz Besonderes, meinen Teil beizutragen, weil man eben auch eine ganz besondere Verbindung hat – sowohl zum Unternehmen als auch zum Produkt, weil man ja seit den Kinderschuhen ein Teil der ganzen Entwicklung ist.

Haben Sie denn als Kind die Serie schon geschaut und Pokémon auf dem Game Boy gespielt?
Ich bin Jahrgang 1987. Ich erinnere mich daran: Ich kam aus der Schule und natürlich musste ich Pokémon auf RTL 2 gucken. Und auch auf dem Game Boy spielen – klar. Also das waren schon Bestandteile meiner Jugend. Und wenn man dann die Möglichkeit hat, so ein Stück Kindheitserinnerung wiederzubeleben und jetzt technologisch das Ganze in die reale Welt mitzunehmen, ist das auch für einen Erwachsenen sehr ansprechend. Und man muss kein Gamer sein, um zu hundert Prozent hinter diesem Produkt zu stehen.

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Also ist Pokémon Go ein Spiel für Jung und Alt?
Wir werden im Britzer Garten Menschen aller Alters- und Herkunftsgruppen sehen. Das fängt an in den jungen einstelligen Jahren bis hin zu… die älteste Spielerin, die ich selber getroffen habe, war 98. Und das ist einfach großartig. Das ist auch genau das, was uns so wichtig ist und was wir immer wieder in den Fokus stellen.

Was genau erwartet die Besucher am kommenden Wochenende beim Go Fest?
Beim Pokémon-Go-Fest geht es darum, ein Spielbrett zu finden, das kontinuierlich die digitale mit der realen Welt verknüpft. Man taucht an diesem Tag in die Pokémon-Go-Welt ein. Wenn man den Britzer Garten betritt, wird man abgeholt von Musik, es ist wie ein Besuch im Freizeitpark. Es gibt unterschiedliche Erlebniswelten, besondere Dekorationen, Bereiche, in denen man sich mit anderen Trainern und Fans austauschen kann. Und man kann mit Pikachu Fotos machen.

Sozusagen Pikachu zum Anfassen?
Pikachu ist natürlich eines der stärksten Elemente mit dem größten Wiedererkennungswert. Auch wenn es jetzt für diese Veranstaltung im Speziellen innerhalb des Spiels eine untergeordnete Rolle spielt, hat gerade Pikachu dafür gesorgt, dass weltweit überhaupt erst einmal Aufmerksamkeit da ist für die Marke, für das Produkt.

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