Entscheidend ist das erste Treffen, auf das man nicht lange warten sollte

parship und Co. Online-Dating: Ins Schlaraffenland der Liebe

Entscheidend sei ohnehin, was bei der ersten Verabredung in der realen Welt geschieht, findet auch Christian Thiel, „ob das nun passiert, nachdem man sich beim Tanzen kennengelernt hat wie meine Eltern, oder ob zuerst ein paar E-Mails hin und her gingen“. Eine Befragung, für die die Online-Partnerschaftsvermittlung Parship in Zusammenarbeit mit der Uni Zürich fast 3000 Paare gewinnen konnte, die sich zwischen 2001 und 2012 online oder offline kennengelernt hatten, zeigt: Online-Paare haben sich im Durchschnitt einen Monat nach der Kontaktaufnahme persönlich getroffen, Offline-Paare hatten oft schon ein paar Tage nach der ersten Begegnung das erste romantische Tête-àTête, manchmal aber auch erst ein halbes Jahr später. Wenn aus einer Online-Bekanntschaft aber ein Paar wird, dann folgen die klassischen weiteren Schritte deutlich schneller, vom Zusammenziehen über das Heiraten bis zum Kinderkriegen.

Von „einschüchternden emotionalen Erwartungen“, die durch das Online-Dating aufgebaut würden, spricht die Soziologin Eva Illouz. Durch das Abgleichen psychologischer Profile von Interessenten in Internet-Kontaktbörsen entstehe zudem der Eindruck, die Partnerwahl könne informierter, rationaler und rationeller erfolgen. Die Ergebnismaximierung sei zum Selbstzweck geworden, so fürchtet die bekannte Liebes-Forscherin, eine „Mentalität des Vergleichens“ mache es immer schwieriger, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden, die einem „gut genug“ vorkomme. „Das Internet arrangiert die Auswahl wie auf einem Buffet und lädt zu einer Form von Wahl ein, die aus der ökonomischen Sphäre abgeleitet ist, so schreibt Illouz in ihrem Buch „Warum Liebe wehtut“. „Formen von Wissen, die eher auf Intuition oder Offenbarung beruhen, werden dadurch beeinträchtigt.“ Auf jeden Fall lernt, wer mit einem anderen Menschen zunächst per E-Mail und anschließend telefonisch in Kontakt kommt, zuerst dessen Sprache und Gedanken, dann seine Stimme kennen – allenfalls ergänzt durch ein statisches Foto. Ein Kennenlernen von innen nach außen, so könnte man sagen. Kein Zweifel: Die Partnersuche im Netz ist zunächst weniger optisch, weniger sinnlich. Denn erst beim ersten Treffen kommt das Fluidum der gesamten Erscheinung, kommen Ausstrahlung, Mimik und Gestik des anderen hinzu. Erst dann hat man auch die Chance zu erkennen, ob man sich überhaupt „riechen kann“. Thiel rät deshalb dringend, zu Beginn nie mehr als zwei, drei Mails hin und her zu schicken, darin nicht die Ebene eines eher konventionellen Flirts zu verlassen – und sich, erste Anzeichen von gegenseitiger Sympathie vorausgesetzt, möglichst bald zu treffen. Wer sich wirklich eine Beziehung wünscht, sollte das schon deshalb tun, weil ein kleiner Prozentsatz der Nutzer von Online-Kontaktbörsen nur darauf aus ist, online den eigenen Marktwert zu testen, wie Zillmann berichtet. Sie sind nicht wirklich auf der Suche nach einem Partner – haben womöglich sogar schon einen.

Weg ins Glück. Die Beziehungen werden besser – und die Trennungen häufiger, wenn es nicht mehr passt. Foto: picture-alliance/ dpa Vergrößern
Weg ins Glück. Die Beziehungen werden besser – und die Trennungen häufiger, wenn es nicht mehr passt. © picture-alliance/ dpa

Vielleicht ist beim Online-Dating die Gefahr größer, im Vorfeld zu viele Hoffnungen in jemanden zu setzen, der zwar schöne Textbotschaften verfassen kann, sich schließlich aber als der oder die „Falsche“ entpuppt. „Früher war es dafür leichter, sich in den Falschen zu verlieben“, gibt Singleberater Thiel zu bedenken. In einen Menschen, der äußerlich „genau mein Typ“ ist, der aber für sein Leben komplett andere Träume hat. Wenn das Profil, mit dem der andere sich im Netz zeigt, sehr gut sei, könne man sich und anderen dagegen solche vermeidbaren Enttäuschungen ersparen. Dass in einer derart „geplanten“ Beziehung starke Emotionen keinen Platz haben, ist damit nicht gesagt. „Das Kennenlernen im Netz wirkt auf viele sehr unromantisch. Aber was dabei herauskommt, kann sehr romantisch sein“, sagt Soziologin Zillmann.

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