Die Venus von Willendorf – von Facebook verschmäht – soll auf Only-Fans Liebhaber finden. Foto: imago/United Archives International
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Österreichs Hauptstadt zieht blank Wiener Museen stellen auf Porno-Plattform aus

Wegen Zensur in den sozialen Medien stellen Wiener Museen Aktkunst jetzt auf der Seite „Only-Fans“ aus. Die Hintergründe.

Nackte Brüste, runde Hintern, Vulven und Phalli in all ihren Ausprägungen sind nicht gerne auf Instagram und Facebook gesehen. Laut den Plattformen verstößt Nacktheit gegen die Community-Richtlinen und die gelten auch für die Aktkunst in Wiener Museen.

Vier Wiener Museen mussten in den vergangen Jahren feststellen, dass die künstlerische Darstellung von Erotik keinen Platz in den gängigen sozialen Plattformen findet. Ihre Kunst bewerben sie jetzt auf dem Only-Fans Account „viennatouristboard“ .

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Bisher nehmen das Naturhistorische, das Kunsthistorische und das Leopold-Museum sowie die Albertina an der Aktion teil. Der Account wird vom Wiener-Tourismus betrieben. Abonnent:innen des Only-Fans Accounts bekommen die Venus von Willendorf über Fotografien der Künstlerin Valie Export bis hin zu Aktgemälden von Egon Schiele und Peter Paul Rubens zu sehen.

Wer bestimmt über Anstößigkeit?

Die Venus von Willendorf empfand Facebook 2018 als „pornografisch“ und entfernte den Post kurzerhand. Der alte TikTok-Account der Albertina wurde vollständig blockiert, nachdem auf diesem die Fotos des japanischen Künstlers Nobuyoshi Araki eine verdeckte weibliche Brust zeigten.

Gemälde von Peter Paul Ruben wurden 2019 als Verstoß gegen die Richtlinien von Instagram gewertet, weil sie Nacktheit darstellten. Das Verbot von Nacktheit gelte auch, wenn die Darstellungen rein künstlerischer Natur seien.

„In den sozialen Medien bestimmen Algorithmen, wie viel Nacktheit gezeigt werden darf, und zensieren dabei nicht selten weltberühmte Kunstwerke. Wir stellen daher die Frage, wie viel Nacktheit wir aushalten und wer bestimmen kann, was wir als anstößig empfinden. In der Kulturmetropole Wien lässt sich die Frage beantworten: Aktkunst ist gesellschaftspolitisch und künstlerisch Teil der Kulturgeschichte“, sagt Wien-Tourismus-Direktor Norbert Kettner über die Aktion dem Standard.

Only-Fans erlaubt explizite Darstellungen. Foto: imago images/NurPhoto Vergrößern
Only-Fans erlaubt explizite Darstellungen. © imago images/NurPhoto

Mit der neuen PR-Strategie umgehen die Museen die Zensur. Only-Fans ist die einzige Social Media-Plattform, die die Darstellung von expliziten Inhalten erlaubt. Während der Pandemie wurde das Medium als Plattform zur digitalen Sexarbeit bekannt. Auf der Plattform können Darsteller:innen Inhalte veröffentlichen. Wer die Inhalte sehen will, muss den jeweiligen Account abonnieren.

Im Guardian schrieb Helena Hartlauer, Sprecherin des Wiener-Tourismus, dass die Arbeiten der Künstler:innen zu bedeutend für Wien seien, um nicht gezeigt zu werden. Es sei frustrierend, wenn ikonische Werke auf den Sozialen Medien nicht genutzt werden können, um die Ausstellungen zu bewerben. Wer den 18+ Inhalt der Wiener Museen abonniert hat, erhält eine freie Eintrittskarte in die teilnehmenden Museen oder eine Vienna City Card.

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